20. Kapitel - Ein Tommo an der UZH

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Montag, 20.04.15

Ich hatte die Bande gestern noch sicher zu Zayns Haus gebracht und Louis grinsend mitgeteilt, wann ich auf den Bus müsse- es war extrem früh und ich rechnete nicht damit, dass er kommen würde. Ruhig fütterte ich Nala und ass eine Banane zum Frühstück, dann packte ich meinen Rucksack und stopfte mir die Kopfhörer in die Tasche. Die Tür abgeschlossen und die Treppe runtergerannt, dann erreichte ich gleichzeitig mit dem Bus die Haltestelle. Keuchend stieg ich ein und wollte mich schon niederlassen, da lachte jemand neben mir: „Hallo sagen kein Thema?"

Erschrocken fuhr ich herum und erkannte Louis' blaue Augen, die vorwitzig unter einer Beanie hervorblitzten. „Louis! Scheisse, hast du mich erschreckt!", zischte ich ihn an und kletterte auf den Sitz neben ihn. „Hmpf. Ich bin noch müde, aber wenn ich müde bin, dann gibt's Phasen in denen ich hyperaktiv bin. Und ich glaube, das hab ich jetzt", verkündete er wenig später. Ich verdrehte grinsend die Augen. „Super. Hast du ein Ticket?"- „Jap. Auch wenn die kaum Englisch können."- „Ja, was erwartest du? Du könntest grad so gut Deutsch reden", zog ich ihn auf und er schnappte nach Luft. „Frech wirst du auch noch!"- „Ja, manchmal. Die anderen kommen nicht?"- „Nope. Und Mittags mach ich auch das mit den Autogrammen."- „Na gut. Und was erzähl ich Aline?"

Er hob eine Augenbraue. „Wer ist Aline?"- „Na, meine Freundin. Die, die so auf euch abfährt."- „Ach, die, die dir vorgezeigt hat, wie du uns verarschen musst?"

Ich musste lachen und dämpfte sofort die Lautstärke, als mich einige missbilligende Blicke trafen. „Genau. Naja, sie ist vor allem von Perrie und Co. Fan."- „Little Mix?"- „Ja, genau, so heissen die."

Louis nickte langsam: „Vier coole Mädels. Wirklich liebenswert."

Ich lächelte leicht und lehnte mich zurück, spielte mit dem Bändel meines Rucksacks, der zwischen meinen Beinen ruhte.

„Also, was muss ich wissen, bevor ich mich in eine Vorlesung stürze?"- „Es ist teilweise auf Deutsch... ja, manche Vorlesungen bei uns werden auf Englisch gehalten, weil ich bilingual studiere, aber eben nicht alles. Das ist auch das... Internationale hier. Zürich ist eine Universitätsstadt mit 20'000 Studenten auf 500'000 Einwohner. Das ist verdammt viel."- „Krass! Dann müsste London... eh... an die 300'000 Studenten haben. Und das hat es nicht, glaub ich."- „Keine Ahnung."- „Hm..."

In Wetzikon stiegen wir aus und ich zog Louis der Einfachheit halber am Ärmel hinter mir her, bis er stolperte und sich bei mir beschwerte: „Sag mal!"- „Sorry", schmunzelte ich und liess ihn los, aber wenige Sekunden später schon umschloss seine Hand meine und ich guckte ihn mit grossen Augen an. „Hey, schau nicht so, ich beisse nicht!", zog er mich auf und ich streckte ihm die Zunge raus, dann lief ich so mit ihm weiter. Im Zug lehnten wir uns in eine Ecke und er spielte auf seinem Handy rum, wobei ich sah, wie er immer wieder Bilder seiner Exfreundin anschaute.

„Lass das, Louis." Ertappt fuhr er hoch und blinzelte, dann seufzte er. „Ich... weiss, dass das nicht gut ist."

Ich schüttelte energisch den Kopf und nahm ihm das iPhone aus den Händen. „Das ist nicht nur nicht gut, sondern schlecht. Schau, wenn du sie loslässt, dann bist du offener, bereit für etwas Neues. Stell dir vor, du triffst heute deine Traumfrau und hast Bilder deiner Ex auf dem Handy."

Er blinzelte rasch in Folge, verzog das Gesicht und sackte dann zusammen. „Hast ja recht. Kannst du sie löschen?"- „Nein, das machst du schön selbst. Ich verstehe, dass du dich an die Zeit erinnern magst, und du musst auch nicht alle löschen, aber die Kussfotos zum Beispiel sicher."- „Okay."

Den Rest der Fahrt verbrachten wir damit, die Fotos zu diskutieren und ich musste mehrmals schlucken, als ich sah, wie sehr ihre Liebe gesprüht hatte. Ein leichtes Lächeln von ihr und ein stolzes Grinsen von ihm, das war oft zu sehen. Sowas hatte ich nie gehabt. Nie.

Leaving (ZM/1D)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!