Marco Reus x Julian Brandt

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Für smileyemmi <3

27.11.2023

,,Ich kann das nicht, Marco.", sagte Julian, als er die Tür des Badezimmers öffnen hörte. Ängstlich schaute er in die Augen seines Freundes, der das Schlafzimmer betrat.

Mit gebuckeltem Rücken sowie zitternden Knien, saß Julian an der Kante des Doppelbettes. Seine Ellenbogen hatte er auf seinen Oberschenkeln abgestützt, während er seine Hände zu einer dicken Faust verschränkt hatte und mit dieser sein Kinn aufrecht hielt.

Er war nervös. Nein, falsch. „Nervös" war ein viel zu harmloser Begriff, um seinen aktuellen Zustand beschreiben zu können.

Er kochte nahezu vor Aufregung und Anspannung. Sein komplettes Nervensystem lief auf Hochtouren und sein Puls betrug mindestens einhundertachtzig. Sein Herz schlug schneller, als nach einem neunzig minütigen Arbeitssieg, und in seinem Magen brodelte es gefährlich, so dass er das dringliche Bedürfnis verspürte, sich jede Sekunde übergeben zu müssen.

Als Marco die Panik in Julians Gesicht erfasste, seufzte er leise und kniete sich vor Julian, auf den harten Teppichboden. Ein sanftes Lächeln schmückte seine Lippen, während er seine Hände behutsam auf Julians Knie legte. Wie auf Knopfdruck stoppte das Zittern.

,,Jule, wie oft haben wir darüber schon gesprochen?", fragte Marco rhetorisch, bevor er fortsetzte.

,,Wir werden heute über unsere eigenen Schatten springen und das durchziehen, okay?", spornte der Ältere an, doch Julian sah von diesen Worten wenig überzeugt aus. Stattdessen sog er die Innenseite seiner Wange zwischen seine Backenzähne und kaute unsicher auf dieser umher.

Bereits von Anfang an, war Julian mit dem Plan nicht wirklich einverstanden und schon gar nicht davon begeistert gewesen. Doch irgendwann mussten sie es tun. Irgendwann hatte dieser Tag kommen müssen, das war Julian klar gewesen. Irgendwann mussten Marco und er der Mannschaft von ihrer Beziehung erzählen. Es führte kein Weg daran vorbei. Denn früher oder später würde ihre Liebe, welche sie die vergangenen sechs Monate vor den Jungs verborgen hatten, ans Licht kommen. Und da sie nicht wollten, dass dies durch ein blödes Missgeschick passierte, hatten sie vor rund einem Monat entschlossen, dass heute der alles entscheidende Tag sein sollte. Ausgerechnet hier - in einem Hotel in Mailand.

,,Warum unbedingt heute? Wir hätten doch warten können, bis wir das Spiel morgen bestritten haben. Wir können es ihnen auch sagen, wenn wir wieder in Dortmund sind.", schlug Julian vor.

Dabei wollte er nichts sehnlicher, als das eigentliche Problem aufschieben und den Druck von seinem Brustkorb loswerden, der immer stärker wurde. Es fühlte sich an, als hätte jemand ein Seil um seinen Oberkörper geschlungen und derjenige nun so fest daran zerrte, dass seine Lungen nur noch die Hälfte des benötigten Sauerstoffs aufnehmen konnten.

,,Julian... Wir haben uns auf diesen Tag gemeinsam geeinigt. Wenn wir jetzt alles über den Haufen werfen, dann waren der ganze Stress und die Vorbereitungen für umsonst. Wir sollten uns zumindest dafür belohnen, indem wir es ihnen sagen - ganz egal, wie sie reagieren werden."

Marco drückte aufmunternd Julians rechtes Knie, versuchte ihm damit Zuversicht und Mut zu schenken. Julian jedoch haderte mit seinen negativen Gedanken.

,,Aber was ist, wenn sie uns nicht mehr mögen? Wenn sie uns nicht mehr im Team haben wollen? Wenn niemand mehr mit uns befreundet sein will und wir den Verein verlassen müssen? Ich will das nicht riskieren, Marco. Ich kann es nicht. Du wirst deine Karriere bald beenden, aber ich? Ich werde meine damit zerstören, wenn sie uns nicht so akzeptieren wie wir sind."

Tränen sammelten sich in Julians Augenwinkeln, stachen unangenehm in diesen, wodurch er für einen Moment seine Lider schloss.

Es war nicht das erste Mal, dass Julian diese Worte ausgesprochen hatte. Besonders in der letzten Woche, als der heutige Tag immer näher gerückt war, hatte er jede Minute über mögliche Risiken und Auswirkungen, die ihr Outing mit sich ziehen könnte, nachgedacht. Von Ignoranz, über Beleidigungen, bis hin zum Verstoß aus der Mannschaft war alles dabei gewesen. 

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