Kapitel 20

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~ Katherine's Sicht ~

Es hatte was mit der Familie zu tun. Das war der Grund warum er ständig die kalte Maske drauf hatte, naja, bei mir nicht mehr, weil er mir vertraut, aber bei den anderen.

Als ich gefragt hatte, wie es so ist als Einzelkind, was machte er den ganzen Tag und was er früher gemacht hatte.

Aber als er mir dann in die Augen sah, sah ich wieder den gebrochenen Jungen, der, der am liebsten den ganzen Tag alleine sein möchte, der, der am liebsten niemanden in seinem Leben lassen wollte.

Ich war trotzdem stolz auf ihn, dass er mich in sein Leben ließ und nicht nach dem Referat abschrieb oder so, er wäre der letzte Mensch, der mich verletzen würde. Er wusste, wie es war verletzt zu werden.

Ich wollte unbedingt wissen, warum er diese Narben trägt - Metaphorisch gesehen, seine Haut ist makellos-, aber ich musste warten, vielleicht erzählt er es mir irgendwann, vielleicht gar nicht, egal was, ich akzeptierte das. Es war ein großer Schritt, noch mal alles zu erzählen und mitzuerleben, die Erinnerungen werden für immer da sein, aber wenn man darüber spricht, kann man sie schlecht verdrängen.

Ich weiß nicht wieso, aber in dem Moment, indem er mich so zögerlich ansah, zog es in meiner Brust, weil ich wusste, dass ich ihn unabsichtlich irgendwo verletzt hatte.

Und das wollte ich nie!

Deswegen war es ein 'Nachteil', dass ich nicht wusste, was damals, bevor er hier her gekommen ist, passiert war.

Das einzige was ich dachte, was damals passiert hätte können, war das er gemobbt wurde, aber was hatte es dann mit seiner Familie auf sich? Wieso hat er keine Mutter? Ist sie vielleicht gestorben oder abgehauen?

War das sein Geheimniss?

Aber das würde auch kein Sinn ergeben, wieso sollte er wegen seiner Mutter gemobbt werden?

Okay, vergessen wir das Thema 'Mutter'.

~ Ein paar Tage später ~

Nachdem Jack ein paar Prügel einkassiert hatte und schließlich auch suspendiert wurde, lief eigentlich alles ganz normal weiter.

Allerdings bemerkte ich, wie Ian sich zurück zog und sich wieder etwas distanzierte.

Ich dachte, ich hätte es soweit geschafft das er mir vertrauen konnte, aber anscheinend war das doch nicht der Fall.

Auch wenn er mir anscheinend nicht vertraut, vertraute ich ihm blind, ich wusste nicht warum, aber ich würde ihm sogar mein Leben anvertrauen.

Tust du das nicht schon, wenn du auf sein Motorrad steigst?

Joa, wo du das gerade sagst.


Nach der Schule wollte ich eigentlich zu seinem Motorrad gehen, doch es war nicht mehr da, wo es geparkt war.

Ich nahm mein Handy raus und erkannte eine Nachricht von Ian darauf.

'Musste früher weg, fahr mit dem Bus. Am besten jetzt jeden Tag okay?'

Mr. EiskaltWo Geschichten leben. Entdecke jetzt