Harry Edward Styles

Ich verstand es nicht, und mein Herz drohte, mir aus der Brust zu springen.

Ich lehnte gegen die Kante des Tresens, meine Finger umfassten ein eiskaltes Glas gefüllt mit Wodka-O und ich fühlte mich schrecklich. Als ich dem regnerischen Wetter Londons entflohen war und in das moderne Ambiente gestolpert war, war ich mir sicher, dass ich einzig gekommen war, um zu trinken - dabei trank ich eigentlich nie. Ich hasste Alkohol, seinen Geschmack, die Wirkung. Kontrolle und sich selbst verlieren, lallen, Gleichgewichtsstörungen. All diese Effekte schüchterten mich unglaublich ein, genauso wie schlechte Erfahrungen, die ich im jugendlichen Alter sammeln musste. Man mochte es mir nicht anmerken, doch ich hatte tatsächlich Angst davor, betrunken zu werden.

Und dennoch nahm ich alle paar Sekunden einen Schluck von meinem gelben Getränk und starrte ruhelos auf eine Pfütze Alkohol vor mir auf der Theke. Wegen ihr.

Ich wollte nicht aufsehen, und ich verstand es nicht. Ich verstand mich selbst nicht. Seit ich wieder in London angekommen war, sogar noch gestern, hätte ich mich in dieser Situation nicht mehr beherrschen können. Ich hätte nicht mal mehr genügend Kontrolle über mich selbst gehabt, um elegant aufzustehen und ein liebevolles Lächeln aufzusetzen. Ich wäre von meinem Barhocker aufgesprungen, hätte die vielen Locken, die mir die Sicht genommen hätten, ignoriert, und wäre zur Eingangstür gehetzt. Und heute, heute saß ich stumm und heimlich mit dem Rücken zum Leben in der Bar gewandt und hoffte, unentdeckt zu bleiben. Und dennoch konnte ich mich nicht dazu überwinden, einfach aufzustehen und zu verschwinden.

Mein Kopf stand kurz davor zu zerplatzen, so voll war er plötzlich. Voll von einzelnen Bildern aus Spanien, Sätzen, die nie auch nur annähernd meine Gefühle richtig ausdrücken könnten, und Fragen, die ich mir selbst niemals beantworten könnte.

„Ich brauche dich", „Ich liebe dich" und dann plötzlich dieses vollkommen unerwartete und zerschmetternde „Zoé, komm wieder zurück ins Bett."

Ich hätte mir Pilar, meine Pilar, beim besten Willen nicht mit einem anderen vorstellen können. Und genauso wenig hätte ich mir sie je in London vorstellen können, und dennoch stand sie nun etwas verloren inmitten meiner Lieblingsbar, schaute sich schüchtern um und sorgte somit dafür, dass ich innerlich durchdrehte.

Sie sah anders aus als noch vor einigen Wochen. Noch immer wie sie selbst, doch ihre Lippen wirkten bleich von der frischen, kühlen Luft und ihre Haare um einiges wilder als sonst, obwohl sie von einem Haargummi zusammengehalten wurden. Ihre Arme schlang sie unsicher um ihren kleinen Oberkörper, und ich hatte sie am liebsten von ihr gelöst und sie stattdessen um mich gespürt. Ich wollte sie so leidenschaftlich küssen, dass ihre Lippen nicht mehr weiß sondern pink waren und ihr verdammtes Haargummi zu Boden fiel, während ich ihren Kopf zwischen meinen Händen festhielt, um ihr zu vermitteln, dass ich sie nie wieder loslassen würde. Und dennoch hielt mich irgendetwas in mir davon ab. Vielleicht war es, dass ich sie verlassen hatte, oder das für uns nie eine gemeinsame Zukunft möglich sein würde, aber die größte Barrikade zwischen uns war wohl der mir unbekannte Mann vom Telefon, der es in ihr Bett geschafft hatte.

Ich nahm leise, langsame Schritte hinter mir wahr, exte daraufhin ohne groß einen Gedanken über die Folgen zu verschwenden den Inhalt meines noch gut gefüllten Glases und kniff die Augen zusammen, um den widerlichen Geschmack des Wodkas zu ignorieren.

Zoé Pilar Perez setzte sich neben mich an den Tresen, ließ nur einen Hocker zwischen uns frei, und obwohl ich sie nicht ansah, sondern weiterhin stumpf auf die kleine Pfütze vor mir starrte, spürte ich ihre Augen auf mir. Nur langsam schaffte ich es, meinen Blick von meinem sich im Alkohol spiegelnden Abbild zu lösen und in ihre Richtung zu wenden. Beinahe gleichzeitig wand sie sich erneut von mir ab.

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