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-Karanlık geceler sardı beni-

„Was?" hauche ich unglaubwürdig. Mit einem Mal umhüllt mich eine Leere und ich fühle nichts mehr. Mein Kopf fängt an zu dröhnen und ich nehme nichts mehr um mich wahr. Als hätte man mir all meine Sinne weggenommen.

Mein Vater soll tot sein? Ich schüttele hastig den Kopf. Nein! Mein Vater ist nicht gestorben. Er lebt noch! Er lebt und wartet auf mich, um mir zu verzeihen. Damit wieder alles gut wird zwischen uns.

„Er ist zwei Wochen, nach dem du gegangen bist, an einem Herzinfarkt gestorben." Herzinfarkt? Nein. Er ist gesund. Er sitzt jetzt wahrscheinlich im Restaurant und erledigt den ganzen Papierkram.

„Er hat uns verschwiegen, dass er unter einer Herzkrankheit gelitten hat." Ich schüttele immer wieder hastig den Kopf. „Nein!" gebe ich fest überzeugt von mir. Mein Vater ist ein starker Mann.

„Hayat." haucht Ayaz voller Tränen und greift nach meinen Händen. „Er ist jetzt bei Mama." Ich entziehe meine Hände von seinem Griff und springe auf. „Nein!" brülle ich. „Baba ist nich tot." Ich schluchze laut auf.

Ayaz steht hastig auf und will mich umarmen, aber ich schubse ihn von mir. „Nein, nein, nein!" Ich schlage auf seine Brust, schubse ihn von mir und schreie mir die Seele aus dem Leib.

„Baba ist nicht tot! Er muss mir doch noch verzeihen." kreische ich. Wie eine Verrückte schmeiße ich alles um mich herum. Ich greife nach den Kissen auf dem Sofa und schleudere sie durch das Wohnzimmer.

„Er ist nicht tot!" Ayaz greift nach meinen Handgelenken und zieht mich eng an sich. Sofort schlingt er seine Arme um meinen Körper und sorgt für Halt. Ich versuche ihn immer wieder von mir zu schubsen, schlage erneut auf seine Brust ein, aber er lässt nicht locker.

„Ayaz." schluchze ich laut. „Es ist alles meine Schuld." Hastig schüttele er den Kopf, greift mich an den Schulter und drückt mich auf das Sofa. „Es ist nicht deine Schuld. Er war krank." Ich schluchze laut auf und nicke schnell.

„Baba konnte mit mir über alles reden. Er hat mir immer alles erzählt. Wäre ich nicht gegangen, dann hätte er mir von seiner Krankheit erzählt! Ich durfte ihn nicht alleine mit seinen Schmerzen lassen."

Ich raufe an meinen Haaren, ziehe so feste daran, aber ich spüre keinen Schmerz an meiner Kopfhaut. Denn der Schmerz an meiner Brust, die Leere in meinem Körper, haben mich so sehr umhüllt, dass mir nichts mehr weh tut.

Ich kreische erneut auf, denn ich will es nicht wahrhaben. Ich muss doch noch um Verzeihung bitten. Vielleicht hätte er mir sogar verziehen. Er war selber unsterblich in meine Mutter verliebt. Er hätte meine Gefühle gegenüber Cesur doch verstanden.

„Hayat!" brüllt nun Ayaz mit fester Stimme. So feste, dass ich mit einem Mal stocke und ihn stumm anblicke. Mit Tränen in den Augen fährt er sich durch das Gesicht und blickt mich müde an.

„Er litt schon vier Jahre an dieser Krankheit. Würde er die das wirklich erzählen wollen, dann hätte er es schon vor Jahren getan." Ich schüttele langsam den Kopf. Er hätte es mir direkt gesagt!

Und dann sehe ich die Leiche von meinem Vater vor Augen, obwohl ich ihn nicht leblos gesehen habe. Ich stelle es mir automatisch vor und der Gedanke verschwindet nicht mehr aus meinem Kopf. Nicht Ayaz, nein, ich sehe den leblosen Körper meines Vaters vor mir.

„Aber er kann doch jetzt nicht alleine unter der kalten Erde liegen." Ich blinzele nicht, ich atme nicht. Ich starre nur vor mich hin und sehe meinen Vater. „Er wird doch frieren."

Mit einem Mal überkommt mich die Angst und ich spüre die Panik in mir aufkommen. Meine Atmung wird immer unregelmäßiger und schneller. Ich packe mir an die Brust, da es sich plötzlich so eng anfühlt um meinen Brustkorb.

H A Y A T - IIWo Geschichten leben. Entdecke jetzt