Zoé Pilar Perez

Das Bett war zu klein, die Luft zu stickig und Harry zu warm. Eine Fliege summte nervenaufreibend durch das kleine Zimmer und alle paar Sekunden rauschte ein Auto lauthals an der Pension vorbei.

Lediglich meine Beine waren mit Harrys verknotet, sonst bemühten wir uns, möglichst wenig Körperkontakt aufzubauen.

„Es tut mir wirklich leid, dass ich dich so in Anspruch nehme, Harry."

Ich hörte, wie er leise atmete und sich ein wenig im Bett bewegte, während ich die Decke von meinem Körper strich.

„Das ist wirklich kein Problem, Pilar." Ich spürte seine Finger durch mein Haar fahren, sah aber aufgrund der Dunkelheit der Nacht kaum etwas außer seine funkelnden Augen. „Außerdem ist es um einiges angenehmer, dieses Kabuff mit dir zu teilen als alleine zu sein."

Unwillkürlich verzogen sich meine Lippen zu einem Schmunzeln, doch antworten tat ich nicht mehr. Stattdessen lag ich stumm neben Harry, während dessen Atmung zunehmend gleichmäßiger wurde und ich ihm mit meinen Fingern durch die dichten Locken fuhr, wobei er wohl langsam aber sicher in das Land der Träume abdriftete. Doch warum sollte ich schlafen wollen, wenn kein Traum schöner sein konnte als dieser Moment?

Aber mit der Stille kamen auch alle Zweifel des Tages wieder hoch. Ich dachte an meinen Vater, der in diesem Moment bestimmt alleine vor dem Fernseher saß und sich irgendeine Quizsendung anschaute, ohne diese überhaupt richtig zu verfolgen. Ich dachte an Alessandro, der gerade mit Noemi im Arm ruhig schlief - genau wie Harry und ich, nur mit Klimaanlage. Vermutlich dachte Alessandro, alles wäre wieder gut. Ich hatte dies ehrlich gesagt für einen kurzen Moment sogar selbst geglaubt, doch letztendlich würde ich ihn nicht einfach so wieder laufen lassen.

„Ich habe gerade noch mit meiner Mum telefoniert, als du dich bettfertig gemacht hast."

Ich erschrak mich ein wenig, da ich angenommen hatte, Harry wäre bereits eingeschlafen, aber dennoch zauberte mir Harrys schläfrige, raue Stimme ein kleines Lächeln auf die Lippen.

„Vermisst du sie?"

Es dauerte ein paar Sekunden, bis Harry antwortete. „Ja"

Erneut kehrte Schweigen ein und ich bemerkte, wie er sich ein bisschen bewegte und sich schließlich auf den Rücken legte. Wie in Trance stützte ich mich auf meine Ellenbogen und lehnte mich etwas vor, um einen Kuss auf seiner Wange zu platzieren.

„Sie hat Angst, dass ich mich in Schwierigkeiten bringe."

„Wegen meinem Dad?"

Ich spürte, wie er nickte, und blickte beschämt zur Decke. Es tut mir so leid, Harry.

„Dann hat sie wohl eher Angst, dass ich dich in Schwierigkeiten bringe."

„Sie kennt dich nicht, Pilar."

„Und was wäre, wenn sie mich kennen würde? Das würde keinen Unterschied machen."

„Sie würde dich lieben", antwortete Harry und ich meinte, ihn leise kichern zu hören, doch leider fuhr genau in diesem Moment ein LKW vor dem Fenster vorbei.

Langsam und ungläubig schüttelte ich meinen Kopf, konnte aber dennoch nicht verhindern, dass ich mich über seine Worte freute. Das Bett quietschte erbärmlich, weshalb ich annahm, dass Harry erneut seine Position verändert hatte. Doch schon im nächsten Moment spürte ich etwas, das ganz sicher seine Lippen waren, auf meinem Mundwinkel.

„Mhm", machte ich und griff sanft nach seinem Nacken, um seinen Mund erneut auf meinem zu platzieren, doch dieses Mal richtig und nicht nur auf meinem Mundwinkel.

