34. Kapitel- Doncaster

611 35 10

Nach einem ausgiebigen Frühstück stellten wir uns zu zweit in die Küche und ich versorgte alles, während Louis mit viel Geschepper all das Geschirr in die Maschine stopfte. Auf einmal hielt er inne und fragte verdutzt: „Muss man bei euch die Milchflaschen auch waschen?"

Ich riss die Augen auf und wandte mich der Maschine zu. Dort stand tatsächlich eine Milchflasche, noch mit Milch, drin! „Nein! Sicher nicht, Louis! Denk mal nach", schalt ich ihn und gab ihm eine sanfte Kopfnuss, bevor ich die Milch wieder rausnahm und in den Kühlschrank stellte.

„Ich bin froh, dass Harry sich um die Küche kümmert", seufzte Louis und lehnte sich an das Tresen, beobachtete mich, wie ich die letzten Griffe allein erledigte.

„Ihr wohnt zusammen?", fragte ich überrascht und schloss die Schublade.

„Ja, immer noch- seit fünf Jahren", schmunzelte Louis und schloss die Arme um mich, atmete zufrieden ein. Ich schloss die Augen und schmiegte mich an ihn- gerade war ich wunschlos glücklich. Hier gehörte ich hin.

„Und das wurde euch nie verboten?"- „Nein. Nur, dass wir zu fünft wohnen, das wollten sie nicht und inzwischen wissen wir, dass es gut so ist. Ich meine; wir hocken so oft aufeinander, da kann es gut tun, mal allein zu sein. Und Harry ist eine Ausnahme... wir sind beste Freunde und dank der Larry-Geschichte können wir uns auf der Bühne und sonst unterwegsnicht normal verhalten, deshalb das Haus."

Klang einleuchtend.

„Und Eleanor? Nie Probleme mit Harry als Nudist gehabt?"- „Oh doch. Und obwohl er indirekt Schuld war, dass wir uns kennenlernten, mochte er sie nie wirklich. Ich weiss nicht, woran es lag, sie konnten zusammen lachen, dann aber schäumte er wieder vor Wut über sie", schilderte Louis mir gedankenverloren die Geschichten von alten Zeiten und ich lauschte seinem hüpfenden Herz. Es pochte ziemlich schnell, aber kräftig. Das teilte ich Louis mit und er lachte rau auf. „Wundert dich das, wenn ich ein wunderschönes Mädchen in den Armen halten darf?"

Oh. Ich wurde rot bis in die Haarwurzeln und vergrub als Antwort die Nase an seiner Schulter, was ein Fehler war. Er roch zu gut und ich kam nicht mehr von ihm los. War aber auch nicht nötig, denn er hob mich hoch und trug mich sanft zur Couch rüber, wo er sich niederliess und mich auf seine Knie zog.

„Eigentlich sollten wir zu den anderen, aber ich hab keine Lust", sprach er genüsslich und ich konnte nicht anders als den Kopf zu heben und in seine wunderschönen Augen zu starren. Er sah mich unverwandt an und ich hätte Ewigkeiten so bleiben können, doch Louis hatte etwas anderes vor und beugte sich abrupt vor, drückte mir einen Kuss auf die Lippen. Doch es blieb nicht bei einem, sondern wurden mehrere, unendlich viele. Wie ein warmer Schauer nach einem heissen Sommertag hauchte er mir Küsse auf den Hals, suchte sich seinen Weg. Ich konnte nicht sagen, dass es mir nicht gefiel, im Gegenteil. Leicht legte ich meinen Kopf schräg und liess ihm somit besseren Zutritt, was ihm zu gefallen schien, denn er brummte zufrieden.

Gestört wurde unser Frieden von einem lauten Klingelton- ein Kinderlied quälte uns durch die Lautsprecher von Louis' Handy. Er löste sich von mir und ich erhob mich, damit er das Handy aus der Hosentasche ziehen konnte. Er blickte auf das Display und begann, breit zu grinsen, dann schob er rasch den grünen Hörer zur Seite und hob das Telefon ans Ohr.

„Louis hier?" Ich wollte ihn schon alleine lassen, da krachte etwas laut und ich fuhr erschrocken herum. Louis war kreidebleich und hatte die kitschige Vase vom Fernsehtisch zertrümmert, die jetzt auf dem Boden lag. Zum Glück waren nur künstliche Blumen drin gewesen, sonst würde sich jetzt überall Wasser den Weg über den Boden suchen.

„... ja klar. Sofort, versteht sich. Danke, Doktor. Ich beeile mich. Bitte, tun Sie alles für sie! Ja! Verdammt, ich zahle Ihnen alles! Auch das! Geht klar."

Leaving (ZM/1D)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!