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-Siz benim neden sustuğumu nerden bileceksiniz?-

Meine Augen fühlen sich so schwer an und ich kann sie kaum noch offen halten. Ich bin müde und erschöpft. Seit Tagen kann ich nicht mehr richtig schlafen, habe zu oft bis in den Schlaf geweint.

Ich fühle den Schmerz, den Verlust noch immer, aber keine einzige Träne verlässt mehr meine Augen. Als hätte ich wirklich alle Tränen ausgeweint. So leer fühle ich mich auch.

Ich kann nicht essen, denn alles was in meinen Magen gelangt, landet wieder draußen und das erspare ich mir lieber. Nicht einmal mehr trinken kann ich und die Kopfschmerzen machen sich dadurch bemerkbar.

Mir ist jeden Tag schwindlig, kann kaum auf den Beinen stehen und mein Blutdruck ist immer zu niedrig. Sobald ich auch nur aufstehe, fangen die Sterne schon vor meinen Augen an zu tanzen.

Kurz und knapp: Mir geht es einfach nur beschissen.

Meine Beine fühlen sich so weich an und ich habe das Gefühl umzukippen, aber Cesurs Hände um meine Hüften geben mir Halt. Ich lehne mich erschöpft an seinen trainierten Körper und schließe kurz die Augen.

Ich nehme tief Luft und versuche meine Atmung zu normalisieren, da ich langsam das Gefühl habe, keine Luft zu kriegen. Cesurs Nähe beruhigt mich, zumindest versuche ich mich nur auf ihn zu konzentrieren.

Während sein linker Arm um meine Hüfte liegt, legt er mit seiner rechten Hand mein schwarzes Kopftuch zurecht, welches leicht nach hinten gerutscht ist.

Ich nehme nichts mehr um mich wahr. Nichts, außer Cesur. Wir reden seit dem Vorfall nicht mehr miteinander, aber trotzdem ist er immer für mich da und hält mich noch am Leben.

Wir reden nicht, aber dennoch hält er sein Versprechen und baut mich wieder auf und bleibt stark für uns.

Ich will es auch so gerne. Ich will ihn auch wieder aufbauen, für ihn da sein und für uns stark bleiben, aber ich schaffe es nicht. Ich bin nicht so stark wie er.

Nicht nur ich habe in kurzer Zeit meinen Vater und meinen Bruder verloren, sondern Cesur auch. Er leidet genauso wie ich, aber trotzdem bleibt er für mich, für uns stark.

Nicht nur ich habe mein Kind verloren, sondern er auch. Wir teilen den selben Schmerz, aber trotzdem hält er mich auf Beinen und versucht mir meine Schmerzen zu nehmen.

Er ist für mich da, während ich es nicht für ihn sein kann.

„Ich liebe dich, Hayat und ich bin immer für dich da. Bitte vergiss das nicht, ja?" Ich kneife meine Augen zusammen, als seine mit Trauer besetze, zittrige Stimme in mein Ohr dringt.

Meine Lippen zittern und mein Kinn bebt. Mein Kiefer spannt sich an und ich kann nur stumm vor mich hin nicken. Ich auch.

Es tut mir weh, dass ich all das nicht erwidern kann. Es schmerzt, dass ich ihm nicht das selbe Gefühl wiedergeben kann. Cesur hat es doch nicht verdient!

Er steht hier, bei mir, mit mir auf der Beerdigung von meinem Bruder, obwohl sein Bruder ebenfalls beerdigt werden muss. Er lässt mich nicht alleine, obwohl ich ihm das Gefühl gebe, als wäre er alleine.

„Was hast du hier zu suchen?" Die zischende Stimme meiner besten Freundin Leyla, reißt mich aus meiner abwesenden Starre. Mit großen, traurigen Augen schaue ich sie an.

„Leyla." Meine Stimme ist wie wild am zittern, kurz vor dem Versagen. Meine Augen füllen sich wieder, obwohl ich all meine Tränen schon verbraucht habe. Ich hab sie so lange nicht mehr gesehen.

Sie schaut mich voller Hass und Wut an. „Nein!" Mit festen, wütenden Schritten stampft sie auf mich zu und bleibt dicht vor mir stehen. „Du hast nicht das Recht hier zu sein!"

H A Y A T - IIWo Geschichten leben. Entdecke jetzt