54. Kapitel- WO IST NOAM?!

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„Hier, ich habe euch etwas zu trinken geholt."

Ein Bodyguard reichte uns Saftflaschen und Louis kauerte sich wieder neben mich, half mir beim Trinken und schloss mich dann wieder in die Arme. Ich bebte immer wieder, weil ich psychisch am Ende war- und Zayn starrte nur ins Leere, wobei Liam und Niall sich um ihn kümmerten und ihm etwas Saft einflössten.

„Da", flüsterte Louis auf einmal und liess mich hochfahren. Harry und zwei Bodyguards kamen zurück, mit sich ein junger Mann in einem weissen Kittel. Er war kleiner als Harry, aber ebenso gut gebaut. Seine Augen waren riesig, während er uns entgegenstarrte, und ich stellte mich mithilfe von Louis auf die Beine. Kein Meter vor mir hielt er an und wir starrten uns an. Seine Augen funkelten genau wie es die von Zayn immer taten, goldbraun und herzlich waren sie. Sein Gesicht war fein geschnitzt und man sah, dass er südländisches Blut in sich trug.

„Saphira?", wisperte fast tonlos und streckte die Hand aus. Ich schluckte leer und tat es ihm nach. Unsere Handflächen schmiegten sich aneinander und mein Herz tat einen Satz, ehe ich plötzlich einen Schritt auf ihn zumachte und die Arme um ihn schlang. Sofort tat er es mir nach und ich spürte seinen kräftigen Herzschlag unter meiner Wange, seinen warmen Atem auf meinem Hals. Als hätten sich unsere Körper abgesprochen schlugen Herzen im selben Takt und ich schluchzte überwältigt auf. „Hey... schhh... ich bin da, ja?", flüsterte Noam mir zu und ich nickte, einmal, immer wieder. „Endlich hab ich dich", hauchte er und ich blickte zu ihm auf, sah, dass auch ihm Tränen in den Augen schimmerten. „Ich hab keine Ahnung gehabt, dass... dass du in England bist, ich... ich bin nur hier, weil meine Freundin hier ist und... ich von meinen... Eltern... wegwollte..."- „Ich bin froh, dass du hier bist", brachte ich heraus, nicht mehr.

„Phi?" Louis' Stimme liess mich aufhorchen. „Louis?"- „Es kommen Papparazzi. Entweder wir gehen hier weg, oder rein."- „Weg, kommt mit zu mir."

~

Eine halbe Stunde sassen wir zu siebt in einer kleinen Wohnung, die Noam sich mit seiner Freundin teilte, wie er uns erklärte. Ich war eben auf Toilette gewesen und starrte jetzt die Fotos an, die an der Wand hingen - überall strahlte Noam über beide Backen, sodass er einer Sonne Konkurrenz machte. Seine Familie war oft drauf, ich erkannte Michel und Dima, aber auch seine Mutter und unseren leiblichen Vater.

„Saphira?" Ich drehte mich um und erkannte Noam. Er stand in der Tür zum Wohnzimmer und musterte mich unsicher. „Alles okay?" Ich seufzte, dann nickte ich leicht. „Es ist nur... wir haben zwanzig Jahre unseres Lebens verpasst - zwanzig Jahre, die wir nie mehr aufholen werden. Und das nur, weil unsere Eltern... wie verstreut auch immer die gewesen sein mögen... ihre Probleme nicht besser zu lösen gewusst haben."- „Ich weiss", war alles, was Noam sagte, ehe er mich an der Hand nahm. „Komm mal."

Wenig später lagen wir in einer Hängematte auf dem Balkon nebeneinander und starrten in den grauen Himmel.

„Ich will dich kennenlernen, von vorne bis hinten", unterbrach Noam die Stille und stemmte den Ellbogen hinter sich ab, musterte mich intensiv. „Okay. Wo soll ich anfangen?"- „Wir wechseln ab. Ich habe zwei Halbbrüder, mit denen ich aufgewachsen bin. Du?"- „Ein Adoptivbruder und seit dem März kenne ich Zayn, einen weiteren Halbbruder, seine Schwestern lernte ich bald darauf kennen."- „Was arbeitest du?"

Wir fragten uns gegenseitig Löcher in den Bauch und taten nichts anderes, stundenlang. Ich erfuhr viel über ihn, bemerkte Parallelen zwischen uns und Unterschiede, die ich mir nur durchs Umfeld erklären konnte. Während ich darauf beharrte, dass Massentierhaltung verbogen gehörte, fand Noam das normal, doch er sagte, dass er sich meine Meinung anhören würde und er flexibel sei.

Wir lösten uns erst voneinander, als Zayn zu uns kam und mit einem kleinen Lächeln sagte, dass die Jungs jetzt zum Konzert müssten, und ob wir mitwollten. Ich schaute Noam an, der nickte. „Meine Freundin", wandte er dann aber ein. „Sie kommt bald nachhause und ich befürchte, sie kennt One Direction."- „Und sie hat nie gesehen, dass wir Ähnlichkeiten haben? Ich finde, das sieht man sofort", sagte ich und runzelte die Stirn. „Ehm... doch, das hat sie gesagt, doch das glaubt man ja nicht...", murmelte Noam verlegen und ich konnte nur den Kopf schütteln. „Du bist unmöglich." Er grinste leicht. „Ich bin dein Zwilling." Ich musste lächeln, als er dieses Wort sagte - es klang so schön. Zwilling.

Leaving (ZM/1D)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!