Zoé Pilar Perez

Ein lautes Startsignal verkündete den Start des matschigen Vergnügens und vor uns begannen alle nach Tomaten zu greifen, die extra in großen Behältern angeliefert worden waren, um andere Leute damit abzuwerfen oder einzuschmieren.

„Und was jetzt?“

Ich drehte meinen Kopf zu Harry, der dies soeben gefragt hatte, und zuckte mit den Schultern. Denn während die Leute vor uns bereits dabei waren sich gegenseitig einzuseifen, standen wir etwas verloren am Rande, bis auf einmal eine Tomate auf uns zuflog und direkt in Harrys Gesicht landete.

Laut fing ich an zu lachen, während er versuchte die Matsche aus seinen Haaren zu entfernen, als auch mich auf einmal etwas Rotes, Weiches traf und erschrocken drehte ich mich um, nur um einen kleinen Jungen von vielleicht zehn Jahren zu erblicken, der uns schadenfroh auslachte.

Doch er hatte anscheinend nicht mit mir gerechnet, denn ich nahm schnell einem älteren Herrn seine neue Bewaffnung ab und ballerte damit den Kleinen ab, bis Harry mich unterstützte und der Knirps wieder auf Abstand ging.

Wir mussten wirklich bescheuert aussehen – Taucherbrille, leicht bekleidet, zugeschmiert mit den Innereien von Tomaten – doch die anderen Leute waren noch viel schlimmer, da war ich mir sicher.

„Siehst du den Typen da hinten?“, raunte Harry mir ins Ohr und legte eine schmierige Hand auf meine Schulter, ehe er auf einen großgebauten Mann zeigte, der überall, außer im Gesicht, mit der roten Pampe verziert war.

Ich nickte und Harry grinste:

„Knöpfen wir uns ihn vor, er könnte ein bisschen Rouge im Gesicht vertragen.“

Kaum hatte ich mich versehen wurde ich von Harry auf seine Schultern gehievt und er reichte mir ein paar Tomaten, ehe er sich langsam mit mir dem Mann näherte.

Unsicher hielt ich mich an seinen Haaren und seinem Nacken fest, wobei ich mir ziemlich sicher war, dass ich ihm wehtat – wobei ich generell eigentlich schon zu schwer für Harry war – doch er sagte nichts. Vermutlich bemerkte er, wie wackelig und schmierig es auf seinen Schultern war und wie schwer es für mich dadurch war, nicht runterzufallen, denn er hielt mich an den Oberschenkel fest und grinste kurz zu mir hoch, ehe er murmelte:

„Attacke, Pilar. Gib’s ihm!“

Ich nickte, holte aus, um einen möglichst guten Wurf hinzubekommen, und schleuderte dem Mann die Tomate mit so einer Wucht gegen die Stirn, dass ich Angst hatte, dass er umfallen würde.

Zum Glück sind die Tomaten so weich.

Harry hielt seinen Daumen zu mir hoch, damit er nicht unnötig seinen Nacken verdrehen musste, um mich anzugrinsen, und ich wuschelte ihm einmal durch die Haare, was er mit einem „Hey!“ quittierte.

Der Mann fand im Gegensatz zu uns meinen perfekten Wurf, der im Sportunterricht in der Schule meine Note von 3 bestimmt auf 1 befördert hätte, allerdings anscheinend nicht so toll, denn er schaute uns böse an, während er sich extra viele Tomaten griff und in Zeitlupe auf uns zugelaufen kam.

„Scheiße.“, murmelte ich und Harry ließ mich von seinen Schultern fallen, ehe er auch uns ein paar Tomaten besorgte.

Der Typ zielte und warf eine Tomate mit Wucht in meine Richtung, doch in letzter Sekunde bückte ich mich und wich dem klebrigen Wurfgeschoss aus, sodass es auf dem Rücken einer Frau in den 30ern landete. Doch er wartete nicht lange, sondern schleuderte direkt die nächste Tomate  hinterher, die auch sofort mitten auf Harrys Bauch landete.

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