Zoé Pilar Perez

Eine kurze Zeit später war ich längst nicht mehr so ruhig – im Gegenteil. Ich tigerte wie wild geworden durch den Park und ließ mich von meinen Gedanken quälen.

Ich hatte Harry im riesigen Barcelona, einer ihm fremden Stadt, ganz alleine gelassen und hatte keine Ahnung, ob er wieder zurück zu seiner Pension finden würde. Wenn ihm also etwas zustoßen würde oder er sich verlaufen würde, wäre ich Schuld.

Und das letzte was ich wollte war, dass Harr- jemandem etwas zustoß.

Nachdem ich also das Für und Wider abgewogen hatte, griff ich nach meinem Handy und wählte mal wieder Noemis Nummer, schließlich hatte ich Harrys Nummer nicht, aber Noemi war bei Alessandro und Harry lebte bei Alessandro.

Schon nach kurzer Zeit wurde mein Anruf angenommen:

„Hallo?“

Mir wäre fast das Handy aus der Hand gefallen, als ich bemerkte, dass das gewiss nicht Noemi am anderen Ende der Leitung war. Und dennoch fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen, als ich feststellte, dass sich die raue Stimme komplett unversehrt anhörte.

„Harry?“, hauchte ich irritiert, erhielt allerdings keine Antwort, doch die brauchte ich auch gar nicht. Es war offensichtlich, wer den Anruf angenommen hatte.

„Gehst du immer an fremde Handys? Wo ist Noemi?“

„Noemi ist in Alessandros Schlafzimmer – mit Alessandro.“, antwortete er mir mit monotoner Stimme ohne auf den ersten Teil meines Gesagten einzugehen.

Noemi und Alessandro!?

„Was läuft da zwischen Noemi und Alessandro?“, fragte ich alarmiert nach und hörte, wie sich Harry am anderen Ende der Leitung peinlich berührt räusperte.

„Nun ja, ich würde mal sagen, sie haben auf erwachsene Art und Weise ihren Spaß. So wie das bei den meisten Paaren halt ist.“

„Alessandro und Noemi sind kein Paar!“

„Bist du dir sicher?“

Ich antwortete nicht mehr, da mich das soeben Erfahrene ein wenig aus der Bahn geworfen hatte. Was lief da zwischen Alessandro und Noemi? Und war sie nicht vorhin noch betrunken gewesen?

„Wieso rufst du eigentlich an?“, fragte Harry irgendwann.

„Wieso gehst du eigentlich an ein Handy, das dir nicht gehört?“

„Weil Noemi es hier liegen gelassen hat und ihr Klingelton mich genervt hat.“, meinte Harry und ich verdrehte die Augen, da ich hundertprozentig wusste, dass meine beste Freundin ihr Handy immer  - wirklich immer  - auf stumm gestellt hatte.

„Wie auch immer, soll ich ihr irgendwas von dir ausrichten, sobald sie…fertig ist?“

„Nein.“, murmelte ich und hörte Harry leise seufzten.

Gott, wie wunderschön und nervend sich diesen Seufzen gleichzeitig anhörte.

„Also ist dieses Telefonat unnötig?“

Nein, du redest noch mit mir und ich bin gerade einfach nur glücklich.

„Ich wollte nur wissen, ob du wieder nach Hause gefunden hast.“, nuschelte ich und zeichnete mit meiner Schuhspitze kleine Kreise in den Sand zu meinen Füßen.

Harry lachte laut auf und sorgte somit dafür, dass ich verwirrt meine Augenbrauen zusammenzog und ihn fragte, was los sei, doch er antwortete nur:

„Natürlich finde ich wieder nach Hause. Ich bin 20, Zoé, und keine fünf.“

„Ich wollte nur sicher gehen, dass er dir gut geht.“, flüsterte ich, doch ab dann sagte niemand mehr etwas, bis Harry schließlich auflegte und ich mich enttäuscht auf eine Bank sinken ließ.

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