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Lesenacht 4/4

-İçim, dışım, heryerim nefretle dolu-

Ich warte auf einen Schlag. Ich warte darauf, dass meine Wange anfängt zu brennen, aber es passiert nichts. Weder fliegt mein Gesicht zur Seite, noch tut meine Wange höllisch weh.

Ich öffne langsam und vorsichtig meine Augen und blicke in seine geschlossenen. Er hat seine Augen feste zu gekniffen und atmet unregelmäßig auf. Dabei ballt er seine flache Hand zur Faust und sein Arm senkt sich wieder.

„Git burdan." („Geh weg von hier.") presst er zwischen seinen Zähnen heraus und öffnet seine Augen wieder. Sofort trifft sein leerer Blick auf meinen und bringt meinen Herz komplett aus dem Takt.

Ich erkenne so viel Enttäuschung darin, dass mich die Schuldgefühle gerade so sehr plagen. Ich habe ihn enttäuscht und wie ich es getan habe. Könnte ich die Zeit zurück drehen, dann hätte ich ganz anders gehandelt.

„Cesur beni lütfen bi dinle." („Cesur höre mir bitte mal zu.") Aber er schüttelt nur langsam den Kopf und schaut mich wieder mit den leeren Augen an.

„Es gibt nichts zum zu Hören." Ich nicke hastig. Doch! Doch das gibt es! Mir ist meine Schuld bewusst und irgendwie muss ich mich doch bei ihm entschuldigen. Ich muss es wieder geradebiegen zwischen uns.

„Bitte." flehe ich ihn an. Er atmet hörbar aus und ich weiß, dass sich die Wut wieder anstaut. Seine Brust hebt und senkt sich schnell und seine Körperhaltung ist so angespannt.

„Hayat geh, bevor ich dir noch weh tue." Ich schüttele hastig den Kopf. Mir kann nichts mehr weh tun. Nichts, außer diese Distanzierung zwischen uns. Sein Hass gegenüber mir.

„Du kannst mir nicht weh tun." hauche ich. „Dann geh, bevor ich dir das Herz so sehr breche, dass nicht mal mehr ich es heilen kann." Und erneut schüttele ich den Kopf.

„Was gebrochen ist, kann man nicht mehr brechen." Er schaut mir lange in die Augen und ich verliere mich langsam in ihnen. Wie ich diese schwarzen Augen doch nur vermisst habe.

„Rede!" befiehlt er mir dominant, weswegen mein Herz anfängt zu rasen. Er will mir zu hören? Cesur lässt wirklich zu, dass ich mich entschuldige? Innerlich mache ich gerade Freudensprünge.

„Es tut mir so Leid, Cesur." hauche ich. Wie soll ich anfangen und wo überhaupt? Wird er mir überhaupt verzeihen? Er hasst mich doch, wieso sollte er es auch?

„Ich weiß, dass es nicht richtig von mir war. Ich durfte nicht einfach so überreagieren und hätte dir erst Mal zu hören sollen." Er lacht spöttisch auf. „Was willst du mir jetzt sagen, Hayat?"

Er zischt, was mir ein Stich ins Herz verpasst. Er nimmt mich nicht mal ernst. „Denkst du mit so einer dummen, kleinen Entschuldigung ist wieder alles gut. Denkst du es herrscht dann wieder Frieden zwischen uns?"

Meine Augen füllen sich mit Tränen, aber ich darf jetzt nicht vor ihm weinen. „Cesur." kommt es verzweifelt aus meinen Lippen. „Es tut mir wirklich Leid." Er lacht wieder spöttisch auf.

„Hayat verschwende nicht mehr so unnötig meine Zeit." Er will an mir vorbei laufen, aber ich greife sofort nach seinem Handgelenk und halte ihn auf. „Hör mir bitte zu."

Er bleibt stehen, aber schaut nicht zu mir runter. Er starrt auf die Wand hinter mir und entzieht sein Handgelenk aus meinem Griff. Da er nicht geht, nutze ich die Chance um weiter zu reden.

„Ich wollte niemals, dass es so weit kommt." Ich schaue in seine wunderschönen Augen, die mir keine Beachtung schenken. „Ich war so wütend auf dich, Cesur. Du warst von der einen Sekunde auf die andere so kalt zu mir."

Ich nehme tief Luft, denn ich bin wirklich kurz davor zusammenzubrechen. „Es hat mir das Herz gebrochen. Wo alles doch so gut war, wurdest du wieder der alte, kalte Cesur."

Sein Kopf schellt in meine Richtung. „Ich wurde nicht wie der alte! Ich war schon immer so!" Ich schüttele den Kopf. Vielleicht kann er sich selber mit seinen Lügen verarschen, aber nicht mich!

