Kapitel 70

12.7K 1.1K 420

                   

You are, and always have been, my dream.

...

Ich war schon einige Stunden munter und beobachtete ihn während er noch tief und fest schlief. Es war bereits kurz vor zwölf und noch immer war er tief in seinen Träumen gefangen. Ich nahm es ihm nicht übel, ich wusste, dass er die letzten Tage keinen Schlaf hatte und nebenbei störte es mich nicht. Denn ich liebte es ihn morgens beim Schlafen zuzusehen. In seinen Träumen verfolgten ihn nicht der tägliche Stress oder die tägliche Angst – in seinen Träumen war er glücklich.

Natürlich war er auch mit mir glücklich – immerhin besaß er starke Gefühle für mich. Doch ich wusste, dass die ganze Sache nicht ohne ist. Mein Krankenhausaufenthalt nahm ihn besonders mit. Jeder andere Junge in seinem Alter, der ebenfalls eine Beziehung führte, musste mit solchen Problemen nicht kämpfen.

Mit meinen Fingerspitzen strich ich ihm sanft über die Wange. Ich konnte nicht anders – er war viel zu schön. Ich konnte mich noch genau an den Morgen erinnern, an dem ich das erste Mal neben ihm aufstand. Der Morgen nach der Party. Damals log ich meine Mutter an und meinte ich würde bei Rose übernachten. Das war das erste Mal, dass ich neben einem Jungen einschlief und morgens wieder aufwachte. Harry wollte damals keine Beziehung führen, was mich irrsinnig verletzte und trotzdem bin ich bei ihm geblieben, weil ich einfach nicht anders konnte. Irgendetwas in mir wollte jede freie Minute bei ihm sein. Nach dieser Nacht wurden meine Gefühle ihm gegenüber viel stärker – ich wusste nicht wieso, doch sie wurde seitdem Moment von Tag zu Tag stärker. Vielleicht gefiel es mir einfach wie er mich abends in seinen Händen hielt und mich nicht losließ, als würde er mich vor allem beschützen wollen, sogar vor meinen Alpträumen.

Mit meiner Hand fuhr ich nun langsam durch seine Haare. Damals liebte ich wie sich seine Haare zwischen meinen Fingern anfühlten. Ich liebte es ihm durch die Haare zu streichen und ich wusste, dass es ihm ebenfalls gefiel.

Er bewegte sich leicht und murmelte etwas leise. Weswegen ich sofort aufhörte, weil ich ihn nicht wecken wollte. Harry runzelte leicht seine Stirn und lächelte dann mit geschlossenen Augen. In seiner attraktiven Morgenstimme sagte er: "Hör nicht auf."

Ich lachte und fuhr fort. "Tut mir leid. Ich wollte dich nicht wecken", entschuldigte ich mich und starrte seine Haare an. Und ich konnte nicht anders, als daran zu denken, dass ich bald keine mehr haben werde.

Ich dachte darüber nach ob Harry mich noch immer attraktiv finden würde. Ohne Haare. Er meinte schon einmal, dass ihm das egal wäre, aber was, wenn nicht? Ich dachte auch darüber nach, ob ich mich schön finden würde. Vor nicht allzu langer Zeit fand ich mich nicht einmal annährend attraktiv. Bis Harry kam, der mir jeden Tag klarmachte wie wunderschön ich sei. Ich glaubte ihm die Worte, weswegen ich nun schon seit Monaten selbstbewusster durch das Leben ging. Was, wenn dieses Selbstbewusstsein verschwand? Was, wenn ich eines morgens wieder weinend vor dem Spiegel stehe, weil ich mich nicht attraktiv finde?

Als könnte er meine Gedanken lesen, öffnete er seine Augen und sah mich mit diesem einem Blick an. Er schüttelte den Kopf und fing an zu lächeln dabei sagte er: "Du bist sogar morgens wunderschön." Bevor ich antworten konnte, schlang er seine Hände um meinen Körper und drückte mich gegen seinen Körper, dabei schenkte er mir mehrere Küsse auf meinem Nacken. Da mich seine Haare kitzelten, fing ich an zu lachen und versuchte mich aus der Stellung zu befreien. Doch er ließ es nicht zu und schenkte mir weiterhin Küsse. Seine Lippen wanderten von meinem Hals bis zu meinen Schultern und hoch auf die Wange. Zum Schluss drückte er mir einen Kuss auf die Stirn und meinte leise: "Fuck, ich liebe dich so sehr."

...

Kurz daraufhin kam mein Arzt, der mit mir die vorletzte Untersuchung machte. Er erklärte mir noch einmal genau, wie sie meinen Tumor entfernen werden und wie es danach weiterging. Mein Arzt war ein älterer Herr, der wusste was er tat und ich vertraute ihm ganz. Immer, wenn er meine Angst besonders spürte, erzählte er mir von seinen Patienten die einen Tumor besiegten. "Ich bin mir sicher, dass ich schon bald meinen nächsten Patienten von der tollen Bella erzählen werde, die mit neunzehn ihren Tumor besiegt hat", meinte er zum Schluss lächelnd und drückte meine Hand.

Promise me IIRead this story for FREE!