Cristiano Ronaldo x Alejandro Garnacho

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Premier League (23. Spieltag)
(12.02.2023)
Leeds United - Manchester United
0:2

(PoV Alejandro)

Eine Träne folgte der anderen. Unaufhörlich liefen sie mir über die Wangen, tropften von meinem Kinn auf das rote Trikot, welches ich ab der 61. Minute hatte tragen dürfen. Mein Kopf war dem Fußboden gewidmet, während ich mein verzerrtes Gesicht hinter meiner rechten Hand versteckte und es so aussehen ließ, als würde ich vom Spiel erschöpft sein. Doch das war ich nicht. Mit flinken Beinen huschte ich an der Mixed Zone vorbei, wollte schnellstmöglich in die sichere Kabine, in welcher keine lästigen Reporter darauf warteten, dass man ihre dämlichen Fragen beantwortete. Ich konnte mir denken, mit welchen Fragen ich ausgequetscht werden würde. Jede einzelne würde sich um Cristiano und mich drehen: ob ich meinen Torjubel ihm gewidmet hatte; ob es für das Team und für mich schmerzhaft gewesen war, als er gegangen war und ob es möglich sei, dass er irgendwann wieder zurück nach Europa kehren würde. Doch was sollte ich darauf schon erwidern? Natürlich war sein Wechsel für mich ein Schlag in die Magengrube gewesen. Aber Cristiano war weg. Er hatte den Club aus gewissen Gründen verlassen und würde in Saudi-Arabien vielleicht bis zu seinem Karriereende bleiben. Ich könnte nur mutmaßen, jedoch war es genau das, was ich vermeiden wollte. Denn zu Cris hatte ich, seit unserer ersten Begegnung bei Manchester, eine spezielle Bindung, die es nicht verdiente, durch leere Gerüchte der Medien vernichtet zu werden. Cris war für mich mehr als nur ein Teamkollege gewesen. Er hatte ab dem ersten Tag stetig ein offenes Ohr für mich gehabt; hatte mich beschützt; hatte mir Kraft und Mut geschenkt; hatte mich an schlechten Tagen aufgemuntert; war immer da, wenn ich ihn gebraucht hatte. Wenn mich ein Fremder fragen würde, in welcher Form Cristiano und ich zueinander standen, wüsste ich keine Antwort darauf. Ich wusste nicht, ob es überhaupt einen Begriff für unsere Beziehung gab. Das einzige in dem ich mir jedoch sicher sein konnte war, dass uns eine besondere Zeit miteinander verband.

In der Kabine angekommen, bewegte ich mich geradewegs zu meinem Platz und fiel gekränkt auf die harte Bank. Mein Brustkorb schnürte sich zu, so dass meine Lungen kaum Raum zum Atmen hatten. Schwach sackte mein Oberkörper in sich zusammen, meine Ellenbogen stützte ich auf meinen Knien ab, während sich meine Finger krampfhaft in meine Haare krallten. Verdammt nochmal! Wieso mussten mich die Erinnerungen an Cris jetzt einholen?! Hätte dies nicht bis später warten können? Mühevoll versuchte ich, die quälenden Gedanken loszuwerden, denn in wenigen Minuten würde die Mannschaft ungehindert in die Umkleide strömen. Wenn sie mich in dieser Verfassung sehen würden, würden sie sich unnötig Sorgen machen und nachhaken, was mich betrübte. Also nahm ich drei tiefe Atemzüge, wischte mir mit dem Handrücken über meine wässrigen Augen und räusperte mich einmal kräftig. Keine Sekunde später, flog auch schon die Tür auf.

Ich vermied es, den Blick zu meinen Mitspielern gleiten zu lassen, da mich meine blutunterlaufenen Augen sicherlich verraten hätten.
Daher schenkte ich die Aufmerksamkeit meinen Fußballschuhen, bei welchen ich langsam die Schnürsenkel lockerte. Im Augenwinkel sah ich, wie der ein oder andere an mir vorbei schlurfte, manche wuschelten mir zufrieden durch die Haare, um mitzuteilen, wie stolz sie auf meinen Treffer waren. ,,Bist du irgendwann auch mal fertig mit deinen Schuhen?", kam es belustigt von der rechten Seite. Erschrocken blickte ich auf, sah in das schmunzelnde Gesicht von Lisandro. ,,Ähm- Ja-", meinte ich brüchig, als ich mich in eine aufrechte Position brachte. Unsere Blicke trafen sich für den Bruchteil einer Sekunde, allerdings reichte dieser aus, um Licha anzuregen, denn sofort fragte er: ,,Sag mal, ist alles gut bei dir?", und drehte sich ein Stück weiter zu mir um. Ich spürte, wie seine Pupillen nach meinen suchten. Dabei bemerkte ich auch, wie sich meine Augen erneut mit Tränen füllten. ,,Natürlich.", sagte ich prompt, lehnte mich nach unten, um mir endlich die Schuhe von den Füßen zu streifen. Eine Hand an meiner Schulter zog mich zurück, zwei Finger an meiner Wange drehten meinen Kopf leicht seitwärts, so dass ich direkt in Lisandros Augen sehen musste. Dieser erkannte die schimmernden Tränen auf Anhieb, rückte näher an mich heran und platzierte seine beiden Handflächen an meine blassen Wangen.

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