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-Çilesiz günüm yok, dert ararsan çok-

Cesur

Meine Welt scheint wie stehengeblieben zu sein. Alles dreht sich und ich kann kaum noch auf den Beinen stehen. Wie erstarrt klebe ich an der Stelle und kann mich nicht bewegen.

Meine Augen sind aufgerissen und mein Mund ist leicht aufgeklappt. Ein komisches Gefühl macht sich in mir breit und mir wird auf der Stelle total schlecht.

Ich weiß gar nicht mehr wo links oder rechts ist, oben oder unten. Ich weiß gar nichts mehr. Mein Gehirn hat sich automatisch von alleine ausgeschaltet und ich kann nicht mehr klar denken.

Ist es nicht das, was ich eigentlich die ganze Zeit wollte? Wollte ich nicht Rache an Kemal und Cüneyt nehmen? Wollte ich nicht beide blutend sehen? Doch, genau das wollte ich doch die ganze Zeit.

Aber wieso kann ich mich nicht mehr regen. Wieso verpassen mir Cüneyts reuevollen Augen eine Gänsehaut. Wieso tut es weh, ihn kurz vor dem Tod zu sehen?

„Cesur!" brüllt Hayat voller Tränen in den Augen und schluchzt laut auf. Ihre Hände sind blutverschmiert und sie versucht die Schusswunde an Cüneyts Brust zu stopfen.

„Cesur mach etwas!" Aber ich kann nicht. Dieses Gefühlschaos in mir hat mich wie gelähmt. Ich kann ihn nicht retten, aber zu sehen, wie er seine letzten Atemzüge nimmt, kann ich auch nicht.

Mit zitternden Beinen steht Hayat auf und kommt auf mich zu. „Er ist unschuldig, Cesur!" brüllt sie und boxt gegen meine Brust. Meine Augen wandern zu Cüneyts Blut, welche nun auf meinem Oberteil klebt.

„Er wollte dich nie hintergehen." Ihr schluchzen wird immer lauter und dröhnt in meine Ohren. Sie krallt ihre Fingerspitzen in meine Haut und zieht mich zu Cüneyt.

Wie von alleine lasse ich mich neben ihm auf die Knie fallen und erkenne die Tränen in seinen Augen. „A-abi." Mein Herz setzt aus, nur um schneller zu schlagen.

Mein Magen dreht sich und auch meine Augen füllen sich mit Tränen. Ich will es verhindern, aber ich kann nicht. Wie von alleine rollen die Tränen meine Wange entlang.

„E-es tut mir so l-eid." Ich schüttele hastig den Kopf und ziehe mein Oberteil aus. Nur noch in Unterhemd hocke ich vor ihm und versuche mit meinem Sweatshirt seine Wunde zu stoppen.

„Halt den Mund." rufe ich, da er jetzt nicht reden darf. Verdammt! Wir haben keine Zeit für Entschuldigungen. Er darf jetzt nicht sterben!

„Ich wollte das nie, wirklich." Seine Stimme versagt und auch eine Träne verlässt sein Auge. Immer wieder fallen seine Augen zu und mit seiner letzten Kraft versucht er sie offen zu halten.

„Tamam, sus artık." („Ok, sei endlich leise.") rufe ich panisch und schlage ihm leicht gegen die Wange. „Lass deine Augen offen, Cüneyt." Ich werde immer panischer.

Mein ganzer Körper ist am zittern und das Pochen an meiner Rippe, wegen meinem zu schnellen Herzschlag, nimmt mir beinahe die Luft zum Atmen weg.

„Pass bitte auf meinen Sohn auf." Ich schüttele hastig den Kopf. „Nein." rufe ich und lege seinen Kopf auf meinem Schoß. „Du wirst das überstehen. Du wirst selber auf ihn aufpassen."

Seine Augen fallen zu und schwach schüttelt er seinen Kopf. „Ich hab das verdient." Nein, nein, nein! Verdammt! Wieso redet er nur so einen Blödsinn!

„Wir Karasu's sind stark. Du kannst uns nicht wegen so einer winzigen Kugel verlassen!" Meine Stimme immer zittriger, wie meine Hand, welche noch immer seine Blutung versucht zu stoppen.

H A Y A T - IIWo Geschichten leben. Entdecke jetzt