42. Kapitel - Cafégespräche

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Drei Stunden später machten wir uns auf die Suche nach dem Café, dessen Adresse Sophia mir geschickt hatte. Irgendwann fanden wir es in einer total abgelegenen Gasse und Louis verzog das Gesicht, als er den Laden sah. „Das sieht ihr ähnlich- immer die perfekte Tarnung."- „Hey, das ist positiv, nicht negativ", stupste ich ihn an und stiess die Tür auf, lief in den gemütlichen Raum rein und hielt sofort Ausschau nach Sophia. Erst nach zwei Blicken erkannte ich sie- sie sass mit dem Rücken zur Tür weit hinten im Raum, eine einsame Tasse Tee vor sich. „Da ist sie. Ich frag sie, ob du auch kommen kannst, wenn nicht- ich ruf ich dann, wenn ich fertig bin", flüsterte ich und küsste ihn auf die Lippen, was uns beide zum Lächeln brachte. Sanft strich er mir mit den Fingern übers Gesicht und ich drehte mich abrupt um, lief zu Sophia rüber.

„Hi", begrüsste ich sie und schloss sie in die Arme. Sie sah überhaupt nicht gut aus- tiefe Augenringe und Stressflecken zierten ihr Gesicht. Zudem war ihr Pulli befleckt- Farbe?

„Hey, Phi", flüsterte sie und ich setzte mich gegenüber hin. „Louis ist hier- er würde gerne kommen, aber er versteht es, wenn du das nicht willst?", fragte ich zögernd und sich hob den Kopf, blickte leicht zu ihm und schüttelte dann den Kopf. „Nein... später."- „Okay."

Ich schüttelte deutlich den Kopf zu Louis hin und er nickte, dann verliess er das Café und ich sah, wie er sich eine Sonnenbrille auf die Nase schob und die Gasse wieder verliess.

„Was darf's sein?", fragte die Bedienung mich freundlich und ich bestellte mir einen Cappuccino. Dann erst wandte ich mich an Sophia, die mit den Fingernägel auf der Tischplatte herumkratzte.

„So, jetzt erzählst du mir alles. Von vorne", verlangte ich schonungslos. Sie seufzte, dann nickte sie ergeben.

„Ich liebe Liam. Über alles. und ich würde alles machen für ihn- und eben auch ihn verlassen, wenn es besser ist für ihn. Ich- fuck, Phi, ich fühle mich so schlecht!"

Ein Schluchzen entwich ihrer Kehle und ich verliess meinen Platz, rutschte auf den Stuhl neben sie, um sie umarmen zu können. Sie vergrub das Gesicht an meinem Hals und atmete betont ruhig, dann holte sie tief Luft.

„Ich war einmal allein aus, mit Freundinnen- mit Ellie. Wir hatten Spass und alles war lustig, bis einer der Männer anfing, mich anzumachen. Ich hab ihn klar zurückgewiesen, doch- er gab nicht auf und als ich dann alleine zur Bushaltestelle wollte, um dort aufs Taxi zu warten- ich..." Ihre Stimme brach und sie spielte mit den Händen. Ich hatte erschrocken die Luft angehalten, die ich jetzt ruckartig ausstiess.

„Was hat er getan, Soph?! Was?" Sie blickte mich mit Tränen in den Augen an. „Alles. Ich wollte das nicht, Phi! Ich hab mich so schmutzig gefühlt- ich konnte das Liam nicht mehr antun. Nein. und jetzt- jetzt..."

Sie schluchzte noch heftiger und ich konnte nicht anders als sie noch fester zu umarmen. „Schhht... es wird alles gut", sprach ich auf sie ein, doch Sophia konnte sich nicht beruhigen. Die Bedienung brachte meinen Cappuccino, dazu eine Packung Taschentücher und Waffelreste, die nicht gelungen waren, mit Nutella überzogen. „Danke", wisperte ich und sie nickte nur mit einem Lächeln, dann liess sie uns wieder alleine.

„Jetzt hab ich meine Tage nicht wieder gekriegt und ich hab solche Angst, Phi", brach es mit einem Rutsch aus ihr heraus und ich verschluckte mich an meinem Cappuccino. Ach du Schande.

„Könnte es nicht auch von Liam sein?", fragte ich zögernd und sie zuckte mit den Schultern, presste sich die Hand auf den Mund und schien dem Brechen nahe zu sein. Ich liess das so stehen und nahm sie wieder in die Arme, nur um sie noch fester zu umarmen.

„Wir gehen jetzt zum Arzt und untersuchen das, ja? Und dann zeigst du diesen Kerl an, verdammt, das darf man ja nicht so stehen lassen!"- „Ich- will nicht so raus", weinte Sophia und ich verstand sie. Deshalb holte ich das Handy aus der Handtasche und rief Louis an, während ich meinen Cappuccino trank und Sophia mit dem Tee half. Jep, Multitasking.

Leaving (ZM/1D)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!