Zoé Pilar Perez

Ich hatte kein bisschen geschlafen, bevor Harry mich zu unserem heimlichen Date abgeholt hatte. Viel zu groß war dafür die stetig wachsende Vorfreude in meiner Magengegend gewesen. Egal, wie gut der britische Lockenkopf und ich uns nun schon kannten, vermutete ich, dass ich mich wohl nie an meine Gefühle für ihn gewöhnen würde. Immer wieder würde ich aufgeregt sein, ihn zu sehen, immer wieder würde ich es nicht wahrhaben können, tatsächlich an seiner Seite zu stehen. Und umso größer unsere Liebe - umso stärker unsere Beziehung wurde, desto surrealer schien die Situation für mich zu werden. Ich wusste nicht, was ich getan hatte, um so ein wundervolles Geschenk wie Harry zu erhalten, jedoch wollte ich alles dafür tun, um auch in Harrys Leben Licht und Farben zu bringen.

Ein letztes Mal fiel mein Blick auf den großen Spiegel, der an einer der Zimmerwände gelehnt war, während ich mit meiner Hand kritisch eine der wirren Locken, die mir ins Gesicht fielen, zurückstrich. Ich war mir unsicher, ob die schwarze Ripped Jeans angemessen waren, doch da mir Harry nicht verraten hatte, was wir vorhatten, beschloss ich schließlich, das Thema fallen zu lassen. Accessoires trug ich keine, bis auf den dicken Ring, den Harry mir heute Nachmittag untergeschmuggelt hatte, da ich der Ansicht war, dieser würde allein aussagekräftig genug sein.

Kurz vor Mitternacht nahm ich schließlich ein leises Klirren war, während Harry von draußen kleine Steinchen gegen mein Fenster warf. Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen, als mich die Erinnerungen an die Nacht, in der wir uns erstmals geküsst hatten durchfuhren, schließlich hatte er auch damals so auf sich aufmerksam gemacht. Déjà-Vu.

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Mit jeweils einer Tüte Fish'n'Chips („Oh schau mal, Pilar, ein kleines Stückchen Heimat!") schlenderten Harry und ich gemütlich über die sogenannte La Rambla, die wohl berühmteste Flaniermeile Barcelonas, die das Zentrum der Stadt direkt mit dem Hafen verband. Spärliches Mondlicht warf angemessen der Uhrzeit einen silbrigen Schimmer auf die noch immer gut gefüllten Gassen und Straßen, ließ die Augen unserer Mitmenschen funkeln und mein Herz vor lauter Romantik beinahe platzen. Unser Essen hinderte daran uns zu unterhalten, doch auch so war alles gesagt. Die Atmosphäre der Las Ramblas um diese späte Uhrzeit faszinierte nicht nur Harry, und mit einem Lächeln auf den Lippen genoss ich es einfach nur, die Nacht mit meinem Freund zu verbringen. Wir liefen vorbei an einem älteren Herrn, der mit einem eigenartigem Blasinstrument erstaunlich sanfte Töne erzeugte, überquerte ein riesiges Mosaik auf dem Grund der Straße zu unseren Füßen und ehe ich mich versah, hatten wir aufgegessen und hatten den Hafen erreicht. Hier begegneten uns weniger Touristen als auf der Flaniermeile selbst, doch trotzdem herrschte noch reges Treiben.

„Hey, schau mal da!" Harrys Finger deutete auf etwas, das einige Meter vor uns zu geschehen schien, während er energisch an meiner Schulter rüttelte. „Ist das Flamenco?"

Nachdem ich mir einen Überblick verschafft hatte, erblickte auch ich die zwei Frauen, eine etwas älter als ich mit vermutlich ihrer Mutter, beide gekleidet in dunkelroten, traditionellen Kleidern, die sich geschmeidig an ihre Körper schmiegten. Ihre dunklen Haare hatten sie streng zu einem Dutt zusammengesteckt und in jeweils ihrer linken Hand hielten sie einen Fächer in der Farbe ihres Kleides. Ihre anmutigen Drehungen kombinierten sie mit energischen Steppschritten und selbst aus unserer Entfernung konnte ich die Leidenschaft in ihren Augen erkennen.

„Ja, das ist Flamenco", antwortete ich Harry mit einem Lächeln auf den Lippen. Schon als ich ein kleines Mädchen war, verliebte ich mich in den traditionellen, leidenschaftlichen Tanz, der weit über Spanien bekannt war, und hatte mehrere Stunden damit verbracht, ihn selbst zu erlernen.

In binnen weniger Sekunden fand meine Hand Harrys und für einen kurzen Moment entfachte diese Geste ein kleines Feuerwerk in meiner Magengegend, da unsere schweren Ringe aneinander klapperten. Schnell zog ich Harry mit mir mit zu den beiden Tänzerinnen, die völlig in ihrer Musik, die lustiger weise aus einem Ghettoblaster kam, versunken zu sein schienen.

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