Jadon Sancho x Julian Brandt

877 63 38
                                    

16. April 2024

Borussia Dortmund hatte es geschafft.

Sie standen im Halbfinale. Sie standen tatsächlich im Halbfinale der Champions League.

Wer hätte daran jemals geglaubt?

Der Traum, das Halbfinale der Königsklasse zu erreichen, war nie unrealistischer gewesen, als diese Saison. Und dennoch hatten sie es gemeistert. Sie hatten jedem Fan, jedem Kritiker, jedem Gegner und vor allem sich selbst bewiesen, was für eine starke Mannschaft sie waren und dass sie gemeinsam gegen die größten Clubs im Fußball gewinnen konnten.

Sie hatten die tödliche Gruppenphase dominiert. Sie hatten bedeutungsvolle Namen wie Newcastle United oder AC Mailand in die Verzweiflung getrieben. Sie hatten die PSV Eindhoven, das aktuell beste Team der Eredivisie, mit einem 3:1 niedergerungen. Sie hatten phasenweise Atletico Madrid alt und schwach aussehen lassen - ein Team, welches zweifelsohne eines der besten in Europa war.

Und nun? Nun gehörten weder Atletico Madrid noch Eindhoven und erst recht nicht Mailand oder Newcastle zu den besten von Europa. Nein. Es war einzig und allein Borussia Dortmund.

Sie waren eins der vier Teams, die noch an den Henkelpott glauben durften. Sie waren so nah dran, so nah, wie in den letzten elf Jahren nicht mehr. Und da würde es ja jetzt auch keinen Sinn mehr machen, wenn sie verlieren würden, oder?

Schließlich waren es nur noch zwei Spiele bis ins Wembley Stadion. Zwei Spiele, die ihnen sicherlich einiges an Schweiß und Blut kosten würden, aber die dennoch nicht unmöglich waren. Sie hatten schon einmal gezeigt, dass sie die beste Mannschaft aus Frankreich verunsichern und einschüchtern konnten. Zwar hatten sich all die Arbeit und der Schmerz im Endergebnis nicht abgezeichnet, aber wer sagte, dass es diese Saison nicht anders sein könnte?

Sie wollten Revanche. Sie wollten Paris Saint-Germain das heimzahlen, was sie vor vier Jahren versäumt hatten. Sie wollten ihnen die kommenden einhundertachtzig Minuten all den Schmerz spüren lassen, den Borussia Dortmund damals hatte spüren müssen. Sie würden alles für diesen Sieg tun - sogar über einhundertachtzig Minuten hinweg.

Und sie waren sich sicher, dass sie mit genügend Kampfgeist und Überzeugungskraft auch diese Hürde überwältigen könnten. Ganz egal, was es ihnen kosten würde. Sie wollten der Fußballwelt - all den Fans, Kritikern, Gegnern und sich selbst - zeigen, dass sie eine Mannschaft waren, die sich mit den Größten und Besten des Fußballs messen konnte.

Julian war davon überzeugt. Er war der Schütze zum 1:0 gewesen, hatte die Party auf dem Platz des Westfalenstadions erst so richtig angeheizt. Ab diesem Treffer war es ein einziges Torspektakel gewesen. Sie hatten mit einem zweiten Tor nachgelegt und zur Halbzeit verdient geführt. Doch dann kam der eigentliche Wahnsinn. Die Madrilenen hatten innerhalb einer viertel Stunde das komplette Spiel auf den Kopf gedreht. Es schien, als wäre den Borussen der Sieg, der zum Greifen nahe gewesen war, in den Händen zerrannt. Aber sie hatten nicht aufgegeben. Sie hatten den Glauben an sich selbst bewahrt, hatten gekämpft und sich für diesen Kampf belohnt. Denn am Ende war es der BVB, der sich zum wohlverdienten Sieger dieses atemberaubenden Viertelfinals küren durfte.

Julian war stolz. Er war nicht nur auf sich und seine Mannschaft stolz, die über neunzig Minuten alles in diese Partie geworfen hatte, sondern er war auch auf die Trainer, die Staff-Mitglieder und besonders auf ihre unglaublichen Fans stolz, die nie einen zweifelnden Gedanken an die Mannschaft verloren hatten.

Kurz gesagt, dieser Abend glich einem Märchen.

Nein.

Dieser Abend war kein Märchen.

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