Zoé Pilar Perez

„Raus mit der Sprache, was läuft da zwischen Harry und dir? Und jetzt sag ja nicht, dass er schon ganz süß ist!"

Erschrocken drehte ich mich zu Noemi um, die auf einmal neben mir aufgetaucht war, und ließ beinahe das zierliche, goldene Kettchen aus meiner Hand fallen, das ich betrachtet hatte.

„Gott, hast du mich erschreckt!", flüsterte ich in derselben Lautstärke wie meine Freundin zuvor und blickte mich unauffällig um, um zu überprüfen, ob jemand in der Nähe war, der lauschen könnte. Zwar bezweifelte ich, dass die Sache zwischen Harry und mir jemand anderen außer Noemi oder vielleicht noch Alessandro interessieren könnte, doch es war einfach einer meiner inneren Instinkte.

„Ich glaube nicht, dass ‚Gott, hast du mich erschreckt' zwischen dir und Harry läuft.", entgegnete Noemi schnippisch und nahm mir die Kette aus der Hand, betrachtete sie kurz und gab sie mir schließlich mit einem knappen „hübsch" zurück.

„Gut, was willst du wissen?"

„Wie sehr magst du ihn?"

„Was ist das denn für eine Frage? Wie antwortet man darauf, in Prozent? Warte, ich hol kurz meinen Taschenrechner. Oder mit einem Gefühlometer? Sorry, hab' ich heute leider nicht dabei, obwohl ich sowas sonst eigentlich immer mit mir rumschleppe."

Noemi lachte nur und ich wusste gut genug, dass sie somit versuchte, den unsicheren Ton in meiner Stimme wegzuwischen.

„Nicht mit einem Gefühlometer, mit dem Herzen, Fräulein. Was sagt dir dein Herz?"

„Es sagt gar nichts, es hämmert nur wie verrückt."

„Und wenn du mit Harry bist, hämmert es noch ein bisschen mehr, stimmt's?", fragte Noemi und stellte dabei eine These auf, von der wir beide wussten, dass sie der Wahrheit entsprach.

Leicht nickte ich und sofort breitete sich ein großes Grinsen auf Noemis Gesicht aus. „Ich wusste, dass aus euch mal was wird! Ihr passt so gut zusammen, oh mein Gott, ich bin neidisch. Ihr könntet eins dieser tumblr-Paare sein!"

„Noemi, du kannst aufhören zu schreien! Die Japanerin guckt schon so komisch.", redete ich auf sie ein und schenkte der verwirrt reinblickenden Japanerin neben uns ein kleines Lächeln, woraufhin sie sich mit schief gelegtem Kopf von uns abwandte.

„Sie kann bestimmt sowieso kein Spanisch, von daher...aber kommen wir zum Wesentlichen zurück: Du und Harry. Du hast dich also in ihn verliebt, ja?"

„Ja", antwortete ich leise, wobei meine Stimme sich ungewöhnlich hoch anhörte, sich jedoch ein wohliges Gefühl in meinem Magen ausbreitete und ein Bild von Harry vor meinem inneren Auge erschien.

„Hattet ihr schon ein Date? Gott, du erzählst mir ja gar nichts mehr. Schäm dich, echt! Ich bin enttäuscht von dir."

Sie schluchzte einmal theatralisch auf und strich sich zügig eine nicht existierende Träne von der Wange, ehe sie mich wieder interessiert betrachtete.

„Ja"

„Gott, ich muss dir die Freundschaft kündigen. Vermutlich habt ihr auch schon heimlich geheiratet und ich habe nichts von all dem erzählt bekommen! Warum hat Alessandro mir denn nichts gesagt?"

„Weil er nichts weiß. Und du wirst es niemals ohne mich aushalten, Noemi.", grinste ich und streckte ihr spielerisch die Zunge raus, doch sie schmollte nur.

„Soll das heißen, ich bin die Erste, die von euch weiß?"

„Nun ja, im Grunde weißt du ja noch gar nicht richtig etwas."

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