Kapitel 121

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Sebastian kehrte in seine Wohnung zurück und sah sich um. Irgendwie kam ihm alles fremd vor. 

„Julia und Jonas haben hier aufgeräumt, es war ja wirklich unerträglich,“ dachte er mit einem bitteren Lächeln.

Seine Eltern hatten ihn aus dem Krankenhaus abholen wollen jedoch dieses hatte er abgelehnt. Die ganze Situation war ihm einfach zu unangenehm und er schämte sich vor ihnen.

„Ich habe mich total gehen lassen. Meine Wohnung muss ausgesehen haben wie die von einem Messie. Das hätte mir noch gefehlt, dass ich auch  noch hier raus fliege.....“, dachte er und setzte sich in seinen Sessel da ihm sein Beinverletzung noch immer Probleme bereitete.

Er wusste nicht wie es weiter gehen sollte. Sicherlich, er würde mit dem Trinken aufhören. Noch konnte er es auch wenn er wohl nur um Haaresbreite an einem wirklichen Alkoholproblem vorbei geschlittert war. 

Zumindestens hoffte er dass er in seiner einsamen Wohnung, abends, wenn es dunkel wurde, nicht mehr zum Weinbrand greifen würde.

Nur mit Mühe und Not war er einer Einweisung in die Psychiatrie entgangen. „Ich bin doch nicht verrückt. Es gibt diese Statuen. Und es ist normal dass man Angst vor ihnen hat. Aber ich habe hier alles verkehrt gemacht. Alles was geschehen war war ihm zutiefst unangenehm. Wie sollte er so seiner Familie, besonders seinen Eltern, wieder unter die Augen treten? Und sämtliche Nachbarn hatten den Schuss gehört und im Treppenhaus gestanden als Polizei und Krankenwagen anrückten nachdem er seine Eltern im ersten Schrecken versehentlich für Statuen gehalten hatte.....

„Die denken doch jetzt bestimmt ich wäre ein versoffener Irrer! Ich werde mir eine andere Wohnung suchen müssen.“, dachte er und griff nach der Tageszeitung die er sich aus dem Briefkasten geholt hatte. 

Er würde versuchen sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Zuerst musste eine neue Wohnung her. Und dann ein neuer Job. Vielleicht gab es ja doch die Möglichkeit für einen Neuanfang.......

Für Lucas war nach der Klassenfahrt und dem einen Tag den er wegen einer angeblichen Magen-Darm-Grippe gefehlt hatte der Schulalltag wieder los gegangen. 

Die Begegnung mit Stefan lag mittlerweile zwei Wochen zurück und er freute sich darüber dass sich sein Verhältnis zu Jonas wieder normalisiert hatte.

In den Sommerferien, die nun langsam in greifbare Nähe rückten wenn sie auch noch erschreckend weit entfernt lagen, würde er mit seinem Bruder für zwei Wochen nach Raichelbach fahren. „Das ist das erste Mal dass ich in den Ferien irgendwo einen Urlaub machen,“ dachte Lucas. 

Er freute sich darauf Gerrit und Frau Huber unter günstigeren Umständen wieder zu sehen. 

Doch eine andere Sache bereitete ihm Sorgen. Seine Freundin Meike hatte am Vortag eine Verabredung fürs Kino abgesagt und auch jetzt, auf dem Schulhof, ging sie ihm aus dem Weg.

„Sie hat mich vorhin angesehen als ob sie ein schlechtes Gewissen habe,“ dachte Lucas verwundert. „Und auch Sabrina sieht mich so seltsam an. Sie ist doch Meikes beste Freundin. Bestimmt weiß sie was los ist aber sicherlich wird sie nichts sagen!“

Er beschloss die Flucht nach vorne anzutreten und Meike einfach nach den Gründen für ihr Verhalten zu fragen. Er war sich keiner Schuld bewusst aber hatte er vielleicht doch etwas falsch gemacht?

Er fand Meike schließlich gemeinsam mit Sabrina auf einer Bank sitzend vor.

