Chapter 83

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"Kannst du nicht einmal nicht an die Arbeit denken?" murmle ich kopfschüttelnd.
"Das weisst du" meint Mira nur.
"Also, als was arbeiten Sie denn?" fragt der Arzt.
"Ich bin im Musikmanagement tätig."
"Okay, ich hab jetzt keine Ahnung, was man da so alles macht. Auf jeden Fall müssten Sie sich körperlich noch zwei Wochen schonen."
"Es wurde jetzt eh erstmal allein den nächsten zweieinhalb Wochen alles abgesagt" werfe ich ein.
"Na dann, also die Schwester macht jetzt nochmal die Wundversorgung und wir sehen uns heute Abend nochmal."
Er verabschiedet sich noch freundlich, während die Schwester sich schon an Mira's Wunde setzt und erst nochmal säubert und ein neues Pflaster drauf klebt.
"So, dann hätten wir das auch schon wieder. Wenn Sie wollen, könnten Sie sich auch einen Rollstuhl ausleihen und draussen im Park einen Spaziergang machen."
"Ich hab Verletzungen am Oberkörper. Laufen kann ich."
"Okay, dann aber bitte aufpassen und ruhig machen."
"Ja, verstanden."
"Zum Mittag können Sie sich ja dann auch auf die Terrasse draussen setzen."
"Danke."
"Bis heute Abend dann."
"Ich geh mir dann erstmal was anderes anziehen. Das Zeug ist nicht nur lumpig und zu gross, es wurde bestimmt schon von zig anderen getragen."
"Geht's?" frage ich sofort, als Mira erstmal nochmal durchatmen muss, bevor sie richtig aufstehen kann.
"Ja, ich bekomm es hin. Ist nur noch etwas anstrengend."
Sie nimmt sich aus der Tasche ein paar Sachen und geht langsam ins Bad.

Widerwillig hat Max sich dann von Lena überreden lassen, dass sie wieder nach Hause fahren. Mira hat da natürlich auch zu beigetragen und ihrem Bruder mindestens zehntausend mal versichert, dass wirklich alles gut ist. Somit sind sie gestern nachmittag gefahren. Heute muss Mira noch einmal zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben und morgen fahren wir dann erstmal nach Hause. Heute kommt Amelie mit mir ins Krankenhaus.
Somit stehen wir dann also wieder pünktlich um kurz vor zehn im Krankenhaus.
Ich klopfe bei Mira an der Tür und bekommen ein lachendes "Herein!" zu hören.
Ich gehe also vor und sehe Mira auf ihrem Bett sitzen. Ihre Bettnachbarin sitzt auf ihrem Bett und sie sehen sich an.
"Hey" lacht sie.
Baoh, tut das gut, ihr Lachen zu hören.
Ich drücke Mira einen vorsichtigen Kuss auf die Lippen, bevor Amelie sie kurz vorsichtig umarmt.
"Es bleibt dabei. Ich kann morgen früh entlassen werden" grinst sie.
"Ja, du Glückliche. Ich muss noch eine Woche zur Beobachtung bleiben" meint ihre Zimmergenossin.
"Das wird schon. Dein Kopf sieht doch schon wieder ganz gut aus."
"Die Wunde ist hinten du Spassvogel."
"Sie stand mit dem Rücken zur Explosion und obwohl sie vor mir stand, hat sie weniger abbekommen."
"Dafür am Kopf, wollen wir tauschen?"
"Ne, lass mal. Ich hab Glück gehabt."
"Wie auch immer. Ich werd mich dann mal auf den Weg machen. Kopf nehmen die hier sehr ernst."
Damit steht sie langsam auf und setzt sich in einen Rollstuhl neben dem Bett. Kurz darauf kommt auch schon eine Schwester und holt sie ab.

