Zoé Pilar Perez

Ich glaube, so gut wie jedes Mädchen hat sich schon mal gewünscht, dass wie in Büchern oder Filmen mitten in der Nacht der Junge ihrer Träume auftaucht, Steinchen gegen ihr Fenster wirft und sie somit aufweckt, sodass die beiden heimlich etwas miteinander unternehmen können.

Ich – ehrlich gesagt – habe noch nie überhaupt daran gedacht, und somit war ich erst auch ziemlich verwirrt, als ich auf einmal durch ein lautes Poltern aus dem Schlaf gerissen wurde und, sobald ich aus dem Fenster blickte, Harry hinter unserem Haus auf unserem Gartentisch stehend entdeckte.

„Harry?“

„Wer sonst?“, fragte er zurück, als müsste ich ihn sofort erkennen, obwohl ich wegen der Dunkelheit so gut wie nur seine Umrisse erkennen konnte und ich keine hoch intelligenten Augen hatte.

Aber andererseits gab es auch niemand anderen, der mitten in der Nacht auf die Idee käme, andere Leute aufzuwecken, indem er ihnen einen Besuch abstattete.

„Was ist?“

Mühsam versuchte ich ein Gähnen zu unterdrücken, mein Schlafshirt zurecht zu rücken und meine Haare zu bändigen – alles gleichzeitig natürlich – während er antwortete:

„Komm nach draußen.“

Ich wusste nicht, wieso ich seiner Aufforderung folgte, vermutlich lag es an der Müdigkeit, die meinen Verstand benebelte, aber auf jeden Fall fand ich mich tatsächlich kurze Zeit später in neuen Klamotten neben ihm im Garten wieder.

„Was hast du vor? Wohin willst du?“, fragte ich ihn und er grinste mich an, wobei das abenteuerliche Funkeln in seinen Augen durch die sich darin spiegelnden Sterne nur noch verstärkt wurde.

„Ich weiß nicht, sag du es mir. Wo ist es in Barcelona bei Nacht besonders schön?“

Ich musste nicht lange überlegen, um ihm diese Frage zu beantworten.

Laberinto de Horta.“

„Okay. Was ist das?“

„Ein riesiger Park mit Labyrinth.”, erklärte ich nur und langsam begannen wir über einen kleinen Trampelpfad uns auf den Weg zum meinem Lieblingsplatz zu machen.

Es überraschte mich schon ein bisschen, dass uns um diese Uhrzeit noch Leute entgegen kamen, doch ich sagte nichts dazu. Immer noch lag eine unangenehme Wärme in der Luft, auch wenn eine frische Brise wehte.

„Ist der Weg bis dorthin weit?“

Ich schüttelte zur Antwort mit dem Kopf, ehe ich fragte:

„Wie kommst du eigentlich auf die Idee, mich so spät nachts noch zu wecken?“

„Keine Ahnung, ich konnte nicht schlafen, mein Kopf war voll und ich wollte mich ein bisschen bewegen, aber ich kenn‘ mich ja nicht so gut aus hier.“

„Achso.“

Ich spürte, wie er zaghaft nach meiner Hand griff und seine Finger verankerten sich mit meinen, weshalb sich ein kleines Lächeln auf meine Lippen legte, das ich allerdings sofort wieder versuchte zu unterdrücken, als ich bemerkte, dass Harrys Blick auf mir lag.

„Hey, wieso hörst du auf zu lächeln?“, beklagte er sich auch sofort und ich schob meine Unterlippe vor.

„Weil du mich anstarrst.“

„Ich starre dich nicht an, ich mag es nur, wenn du lächelst.“

Ich drehte mein Gesicht komplett seinem zu und grinste ihn so breit wie möglich und mit offenem Mund an, sodass ihm meine Zähne offenbart wurden und ich hundertprozentig bescheuert aussah, und er verdrehte schmunzelnd die Augen, ehe er mein affiges Gesicht mit seinen Händen verdeckte.

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