Zoé Pilar Perez

Zuhause angekommen lief ich sofort ins Café, genauer gesagt in den Privatbereich hinter der Theke, und nahm meine kleine Schürze, die zur Uniform einer jenen Kellnerin hier gehörte, vom Haken, um sie mir umzubinden. Anschließend griff ich zu meinem kleinen Block und einem Kugelschreiber, als ich auf einmal eine vertraute Stimme hinter mir wahrnahm:

„Zoé, da bist du ja!“

Ich drehte mich um und entdeckte Noemi, die zugegeben wirklich mitgenommen und fertig aussah.

„Hey, was machst du denn hier?“

„Ich habe auf dich gewartet. Mensch, ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht, als ich dich nach der Party nicht mehr wiedergefunden habe. Wo zur Hölle warst du?!“

„Ich habe bei Alessandro geschlafen – Frag mich nicht warum, ich habe selbst keine Ahnung.“, antwortete ich und schnappte mir noch schnell ein Tablet von der Theke.

„Bei Alessandro?!“

„Ja. Und du, wo warst du?“

„Ich habe im Zelt gepennt, neben einem stinkenden Typen aus Palma.“, stöhnte sie und ich unterdrückte ein Lachen.

„Hört sich ja toll an. Willst du duschen?“

Sie nickte dankbar und ich deutete mit meinem Kopf nach oben, weshalb sie sich sofort auf den Weg in unsere Wohnung machte.

Ich hingegen bewegte mich in den Bereich, der für die Kunden zuständig war, und bediente dort erst einen vollbärtigen Nachbarn Alessandros und dann eine junge, total gestresste Touristenführerin, der ich gerne mein Beileid ausgesprochen hätte.

Nach einer Weile, als ich gerade einen schwarzen Kaffee in eine Tasse füllte, klingelte mal wieder die Glocke, die verdeutlichte, dass ein neuer Kunde zu uns gekommen war, und ich stellte schnell die Tasse auf mein Tablett, um wieder zu den Leuten zu gelangen.

Ich lieferte die Bestellung schnell bei einer schwangeren Spanierin ab, ehe mich auf den Weg zu dem neuen Kunden machte. Er hatte eine relative blasse Haut für Spanien und sein Gesicht wurde zu Hälfte von einer riesigen Sonnenbrille verdeckt. Er hatte sich eine Snapback auf den Kopf gesetzt und sein meiner Meinung nach viel zu weit offen geknöpftes Hemd offenbarte mir einige Tattoos wie Jahreszahlen und – ist das eine Motte?!

Buen día. ¿Cómo puedo ayudarle?“, ratterte ich meinen Text runter, während ich mich fragte, woher ich die Person vor mir kannte, wobei das Nachdenken mir einfacher fallen würde, wenn der Mann nicht diese gigantische Sonnenbrille tragen würde.

Hola. Sorry, das ist das einzige Wort, das ich auf Spanisch kann.“

„Harry Edward?“

„Nur Harry.“

„Nur-Harry, was machst du hier?!“, wechselte ich wieder ins Englische und senkte genervt meinen Block und meinen Stift.

„Einen Kaffee trinken.“

„Ich dachte Briten stehen mehr auf Tea-Time?“

Ein leises Lachen verließ seine Lippen, ehe er fragte:

„Habt ihr denn Yorkshire-Tea?“

Ich schüttelte ohne groß nachzudenken den Kopf.

„Your-Tea?“

Wieder verneinte ich und Harry nickte allewissend.

„Ihr habt hier gar keinen Tee, stimmt’s?“

„Doch, aber unseren Tee wisst ihr Touristen gar nicht zu schätzen.“

„Bring‘ mir doch bitte einfach einen Kaffee.“, meinte er schließlich und ich nickte, bevor ich wieder zur Theke verschwand und die Kaffeemaschine anschmiss.

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