86: Du kannst auf mich zählen

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Mitten in der Nacht wachte ich auf. Mein Kissen hob und senkte sich gleichmäßig. Kein Zweifel: Jack. Ich setzte mich auf und starrte benommen umher. Es regnete immer noch und Jacks Hemd, welches ich ja trug war ziemlich regenwasserdurchtränkt. Zwischen den Wolken konnte man die Mondsichel und ein paar Sterne erkennen und es war eine milde, ja eigentlich fast warme Nacht. Aber es regnete. Ich liebte die Nacht. Würde es Jack nicht geben, hätte ich der Nacht schon längst einen Heiratsantrag gemacht. Ehrlich.

Dann spürte ich, wie sich eine Hand auf meinen immer noch nackten Oberschenkel legte und sanft darüber streichelte. Ich drehte mich um. Jack hatte sich ebenfalls aufgesetzt und sah mir nun direkt in die Augen.

"Danke, Jack", sagte ich noch einmal.

"Gern geschehen, Liebes. Du hast viel durchgemacht", meinte er.

"Jetzt erinner mich bloß nicht daran."

"'tschuldige."

Jack hob das Hemd, das ich trug ein Stück an und begutachtete die Narbe, die ich mir bei dem Kampf gegen die Skelette eingefangen hatte. Sie zog sich quer über meinen Bauch. Sanft streichelten seine Fingerkuppen über die Narbe und mir entfuhr ein glückliches 'hmm', weil es sich einfach total schön anfühlte. Denn mittlerweile war die Wunde mit der Hilfe von Jacks 'Zaubersalbe' gut verheilt. Eine Gänsehaut entsprang an den Stellen, an denen Jack vorsichtig meine Haut berührte und breitete sich von dort langsam und voran kriechend auf meinem gesamten Körper aus. Genüsslich schloss ich die Augen und mir entfuhr ein weiterer Seufzer. Ups! Ich riss die Augen auf und blickte in Jacks grinsendes Gesicht.

"Es muss dir nicht peinlich sein, Liebes. Ich weiß, dass es dir gefällt", neckte er mich.

"Ich auch. Aber wenn du so weitermachst, fängst du dir gleich eine."

"Dann pass aber auf, dass du schnell bist, denn ich fress dir vorher dein hübsches Köpfchen vom Leib. Weißt du, etwas, das so süß ist, wie du, kann ich nämlich nicht widerstehen." Sein Grinsen wurde immer breiter.

"Dann pass du aber auch auf. Ich bin nämlich Chili-Schokolade. Süß und... unglaublich scharf." Ich grinste.

"Gerade eben warst du noch verzweifelt da unten bei den Jungs und jetzt hast du schon wieder deine große Klappe", stellte Jack höchst amüsiert fest. "Aber keine Sorge. Ich mag deine große Klappe."

"Oh, da bin ich aber erleichtert!", sagte ich und lachte.

Mir ging es tatsächlich schon wieder um Welten besser. Und ich fühlte mich unglaublich wohl hier oben! Es war wunderschön.

"Ich bin dir immer noch sehr dankbar, dass du gekommen bist. Wie hast du das eigentlich geschafft?"

"Ich habe Barbossa so lange mit belanglosem Zeug vollgelabert, dass er mich irgendwann wegen Belästigung rausgeworfen hat. Das hat echt Spaß gemacht", berichtete er.

"Und wovon hast du ihm erzählt?"

"Im Ernst? Das willst du wissen?"

"Denkst du, ich würde sonst fragen?", argumentierte ich; war er so benebelt oder tat er nur so?

"Über Fortpflanzung." Ich hob eine Augenbraue und sah Jack ungläubig an. "Bei Seeschildkröten", fügte er hinzu.

"Ahja...", machte ich. "Nun, wie dem auch sei. Danke nochmal."

"Du weißt doch, dass du auf mich zählen kannst", erklärte Jack, zwinkerte und setzte sein charmantes Schleimer-Lächeln auf.

"Und du kannst auf mich zählen", erwiderte ich und begann zu singen. Singen war eines meiner Grundbedürfnisse. "If you ever find yourself stuck in the middle of the sea, I'll sail the world to find you. If you ever find yourself lost in the dark and you can't see, I'll be the light to guide you."

Always the Sea - Die Abenteuer der Jessie Bones (Fluch der Karibik FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt