Zoé Pilar Perez

Ich fühlte mich angetrunken, bevor wir überhaupt auf der Party ankamen. Nick und ich hatten den Bus genommen und er hatte kurzerhand ein Trinkspiel für uns entwickelt: für jeden roten Doppeldeckerbus, der uns entgegenkam, einen Schluck aus seiner mysteriösen Flasche.

In meinem Magen plagte mich ein schlechtes Gefühl, welches ich jedoch stur versuchte zu ignorieren, wobei mir dieses nach all den Doppeldeckerbussen deutlich leichter fiel.

Die Party fand in einem Privathaus statt, welches bereits übervoll und gut beschallt war, als wir dort gegen zehn Uhr ankamen. Nach Eintrittsgeld fragte uns zu meiner Überraschung niemand, ein Handschlag von Nick und einige Flaschen reichten, um die Tür geöffnet zu bekommen.

Ich fiel auf. Und das ausnahmsweise nicht durch meinen riesigen Lockenkopf, sondern ganz alleine durch Nick, der scheinbar ziemlich bekannt und beliebt bei den anderen Gästen war - und von dem es offensichtlich niemand gewohnt war, dass er schon am Anfang des Abends ein Mädchen bei sich hatte.

Sein bester Kumpel, Jeremy, wurde mir auch sofort vorgestellt, und besorgte uns eine Runde Getränke.

„Und für die Maus aus Spanien einmal Sangria", grinste er mich an und überreichte mir den mit Alkohol gefüllten Becher.

„Sangria ist nicht spanisch, du Vollidiot", gab Nick zurück und zog belustigt die Augenbrauen in die Höhe, doch Jeremy lachte nur.

Ich war froh, dass ich bereits einen angenehmen Pegel hatte, da ich mich sonst vermutlich ziemlich fehl am Platz gefühlt hatte. Es war eng in der Wohnung und außer Nick kannte ich schließlich niemanden, dafür schienen mich aber umso mehr Leute kennenlernen zu wollen. Die Hälfte dieser schaffte es jedoch alleine mit ihrem Auftreten, abschreckend auf mich zu wirken, von daher klebte ich mich einfach an Nicks Fersen und sprach mit niemanden, der auch nicht die Aufmerksamkeit meines Mitbewohners bekam.

Dennoch schien das Glück nicht wirklich auf meiner Seite zu sein, denn nach einiger Zeit fand ich mich in einem Kreis einiger angetrunkener Engländer wieder, die unbedingt „Ich hab' noch nie" spielen wollte - eines der Trinkspiele, die ich alles andere als mochte.

„Ach' komm schon, Zoé, sei kein Spielverderber!", lallte Nick mir über den lauten Beat zu, als ich ganz unauffällig versuchte zu verschwinden, also seufzte ich nur und setzte mich zu der Runde, was die anderen mit begeistertem Grölen quittierten.

Nicks Freunden schien es zu gefallen, mal jemand Fremden auf ihrer Hausparty zu haben, denn sie schienen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, mich nicht mehr nüchtern gehen zu lassen. Stattdessen schafften sie es mit Fragen über beispielsweise Sex und Beziehungen mit Spaniern, dass immer mehr Alkohol meinen Rachen hinunterfloss, während die anderen über mich lachten und mir zuprosteten. Dank Harry konnte ich auch, als nach Details über Engländer gefragt wurde, keine Trinkpause einlegen, und ich ahnte bereits, dass alle anderen mich für einfach zu haben hielten, da ich bei so gut wie jedem Satz etwas trinken musste.

Doch eigentlich war mir generell alles ziemlich egal. Die laute Musik, das unkontrollierte Kreisen meiner Hüfte zum Beat, die benebelten Blicke der anderen und Nicks Arm, der sich immer enger um meine Taille legte. Ich wog die Folgen meiner Handlungen nicht mehr ab sondern genoss einfach die Aufmerksamkeit, welche mir sonst in letzter Zeit gefehlt hatte, und das befriedigende und bestärkende Gefühl von Alkohol in meinem Kopf.

Harry war wie aus meinem Kopf gelöscht. Er ging mir nicht einmal mehr durch den Kopf, als Nick und ich aufstanden, um zu tanzen, und er meinen Po dicht an sich presste. Und dennoch war ich überraschte, keine langen Locken zwischen meinen Fingerspitzen zu spüren, als ich über meine Schulter hinter mich griff und meine Hand an Nicks Hinterkopf schmiegte.

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