Etwas hippellig stehe ich mit Amelie am Empfang. Während sie dann draussen beim Auto wartet, darf ich rein.
Mira muss noch einmal untersucht werden und dann darf ich sie mitnehmen.
"Ach Herr Weiss, Sie sind ja mal wieder überpünktlich" lacht mich der Arzt an "Wir schauen uns jetzt nochmal alles an, aber ich denke, es ist alles in Ordnung. Ihre Frau freut sich auch schon, endlich aus dem Krankenhaus rauszukommen, aber so geht es denke jedem."
Wir gehen zusammen in das Zimmer und ich begrüsse meine Freundin mir einem vorsichtigen Kuss.
"Also, wir beide schreiben und ich geh dann jetzt mal nach unten in die Cafeteria. Ich hab echt Hunger" kommt es von ihrer Zimmernachbarin.
"Wir hörn uns" lächelt Mira und dann ist sie auch schon wieder verschwunden.
"Also, wir schauen uns jetzt die Wunden nochmal an."
Mira zieht ihr Shirt hoch und der Arzt schaut es sich an. Danach soll sie selber nochmal alles versorgen. Das klappt alles prima und dann kann sie auch das Shirt wieder richtig anziehen.
"Das klappt ja alles gut. Sie gehen dann bei sich zuhause zur Nachversorgung. Wichtig ist jetzt eben, dass Sie sich jetzt eben die nächsten zwei Wochen noch schonen. Kein Sport und dann auch nur langsam wieder anfangen."
"Ja, hab ich verstanden."
"Dann kann ich Sie jetzt auch guten Gewissens entlassen. Vorne noch alle Papiere unterschreiben und dann eine gute Besserung."
"Danke."
Er gibt uns beiden nochmal die Hand, bevor er das Zimmer verlässt.
"Bekomm ich eigentlich auch endlich mal nen richtigen Kuss?" schmollt sie mich an und steht vom Bett auf.
Mira macht einen Schritt auf mich zu und kuschelt sich an mich ran. Vorsichtig lege ich meine Arme um ihren Körper und merke sofort, dass sie abgenommen haben muss.
"Bevor du irgendwas zu meinem Gewicht sagst, ernähr du dich mal ein paar Tage von dem Krankenhausfrass. Das schmeckt ekelhaft!"
"Ist okay" murmle ich.
Sie löst sich etwas von mir und sieht mich an.
Vorsichtig lege ich meine Lippen nochmal auf ihre.
"Bitte jag mir nie wieder so einen Schrecken ein" murmle ich.
"Mir geht es gut. Hast du doch gehört."
"Ja, aber ich habe auch die Hämatome und die Wunde gesehen."
"Die Narbe verheilt gut und die Hämatome auch."
"Woher sind die eigentlich?"
"Da war eine grosse Unruhe. Keiner hat Rücksicht genommen. Da hab ich eben den ein oder anderen Ellenbogen in die Rippen bekommen."
"Warum warst du überhaupt draussen?"
"Ich weiss es nicht mehr. Das ist aber normal, dass ich das verdrängt hab."
"Komm. Wir fahren jetzt erstmal nach Hause."
Ich schnappe mir ihre Tasche und greife ihre Hand.

Am Auto zieht Amelie Mira nochmal in eine vorsichtige Umarmung. Ich packe die Tasche in den Kofferraum und setze mich auf den Fahrersitzt. Mira setzt sich nach hinten und Amelie auf die Beifahrerseite.
Ich hoffe einfach, dass wir gut durchkommen.
Als wir dann gerade auf die Autobahn fahren, schaue ich einmal kurz nach Mira, welche aber eingeschlafen ist.
"Wie geht es dir?" fragt Amelie.
"Naja, sie muss sich jetzt schonen und kann dann langsam wieder mit Sport und so anfangen. Mal sehen, wie das jetzt wird. Ich werd mich um sie kümmern."
"Ich weiss, wie es ihr geht. Ich habe gefragt, wie es dir geht."
"Soweit ganz gut, denk ich."

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