Es war schön, in nachts im Dunkeln zu küssen. Es gab mir das Gefühl, wir hätten alle Zeit der Welt - oder wenigstens noch ungefähr zehn Stunden - nur für uns. Niemand konnte uns stören und niemand könnte erwarten, dass ich mich voll und ganz Harrys Lippen hingab. Denn im Dunkeln genoss ich es, mich ebenfalls seinen Händen, seinen Hüften und seiner Nase hinzugeben. Ja, verdammt, ich liebte seine Nase.

Ich liebte Harry.

Unser Kuss verlief unkonzentriert, gelassen und dennoch mit voller Hingabe für den jeweils anderen, bis sich Harry nach einiger Zeit wieder langsam von mir löste.

„Himmel, es wird immer heißer hier drinnen."

„Soll ich rausgehen?", fragte ich schmunzelnd und hörte ihn im nächsten Moment leise auflachen.

„Ich glaube, es würde reichen, wenn du dich ausziehst."

„Da wäre ich mir an deiner Stelle nicht so sicher.", gab ich zurück, griff aber trotzdem nach dem Saum meines Tops und zog es mir mit einer raschen Bewegung über den Kopf.

„Hast du dich gerade wirklich ausgezogen?!"

„Jap. So ein Pech, dass es hier drinnen stockduster ist, nicht wahr, Harold?"

Er setzte sich auf und robbte ans Fußende, weshalb ich vermutete, dass er das Nachttischlämpchen anschalten wollte, doch ich konnte ihn vorher noch stoppen.

„Du musst dich jetzt aber auch ausziehen.", grummelte ich schmollend und verschränkte meine Arme vor der Brust, während ich in die Richtung schaute, wo ich seine grünen Augen vermutete.

„Ist Klein-Pilar sonst beleidigt?"

„So beleidigt, dass sie dich im Notfall sogar selbst ausziehen würde."

„Okay, einverstanden."

„Ist Harold also zu geizig, um selbst Hand anzulegen?"

„Wenn er ein hübsches Mädchen neben sich sitzen hat - natürlich."

„Jetzt bin ich also nur noch eins von den hübschen Mädchen?!"

„Das sollte ein Kompliment sein, aber na gut."

Er krabbelte wieder zu mir zurück und griff nach meinen Händen - seine Augen mussten wirklich gut sein, dass er selbst im Dunkeln so zielsicher war - und umfasste mit diesen den Stoff seines Tanktops.

„Hoch die Arme", wies ich ihn leise an und meinte, ich leise kichern zu hören, ehe er gehorchte. Ohne Rücksicht auf Harrys perfekte Ordnung schmiss ich das Stoffstück in irgendeine Ecke des Zimmers, wonach ich sofort wieder von einem Kuss Harrys überrumpelt wurde.

Währenddessen griff mein Freund erneut nach meinen Händen und ehe ich mich versah, legte er diese an den Rand seiner Boxershorts.

„Harry, ich ziehe dir nicht deine Boxer aus."

„Aber mir ist warm."

„Harry!"

„Gut, dann eben nicht."

Meine Hände wurden wieder losgelassen, doch im nächsten Moment nahm ich wahr, wie Harry sich selbst seine Unterwäsche auszog.

„Harry!"

„Du scheinst meinen Namen wirklich zu lieben, so oft wie du ihn wiederholst."

Stimmt.

„Ach komm schon."

„Schwitzt du nicht unter deinem BH? Ich meine....das Ding ist hauteng!"

Am liebsten hätte ich erneut „Harry!" gesagt.

„Meine Unterwäsche gehört definitiv nicht zu den Themen, über die ich mit dir reden möchte."

„Ich mag deine Unterwäsche", schmunzelte Harry und zog einmal kurz am rechten Träger meines BHs, ehe ich seine Hand wegschlug. „Sie ist so...süß. "

„Fast so süß wie deine Bananen-Jogginganzughose."

„Oh Gott, ich liebe dich, Pilar."

X

Harry und ich fühlten die Nacht mit Liebe, und auch wenn Harry immer wärmer und wärmer wurde und die Luft immer stickiger und stickiger, hätte ich dennoch kaum zufriedener sein können.

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Bei wem gibt's auch morgen Zeugnisse? Und wieso wurden deswegen eigentlich keine Ferien eingerichtet?!:/

I WANT A HARRY

- H .x

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