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-Sana gelen dertler benim, mutluluk senin olsun-

Ich blicke lächelnd in die Kamera und bin so glücklich, dass meine Schwester, Naz, mich über FaceTime angerufen hat. Ihr Anruf hat mich echt überrascht, da ich nicht damit gerechnet habe.

Ich bin gerade im Garten und sitze im Schneidersitz auf der Wiese. Es ist wieder schönes Wetter und ich genieße die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Seit Minuten telefonieren wir schon. 

„Ich vermisse dich und Ayaz so sehr." Ein trauriges Lächeln bildet sich auf meinen Lippen. „Wir vermissen dich auch sehr, aber wir können nichts daran ändern."

Ich denke nicht, dass Musa, mein ältester Bruder, mich noch sehen will. Ayaz kann sie ja jeder Zeit besuchen gehen, aber bei mir wäre das nicht so eine gute Idee. Er würde mich nicht Mal ins Haus reinlassen, da bin ich mir sicher.

Ich frage mich, ob Musa sie für ein Wochenende oder in den Ferien zu uns schicken würde? Vielleicht nicht wegen mir, aber wenn Ayaz darauf besteht, würde Musa es zulassen?

Ich hoffe es so sehr.

„Ich weiß." seufzt sie enttäuscht und legt sich in ihr Bett. Sie kuschelt sich unter ihre Decke und blickt müde in die Kamera. „Wie geht es Semih?" Sie nickt nur.

„Ganz gut eigentlich. Die Frau von Musa kümmert sich gut um uns." Automatisch bildet ich ein Lächeln auf meinen Lippen. Das beruhigt mich wirklich sehr. Zum Glück ist sie keine Furie, die keine Lust auf unsere Geschwister hat.

„Und Musa Abi?" Sie zuckt mit der Schulter. „Er ist traurig. Sehr sogar. Er zeigt es uns zwar nicht, aber ich sehe es trotzdem. Er ist irgendwie nicht mehr so wie früher."

Gar nichts ist mehr wie früher und das wird leider auch nicht mehr so sein. Ich finde es traurig, denn ich hätte schon gerne meine Familie bei mir. Ich wünschte, dass meine Mutter, mein Vater und Selim nicht ums Leben gekommen wären.

„Wo ist Ayaz?" fragt sie mich, da ich einfach vor mich hin schweige und in Gedanken versunken bin. „Der ist wahrscheinlich bei seiner neuen Freundin." grinse ich sie breit an.

Sie reißt ihre Augen auf. „Nein!" ruft sie unglaubwürdig. „Ayaz Abi hat eine Freundin?" Ich nicke hastig und sie lacht lauthals auf. „Das kann ich nicht glauben." Auch ich muss lachen.

Es ist so schön sie lachen zu sehen. Wenn sie für diesen Moment glücklich ist, dann bin ich das auch. Sie lachen zu sehen, ist das schönste für mich. Sie hat es verdient immer so zu strahlen.

„Und weißt du wen er sich eiskalt gekrallt hat?" Sie schüttelt hellhörig den Kopf. „Alara." flüstere ich leise in den Hörer, auch wenn keiner im Garten ist und ich ganz alleine hier hocke.

Ihr Mund klappt ihr regelrecht zu Boden auf. „Nein!" ruft sie und glaubt mir kein Wort. „Alara ist doch viel zu hübsch für Ayaz." Ich stimme ihr zu und wir fallen wieder ins Gelächter.

„Der Arme." schmunzele ich. „Immer wird er von uns geärgert." Sie zuckt stur mit der Schulter. „Er ärgert uns doch auch immer." Oh ja! Das hat er wirklich oft gemacht. Der Volltrottel.

„Und wie läuft es mit deinem Mann?" Gedankenverloren starre ich auf den Bildschirm. Gut. Wäre da nicht die Sache von heute Nacht, die mich ehrlich gesagt sehr verletzt hat.

Ich wollte nicht auf ihn losgehen und ihn auch nicht drängen. Ich wollte nur, dass er mit mir spricht, damit er nicht alles in sich hineinfressen muss. Ich wollte nur für ihn da sein.

Ich will, dass er seinen Schmerz und seine Trauer mit mir teilt. Er soll alles nicht selber mit sich tragen. Wir sollen es gemeinsam bekämpfen. Gemeinsam seinen Schmerz heilen.

H A Y A T - IIWo Geschichten leben. Entdecke jetzt