Anstatt meinen Kaffee zu trinken, überreichte ich ihn James. Da er so aussah, als würde er ihn dringender brauchen als ich. James legte seine Hand auf meine Schulter und drückte sie leicht: "Danke Harry, dass wir hier bleiben dürfen."

Ich nickte und sah dann auf meine Hände, die auf dem Tisch ruhten. Am liebsten wäre ich bei ihr, anstatt hier zu sitzen. Viel lieber wäre ich neben ihr um ihre Sorgen irgendwie auf mich zu nehmen. Ihre Ängste und Schmerzen zu meinen machen, nur damit sie nicht leiden muss. "Wann darf sie Besuch empfangen?", fragte ihre Mutter plötzlich, als könnte sie meine Gedanken lesen.

"Drei Stunden.", murmelte ich leise vor mich hin. Früher wäre mir die Besucherzeit vollkommen egal gewesen, ich wäre jeden Tag, jede Stunde bei ihr gewesen. Aber damals wurde sie auch nicht auf ihre Operation vorbereitet. Ich wusste nicht wie ich sie heute auf den Brief ansprechen sollte. Wäre sie wütend, wenn sie erfahre würde, dass ich ihn zerrissen habe? Auf jeden Fall.

"Uhm.", kam Carl in die Küche gerannte und deutete auf Lessie neben sich. "Ich glaube Lessie muss bald Mal aufs Klo.", er sah zwischen seinen Eltern hin und her. "Normalerweise würde ich ihn raus in den Garten schicken, aber ... hier geht das ja nicht.", zuckte der kleine Junge mit seinen Schultern.

"Ich gehe mit dir raus.", meinte ich und stand auf. "Packt ihr Mal aus und kümmert euch um Collin.", sagte ich zu Bellas Eltern und strich Carl durch die Haare: "Ich gehe nur schnell ins Badezimmer und zieh mich danach um, okay?"

Er zuckte mit den Schultern und deutete zu Lessie: "Sag das ihr und nicht mir. Sie muss aufs Klo und nicht ich."

Ich sowie seine Eltern fingen an zu lachen. "Du haltest schon durch, oder?" streichelte ich Lessie und sah dann zu Carl: "Gib mir 10 Minuten." Im Badezimmer angekommen, putzte ich mir die Zähne und zog mir frische Sachen an. Danach lehnte ich mich am Waschbecken an und atmete tief durch. Ich wusste nicht wie lange ich es aushalten werde. Das stark sein für Bella und mich. Ich hatte Angst zusammenzubrechen. Ich hatte Angst vor dem was folgt.

Frisch gekleidet ging ich aus dem Badezimmer und sah wie Nana nun unser Bücherregal abstaubte: "Nana du musst nicht die ganze Wohnung aufräumen – du musst ehrlich gesagt nichts machen."

"Ich lenke mich nur ab mein Kind.", lächelte sie mich schwach aus dem Wohnzimmer ab und las den Titel des Buches, welches sie in ihrer Hand hielt. "Hast du irgendwelche Wünsche für das Mittagessen?", fragte Nana mich ohne hoch zu mir zu sehen.

Ich schüttelte den Kopf und wiederholte mich: "Du musst nichts machen. Auch nicht kochen, wir können uns etwas bestel-"

"Sag dieses Wort nicht!", sah sie mich drohend an. "In meiner Nähe wird nichts bestellt! Auch kein Fastfood gegessen!", nun warf sie mir erneut ein Lächeln zu und fragte erneut: "Hast du irgendwelche Wünsche?"

Ich atmete tief durch und lächelte schwach. Es war schön jemanden endlich in der Wohnung zu haben und nicht alleine zu sein. Auch, wenn es nicht einmal zwei Tage waren, fühlte es sich an wie ein ganzes Jahr. "Was auch immer du machst, wird uns schmecken." Ich verabschiedete mich von Bellas Familie und ging mit Carl und Lessie aus der Wohnung. Ohne etwas zu sagen, schnappte Carl meine Hand und hielt in der anderen Hand die Leine von Lessie. Ich führte beide zu einem nahgelegenen Park, wo ich schön öfters Personen mit ihren Hunden sah.

Dort ließ Carl seinen Hund freilaufen und setzte sich auf eine leere Bank. Ich folgte Lessie bei jedem Schritt, da ich irgendwie Angst hatte sie zu verlieren. Immerhin bedeutete sie Carl sehr viel. "Du musst nicht auf sie aufpassen. Sie wird immer zu mir zurückkommen.", lächelte Carl mich schwach an und sah dann wieder auf die Leine, die er in der Hand hielt. "Das hat mir damals Bella auch gesagt."

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