Aurélien Tchouaméni x Jules Koundé

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Für miraynextdoor 🤍

2024, März

„Warte."

Jules hielt abrupt inne, löste, mit einem leisen Schmatzen, seine Lippen von Aurelien seinen.

Mit halb geöffneten Lidern blickte Jules in die dunklen Augen über ihn, welche nur wenige Millimeter von seinen entfernt waren. Sie wirkten wie zwei funkelnde Melanit-Edelsteine, die all das Verlangen und die Leidenschaft ihres Besitzers widerspiegelten.

„Was ist?", raunte Aurelien mit tiefer, lustgetränkter Stimme.

Jules musste sich mit seiner kommenden Frage beeilen, denn lange würde er diesem verführerischen Blick nicht mehr standhalten können.

Eigentlich wollte er diese Frage überhaupt nicht stellen, denn sie ruinierte diesen zauberhaften Moment.

Dennoch schluckte er, öffnete seinen Mund.

„Du hast dich wirklich von ihm getrennt?"

Jules' Pupillen huschten unsicher über Aureliens Gesicht. Von dessen dunklen Augen aus, wanderten sie an seiner breiten Nase vorbei und quer über seinen rechten Wangenknochen, welcher im Schein der Sonne, die durch die halb zugezogenen Vorhänge strahlte, perfekt zum Ausdruck kam. Sie flogen weiter über die hohe Stirn und den exzellent getrimmten Haaransatz, pausierten kurz an der linken, leicht eckigen, Augenbraue, bevor sie ihren Weg fortsetzten und darauf achteten, den direkten Kontakt mit Aureliens Augen zu vermeiden.

Denn Jules' Angst überwog.

Aber vor was hatte er überhaupt Angst? Er kannte doch die Wahrheit.

War es die Angst vor einer Antwort, die ihm das Herz brechen würde? Die Angst davor, von dem Mann, den er schon so lange liebte, enttäuscht zu werden? Die Angst, in diese dunklen, verlockenden Augen zu schauen und weder Liebe noch Zuneigung darin vorzufinden?

Jules verstand seine Bedenken selbst nicht. Er wollte keine Angst haben, denn er vertraute Aurelien. Er vertraute ihm blind und mit vollem Herzen.

Seit ihrer ersten Begegnung in Bordeaux waren die beiden ein unzertrennliches Team gewesen. Sie hatten Spieltag um Spieltag Glanzleistungen performt, hatten ihre Gegner in die Verzweiflung getrieben, waren immer stärker zusammengewachsen. Natürlich hatte auch dieses Kapitel irgendwann ein Ende haben müssen. Jules war als erster in den Süden Spaniens gewechselt, Aurelien hingegen hatte es für zwei Jahre nach Monaco gezogen. Aber wie es der Fußballgott wollte, trafen sich letztendlich beide in derselben Liga wieder. Diesmal allerdings nicht als Teamkollegen, sondern als verbitterte Rivalen.

Na ja, zumindest stand es so auf dem Papier: Jules war nun ein echter Culer, Aurelien war ein stolzer Madridista.

Doch von Rivalität oder Hass war längst nicht die Rede. Denn auch wenn über ihren Herzen nicht mehr dasselbe Vereinswappen prangte, verbanden sie noch immer dieselben Nationalfarben.

Blau. Weiß. Rot.

Drei Farben, die die beiden Fußballer für immer miteinander verbinden würden.

Harmonie. Hoffnung. Leidenschaft.

Drei Emotionen, die die beiden Fußballer für immer gegenseitig spüren würden.

Zumindest hoffte es Jules.

Es war ein gewöhnlicher Frühlingstag hier, im Trainingslager von Clairefontaine, gewesen. Die Mannschaft hatte das letzte Training an diesem Nachmittag beendet und die Spieler hatten sich allesamt in ihren Zimmern verbarrikadiert, um sich dort von der anstrengenden Einheit zu erholen. Auch Jules und Aurelien hatten sich auf ihr gemeinsames Zimmer zurückgezogen, waren glücklich über ein paar Stunden Auszeit gewesen. Während Jules eine Serie über seinen Laptop laufen ließ, hatten sich die beiden Fußballer auf Aureliens Betthälfte eng aneinander geschmiegt. Die Sonne hatte sich ihren Weg durch den Schlitz der zugezogenen Vorhänge gebahnt, prickelte warm auf ihren Körpern.

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