Zoé Pilar Perez

Einer der Vorteile ein eigenes Café zu besitzen, bestand darin, dass man immer leckeres Essen zur Verfügung hatte. Zwar ärgerte mein Vater sich ab und zu darüber, wenn ich mal wieder eine Leckerei stibitzte, doch trotzdem gönnte ich mir hin und wieder den Luxus des köstlichen Essens. So auch heute. Ich hatte das Frühstück hoffnungslos verschlafen – es war mittlerweile fast ein Uhr – doch ich hatte nicht wirklich Hunger auf das geplante Mittagessen, weshalb ich mich frisch geduscht und umgezogen auf den Weg in die kleine Küche hinter dem Café machte, wo ich mir ein kleines Croissant schnappte und großzügig mit Marmelade bestrich. Französisches Frühstück, göttlich.

Nachdem ich aufgegessen hatte, nahm ich mir noch etwas zu trinken, ehe ich nach draußen lief und mich auf eine kleine Bank auf der Promenade hinter unserem Haus setzte, um etwas für mich zu sein. Ich hatte es immer noch nicht ganz verarbeitet, wie mein Vater über Harry dachte, und ich verstand sein Verhalten keinesfalls. Im Gegenteil – ich hatte eigentlich sogar erwartet, dass Dad total begeistert von ihm wäre, schließlich war er gut erzogen, war nicht zum Feiern sondern zum Arbeiten hier und machte seine kleine Tochter glücklich, aber anscheinend war das Dad immer noch nicht gut genug.

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als auf einmal eine süße Duftwolke in meine Nase drang und sich zwei Arme um meinen Oberkörper schlangen. Unwillkürlich legte sich auf meine Lippen ein Lächeln, als ich Noemis liebevolle Umarmung erwiderte, ehe wir uns wieder voneinander lösten.

„Hallo“, grinste sie mich schief an und ich erwiderte ihren Gruß, ehe ich fragte:

„Was hat dich denn hier her verschlagen? Willst du auch ein Croissant?“

Sie schien erst mit sich zu ringen, ehe sie zur Antwort schließlich nickte und wir beiden aufstanden, um die Küche zu gehen. Zeitgleich beantwortete sie auch noch meine andere Frage:

„Ich wollte dich nur mal wieder besuchen, nichts Besonderes.“

In der Küche angekommen reichte ich ihr eins der Croissants, das sie gierig und zeitgleich dankend entgegennahm, während ich mich gegen die Arbeitsplatte lehnte und ihr beim Essen zusah. Ich wusste genau, wie sie das hasste, und schon nach kurzer Zeit begann sie mir böse Blicke zuzuwerfen, bis sie schließlich ihre Handfläche in mein Gesicht drückte und knurrte:

„Hau auf mich anzustarren, so kann ich nicht richtig essen.“

„Das tut mir aber leid.“, kicherte ich und wehrte mich gegen ihre Hand, als auf einmal mein Handy vibrierte.

Ich fischte es aus der Hosentasche meiner Jeanshotpan und automatisch legte sich ein Lächeln auf meine Lippen, als ich Harrys Namen auf dem Display entdeckte.

„Hat Harry dir geschrieben?“, fragte Noemi nach, woraufhin ich mir auf die Zunge biss, um mein Grinsen zu verstecken und somit nicht aufzufliegen, doch Noemis Stimme war schon lauter geworden:

„Oh ja, es ist Harry! Was schreibt er?“

Freu mich, dich nachher zu sehen, Harry.“, las ich vor, ehe meine Stirn sich verwirrt in Falten zog. „Wir haben doch gar kein Treffen ausgemacht.“

„Nun ja“, warf Noemi ein und wusch sich die Hände ab, da sie zu Ende gegessen hatte, „Das habe ich schon für euch gemacht, also ein Treffen für euch vorbereitet.“

„Ich wusste es.“, unterbrach ich sie murmelnd, verstummte aber abrupt, als ich ihren bösen Blick sah, und ließ sie weitersprechen:

„Aber es ist vermutlich etwas anders als du gerade wahrscheinlich denkst. Alessandro kommt auch, und ich. Also du, Harry, Alessandro und ich.“

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