7. Kapitel- Umerziehung

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Nach einem kurzen Schock mit Klopfpause pumpte mein Herz in doppeltem Tempo weiter. „Ja, vielleicht sollten wir das", flüsterte ich und schob meinen Teller ebenfalls weg.

„Wir... ich denke, dir ist es auch aufgefallen", fing Zayn an und schaute mich ernst im Halbdunkeln an. Langsam nickte ich. „Unsere Geschichten ergänzen sich grausam gut." Ein kalter Schauder lief mir der Rücken runter und ich zuckte unwillkürlich zusammen.

„Ausserdem gleichen wir uns ein bisschen, wenn man genauer hinschaut. Auch Perrie hat es gesagt. Ich bin zwar in einem anderen Stadtteil von Bradford als Allerton aufgewachsen, doch wir hatten früher dort gewohnt, das weiss ich, das haben uns unsere Eltern immer erzählt."

Langsam nickte ich. Etwas fehlte noch, um die Geschichte zu perfektionieren. Uns war etwas Wichtiges entglitten, ich spürte es. Manchmal war die Lösung zum Greifen nahe, doch sofort entglitt sie mir wieder.

„Wir könnten im Krankenhaus einen DNA-Test machen lassen", schlug ich zögernd und krächzender Stimme vor. Zayn wiegte mit dem Kopf. „Zuallererst rede ich mit meinen Eltern, und das will ich nicht übers Telefon machen. Aber ich möchte, dass du mitkommst. Ich will sie ausquetschen, direkt ihnen gegenüber. Irgendetwas stimmt nicht an dieser Geschichte. Ich meine, wenn es stimmt. Dann... warum haben wir ungefähr gleichzeitig davon erfahren? War das geplant? Oder sind wir in einer schlechten Soap und werden heimlich gefilmt?"

In mir stieg ein hysterisches Lachen auf, das ich kaum unterdrücken konnte. „Das klingt alles so unwirklich!" Einige Lacher durchzuckten mich, eine Träne rann mir aus dem Augenwinkel. Zayn wirkte etwas hilflos, als er mich so sah, doch ich hatte schon immer Probleme mit der Ernsthaftigkeit gehabt.

„Sorry", gab ich schuldbewusst von mir, als ich mich wieder beruhigt hatte. Zayn nickte nur still und reichte mir die Wasserflasche, aus der ich einige Schlucke trank.

„Vielleicht sollten wir auch mal mit meinen Eltern reden."- „Nein, du solltest das tun. Ich habe nichts mit ihnen zu tun und ehrlich gesagt, will ich das auch nicht. Sorry."

Ich senkte den Blick und nickte. Ich verstand ihn ja, ich verstand ihn nur zu gut- manchmal wünschte ich, ich könnte mein Leben gegen ein anderes tauschen und dort weiterleben, ohne grosse Probleme. Doch wahrscheinlich hatte niemand ein Leben ohne diese Dinger mit dem Anfangsbuchstaben P, P wie Po, Pups oder eben auch Problem. Tja, viele schöne Dinge gab's nicht mit diesem Buchstaben am Anfang... ausser Perrie vielleicht.

„Also... nächste Woche muss ich dieses Referat mit Elia machen. Wann willst du denn nach Bradford zu deinen Eltern fliegen?"- „Ich weiss es nicht, ich denke, nächstes Wochenende? Wenn es für dich passt."- „Schon!" Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich ihn an. Leichter Schalk stand in seinem Gesicht, als er mir erklärte: „Ich kann uns einen Privatjet organisieren, der auf einem Flugplatz fliegen wird und nicht am Flughafen. Du kannst so viel Gepäck mitnehmen, wie du willst, dann werden wir uns mit meinen Eltern treffen. Okay?"- „Oh... okay", stotterte ich und versuchte, meine Gedanken ein bisschen zu fassen. Mit einem Privatjet mal einfach übers Wochenende nach England fliegen! Krass!

„Ich glaube, wir sollten schlafen gehen. Willst du im Gästezimmer oder bei mir?"- „Ähm..."- „Ich frage Perrie, ob es okay ist für sie. Na komm."

Er zog mich auf die Beine, dann brachte er das Geschirr in die Küche und stellte es in den Geschirrspüler, warf den an und brachte mich dann ins Bad, wo er mir wieder die gleiche Zahnbürste gab wie das letzte Mal- eine mit einem blauen Pinguin drauf, keine Ahnung, warum der solche Teiler hatte, aber schlussendlich kam es aufs selbe hinaus, ob man jetzt mit einer Prinzessinnen- oder einer Pinguinzahnbürste die Beisserchen schrubbt. „Warte mal... Perrie meint, es sei ihr recht, dass du bei mir pennst... darf... darf ich ihr von unserem Verdacht erzählen?"- „Ja, ich würde gerne eine weitere Meinung dazu hören", erklärte ich und nahm die Jogginghose und das Shirt entgegen, was Zayn mir reichte. Dann drehte er mir den Rücken zu und ich zog mich in Rekordgeschwindigkeit um. Draussen heulte inzwischen der Sturm noch lauter, zerrte an den Dachziegeln und verwuschelte die Büsche draussen im Garten.

Leaving (ZM/1D)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!