„Meike, was ist eigentlich los? Bist du irgendwie sauer auf mich?“, erkundigte er sich aber sie schüttelte den Kopf während Sabrina sie an stieß. „Nun sag es ihm schon!“

„Was sollst du mir sagen? Meike, was ist los?“, fragte Lucas leise. 

Dann hob seine Freundin den Kopf und sah ihn verlegen und schuldbewusst zugleich an. „Lucas, es tut mir total leid. Ich mag dich ja auch aber.....ich habe vor drei Tagen jemand kennen gelernt. Im Schwimmbad. Er heißt Benni und ist.....“

Sie brach ab. Was hatte sie sagen wollen? Benni ist total süß? Oder Benni ist mein neuer Freund?

Lucas wusste es nicht. „Und jetzt willst du Schluss machen?“, fragte er und wurde blass. 

Sie nickte. „Ja, das ist besser. Aber ich weiß nicht wie ich das sagen soll. Aber....Benni ist....“

„Lass mich mit deinem blöden Benni in Ruhe,“ zischte Lucas sie an und ließ sie stehen. 

Er erinnerte sich daran dass sie ihn gebeten hatte mit ins Schwimmbad zu kommen. Aber an diesem Tag war es wirklich nicht gegangen. Und nun....

„Wenn ich mit gegangen wäre dann hätte sie vielleicht nicht diesen Benni kennen gelernt,“ dachte Lucas und setzte sich kurz darauf unglücklich auf seinen Platz in der Klasse. Nur flüchtig bemerkte er dass auch Mirko die Klasse betrat und von seinen freudig grölenden Freunden und seiner Freundin Jennifer begrüßt wurde. Es war das erste Mal dass Mirko nach den Ereignissen der Klassenfahrt wieder zur Schule kam.

„Der kann noch so ein Idiot sein, seine Freundin bleibt bei ihm. Und ich.....“, grübelte Lucas noch als sich Sabrina auf den Stuhl neben ihm setzte.

„So toll ist Benni gar nicht, ich war ja dabei als sie mit ihm, ähm, zusammengekommen ist.. Aber er ist vier Jahre älter und hat gerade sein Studium angefangen. Und er hat ein tolles Auto,“ sagte sie. 

„Ich habe Meike auch schon gesagt dass das mit ihr und Benni nicht lange gut gehen wird weil der dauernd andere Freundinnen hat. Ich habe den schon öfters da im Schwimmbad mit Mädchen gesehen. Aber sie glaubt es halt nicht.“

Lucas zuckte die Schultern. Über Benni wollte er nun wirklich nichts hören....

Unglücklich ging Lucas an diesem Tag nach Schulschluss nach Hause und traf dort überraschend auf seinen Vater Georg.

„Was ist denn los?“, erkundigte dieser sich besorgt als er den traurigen Gesichtsausdruck seines Sohnes bemerkte.

„Meike....sie hat Schluss gemacht,“ antwortete Lucas und sein Vater drückte ihn kurz einmal mitfühlend an sich.

„Das tut mir leid. Liebeskummer. Aber da müssen wir alle mal durch. Das geht auch wieder weg,“ sagte Georg.

Lucas nickte. „Hoffentlich. Aber trotzdem, dass ich für Aufreißer-Benni sitzen gelassen werde ist schon ziemlich daneben.“

„Wenn dieser Kerl ein Aufreißer ist dann fällt deine Meike sicherlich bald mit ihm auf die Nase und steht wieder vor deiner Tür. Aber dann solltest du dir überlegen ob du sie noch haben willst,“ stellte Georg fest und seufzte. 

„Ich würde mich gerne noch ein wenig mit dir unterhalten. Aber ich muss wieder zur Arbeit. Ich habe nur ein paar Unterlagen geholt. Und anschließend muss ich zu Hedwig. Wir müssen noch ein paar Sachen wegen dem Haus klären.“

Lucas nickte während sein Vater die Wohnung verließ.

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