Er war nie so. Nie! Er wurde nur zu so einer kalten Person gemacht und ich hatte es geschafft wieder aus ihm den tollen, liebevollen Mann zu machen. Aber auch habe ich es geschafft, ihn zu verletzen.

„Mich kannst du nicht belügen." Ich stelle mich dicht vor ihm. „Ich weiß, wie du wirklich bist. Du bist liebevoll Cesur. Du hast so ein schönes Herz." Er blickt zu mir runter, aber noch immer regt sich nichts in ihm .

„Ich habe es nicht verkraftet, Cesur. Hörst du? Es hat mir weh getan. Aber weißt du was mir noch mehr weh tut?" Er schaut mich stumm an, nimmt keine Sekunde seine Augen von meinen.

„Das ich nicht für dich da war." flüstere ich und eine Träne rollt mir die Wange entlang, welche ich sofort wegwische. „Ich hätte dir zu hören müssen. Ich hätte warten müssen, bis wir aus diesem Auto waren und zu Hause in Ruhe reden konnten. Aber ich habe auf einmal schwarz vor Augen gesehen."

Ich schaue zur Seite. Ich traue mich nicht in seine Augen zu schauen, die mir sowieso nur noch diese Leere zeigen. Ich will seine Liebe wieder haben. Mehr nicht.

„Du bist so schnell gefahren und ich hatte so sehr Angst. Und das Baby-" Er unterbricht mich sofort. „Sag es nicht!" zischt er und sofort schaue ich zu ihm rauf. Mein Herz setzt kurz aus, fängt dann aber an wie wild zu schlagen.

„Ist dir eigentlich bewusst, dass wir beinahe gestorben wären?" brüllt er laut auf und ich zucke zusammen. „Antworte mir!" Ich nicke schnell und trete einen Schritt zurück. Ich wollte doch nicht, dass es so weit kommt.

„Cesur." Er hebt warnend seinen Finger in die Höhe. „Ich will nichts mehr von dir hören." zischt er und kommt mir einen Schritt näher. Ich schlucke den fetten Kloß in meinem Hals herunter und kann meine Tränen nicht mehr zurückhalten.

„Ich habe dir vertraut, Hayat. So sehr." Er schüttelt den Kopf. „Ja, ich hätte auf deine Gefühle achten müssen, aber du auch auf meine." Er tippt mit seinem Finger auf seine Brust und meine Augen verharren auf der Stelle.

„Du weißt ganz genau, wie es in mir aussieht. Du weißt ganz genau, was ich alles durchmachen musste." Die Tränen rollen immer weiter und ich habe nicht mal mehr vor, sie wegzuwischen.

„Denkst du ehrlich, dass ich mit so einem Herzen ein guter Vater werden kann?" Ich nicke hastig, weswegen er ironisch auflacht. „Ja wärst du." schluchze ich. „Du wärst ein guter Vater, so wie du auch ein guter Mann zu mir warst."

Er schüttelt nur langsam den Kopf. „Denkst du Kemal würde das Kind am leben lassen? Hayat wie oft muss ich dir noch sagen, dass nur Gefahr um uns herum lauert? Er hat meine Schwester und es gefällt ihm, dass ich am Boden bin."

Ich will zum Reden ansetzen, aber er kommt mir zu vor. „Sen beni bitirdin, Hayat." („Du hast mich erledigt, Hayat.") „Hemde benim neler çektiğimi bile bile, bitirdin beni." („Obwohl du wusstest, was ich durchmachen musste, hast du mich erledigt.")

Ich schluchze laut auf und schaue entschuldigend in seine Augen, aber diese Leere verrät mir, dass er es mir nicht verzeihen wird. Niemals.

„Ben geceleri uyuyamıyorum senin yüzünden. Gözlerimi kapattığım anda, senin söylediklerin aklımdan geçiyor!" („Ich kann nachts wegen dir nicht schlafen. Sobald ich meine Augen schließe, geht dein Gesagtes durch mein Kopf.")

Ich erkenne so viel Hass und Wut in seinen Augen. „Du hast es mir versprochen, Hayat." zischt er. „Du hast mir versprochen, mich niemals zu verlassen, verdammt!"

Ich wimmere auf und kann nichts mehr über die Lippen bringen. Mein Hals wie zugeschnürt und total trocken. Und wenn, was kann ich denn überhaupt dazu sagen? Er hat sowas von Recht!

„Du bist gegangen. Du bist einfach gegangen, ohne etwas zurück zulassen, Hayat. Du hast nicht mal eine einzige Haarsträhne hinterlassen. Nichts." Ich gehe einen Schritt auf ihn zu, aber sofort tritt er kopfschüttelnd zurück.

„Jetzt werde ich gehen, Hayat. Und glaub mir, du wirst mich nicht mehr finden."

H A Y A T - IIWo Geschichten leben. Entdecke jetzt