Pedri x Gavi

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20. November 2023

„Das kann nicht sein!"

Die Worte des Jungen waren vermutlich im gesamten Trainingszentrum des FC Barcelonas zu verstehen.

Mit Sicherheit waren sie das.

Und falls sie es nicht beim ersten Mal gewesen waren, dann definitiv beim zweiten Mal.

„Das kann nicht sein!"

Es war derselbe Satz. Nur diesmal um etliche Nuancen intensiver und tiefgreifender.

Dies lag nicht allein an dem herzzerreißenden Ton, der die Stimme des Betroffenen dominierte, sondern zusätzlich an dem folgenden Schluchzen. Es entwich seiner Kehle, als hätte es schon lange auf diesen Tag gewartet.

Als hätte es auf exakt diesen Moment hingearbeitet.

Als hätte er - der Betroffene, welcher, mit tränenüberströmtem Gesicht sowie hoffnungslosem Schluchzen, auf der Behandlungsliege kauerte - auf diesen Moment hingearbeitet.

Prinzipiell hatte er es.

Er hatte es gemusst und er hatte es gewollt.

Wochenlang hatte er jedes einzelne Spiel bestritten. Wochenlang hatte er von Beginn der ersten Minute bis tief in die Nachspielzeit sein Bestes gegeben. Und das nur, um am kommenden Spieltag erneut über neunzig Minuten lang sein Talent unter Beweis stellen zu können.

Und genau das hatte er auch getan. Er hatte in jeder Sekunde, die er auf dem Platz gestanden hatte, seinem Team geholfen. Er hatte sich mit riskanter Leidenschaft in jeden Zweikampf gestürzt, seinen Mitspielern, wann immer es nötig gewesen war, den Rücken gestärkt, nicht darauf bedacht, sich dafür eine gelbe Karte zu viel abzuholen. Er hatte seinem Team zu jedem Sieg verholfen, hatte, wenn eine Niederlage gedroht hatte, alles daran gesetzt, doch noch ein kräftezerrendes Remis einzufahren. Und falls all das Blut und all der Schweiß einmal nicht ausgereicht haben sollten, war er einer der wenigen gewesen, der die Mannschaft wieder ermutigt und aufgebaut hatte.

Nie hatte er auch nur ansatzweise einen zweifelnden Gedanken an seine Mannschaft verschwendet.

Er hatte immer an sie geglaubt.

Er hatte immer an seinen Verein - den großen FC Barcelona - geglaubt. An seine spanische Nationalmannschaft. An seine talentierten Teamkollegen. An sich selbst.

Immer.

Nun aber verblich dieser Glaube.

Innerhalb einer Sekunde wurde sein Glaube an die Mannschaft, an seine Mitspieler und vor allem an sich selbst zunichte gemacht.

Es klang vielleicht egoistisch, aber er war zurzeit einer der wichtigsten - wenn nicht sogar der wichtigste - Spieler der Katalanen.

Er war Dreh- und Angelpunkt des Teams - sowohl hier in Barcelona, als auch in seiner Nationalmannschaft.

Klar, er war noch jung und unerfahren, teilweise auch etwas zu dickköpfig und verspielt, aber dennoch ein Baustein, ohne welchem das komplette Teamgerüst wackeln würde.

Und genau das würde jetzt auf die Probe gestellt werden.

Denn er würde seiner Mannschaft fehlen.

Aber nicht nur drei oder vier Wochen.

Das wäre doch viel zu wenig für einen so jungen Spieler gewesen, der wöchentlich und über Monate hinweg an seine Grenzen gekommen war und Spitzenleistungen erzielt hatte.

Ja, es wäre beinahe lächerlich gewesen, wenn er nur ein paar Wochen hätte pausieren müssen.

Daher kam es so, wie es letztendlich hatte kommen müssen.

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