48. Kapitel- Biss zum Sonnenuntergang

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Müde streckte ich die verkrampften Beine und genoss das befreiende Gefühl. Louis stand neben mir und starrte genauso fasziniert wie ich in den Sonnenuntergang in der Schlucht. Wir waren schon recht weit gekommen dafür, dass wir nicht sehr lange gefahren sind, doch es waren immerhin fast acht Stunden, die wir auf den Rädern verbracht hatten.

«Ich komme aus Nanina einfach nicht draus», erklang es von hinter uns und Harry stellte sich neben mich, legte mir locker einen Arm um die Schultern. Louis guckte ihn an, dann griff er nach meiner Hand und verschränkte unsere Finger. Waren das jetzt kleine Machtspielchen oder taten sie nur so?

«Ich denke, dass sie einfach total schüchtern ist», gab ich zurück und drehte leicht den Kopf, um zu Nanina sehen zu können, die etwas abseits von den anderen stand und das Gesicht der Sonne entgegenreckte, vollkommen den Moment zu geniessen schien und unauffällig von Michel beobachtet wurde. Ihre zierliche Brille sass weit oben auf ihrer Nase und ihr ganzes Gesicht war von Sommersprossen überzogen, was für viele ein Merkmal war, das Antischönheit ausdrückte. Nicht, wenn man mich fragte- ich fand Sommersprossen oft niedlich und hübsch, gar attraktiv. Und wenn sie lachte, was sie bisher nur in Michels Nähe getan hatte, strahlte ihr ganzes Gesicht und sie wirkte hundertmal schöner als zuvor. Ich seufzte leise und legte den Kopf an Harrys Schulter ab. «Was hast du denn?», fragte Louis leise und trat halb vor mich, sodass er mir direkt im Sichtfeld stand. «Nichts», grummelte ich und schob ihn zur Seite, damit ich wieder etwas sehen konnte. Er mochte es nicht, wenn ich andere Frauen beneidete, auch wenn es in meinen Augen gute Gründe hatte.

«Ist es wegen den Sommersprossen oder wegen dem roten Schimmer in ihrem Haar?», fragte Harry leise und ich hätte mich ohrfeigen können, dass es so offensichtlich war. «Nein», murrte ich nur und fügte an, als Louis mich ungläubig ansah: «Sie ist einfach hübsch, okay?»- «Na und? Du bist doch tausendmal hübscher», erklärte Louis und liess den Blick über mein Gesicht wandern, ehe er wieder an meinen Augen hängen blieb. «Ich mochte dieses Braun schon immer an Zayn, aber bei dir sieht's noch viel schöner aus.»- «Okay, ich geh dann mal, das wird mir zu schnulzig», sagte Harry und trat den Rückzug an.

«Du musst mir glauben, Phi. Du bist wunderschön und du kannst jeden hier fragen, der wird dir das bestätigen! Du könntest locker irgendwie Miss Schweiz werden, nur hast du dafür viel zu viel Grips und gibst dich nicht mit solchen Dingen ab. Verstehst du das?» Ich nickte mit grossen Augen und Louis strich mir sanft über die Wange. «Okay. Und wieso hast du jetzt Nanina so neidisch angestarrt?»- «Sie hat eine schöne Ausstrahlung», grummelte ich und wusste selbst, dass es ein bisschen lächerlich war. «Na und? Du hast eine viel bessere, coolere, schönere», protestierte Louis und brachte mich mit einem kleinen Kuss auf die Nasenspitze zum Kichern. Er grinste zufrieden und zog mich dann zu den anderen hin. Ich lief zu Nanina rüber und streckte die Hand aus. «Ich bin Saphira, aber du kannst mich auch Phi nennen.»- «Nanina», lächelte sie scheu und ich beschloss, sie ein bisschen aus ihrem Schneckenhaus zu locken. «Kommst du und hilfst mir beim Organisieren des Abendessens- sprich, Holz sammeln für ein Feuer?»- «Klar.»

Sie folgte mir in das kleine Gehölz, das hinter uns stand und wohl auch gerne ein bisschen mehr Feuchtigkeit gehabt hätte. Ich bückte mich und hob einen trockenen Ast auf, betrachtete ihn ausführlich und behielt ihn dann in der Hand. «Du bist schon wie lange mit Michel zusammen?», begann ich ein bisschen Small-Talk. «Zwei Monate», kam es nach einigem Zögern zurück. Keine Rückfrage. «Und woher kennt ihr euch?»- «Schule», murmelte sie und ich merkte, dass sie nicht gerne drüber redete. «Okay. Geh du mal da drüben hin, ich schaue hier», lächelte ich sie an und sie nickte folgsam. Ich seufzte leise und lief weiter in das Gestrüpp hinein, bückte mich ab und an und summte zufrieden eine Melodie, die mir schon länger nachlief, vor mich hin. Ab und an raschelte es und ich staunte über die Möglichkeit, dass doch Tiere hier leben konnten- ich meine, hier war eigentlich nichts ausser Trockenheit. Als ich eine Hand voll Äste hatte und es schon dunkel war, beschloss ich mich auf den Rückweg zu machen und drehte um. Immer schön meinen Spuren folgend - entweder in den Staub gegraben oder anhand abgebrochener Äste erkennbar- lief ich zurück. Auf einmal sah ich mitten im Weg einen Ast liegen, der mir vorhin entgangen sein muss, also bückte ich mich und wollte danach greifen, da schnellte er mir plötzlich entgegen. Ich war zu Tode erschrocken und schnellte schreiend zurück, doch die Schlange war schneller und geschickter als ich und hatte ihre Zähne bereits tief in meinen Oberschenkel gegraben, doch dann flüchtete sie hastig.

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