14. Kapitel- Jakobsweg

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Ich lockte sie immer mehr durch die engen Gassen des Dorfes durch, bis hin zur Kreuzung, an der Rea schon auf uns wartete. Sie reichte mir ein Aspirin auf die Hand, eine Flasche Wasser und nahm mir die Schultasche ab. „Bitte, pass auf dich auf."- „Ja, klar. Ich hab ihnen gesagt, dass du mir nicht geglaubt hast und deshalb hergekommen bist."- „Okay."

Und jetzt kam das, was so typisch war.

„Hi, ich bin Rea und ihr seid also die Typen, die meine beste Freundin ansabbert?"

Ich schlug ihr auf den Arm und zischte: „Übertreib es nicht, okay?"- „Hm. Wartet, ich kann eure Namen. Harry, Leim, Niall und Louis."

Das S am Schluss des Namens betonte sie extra stark. „Fast", lachte Niall. „Liam und Louis mit stummem S."- „Oh. Ups. Eyh, Zwerg, ich muss zurück, dein Bruder ruft."- „Ja klar, richte ihm meine Grüsse aus."- „Ciaooo!"

Rea winkte noch kurz, dann sprang sie mit meiner Schultasche ins Auto, was dort parkiert gewesen ist.

„Eh... ja, okay?"- „Hm... wartet kurz."

Ich warf das Aspirin ein und spülte es runter, dann schob ich die Flasche auf die Seite des Rucksacks.

„Was ist mit deinem Bruder? Sind sie zusammen?"

Da dies die einfachste Variante wäre, sagte ich einfach ja. „Und das macht dir nichts aus? Ich würde das nicht mögen, wenn meine Schwester mit Niall oder Louis zusammen wäre!"

Beinahe hätte ich etwas gesagt wie ‚Bei Liam nicht?', doch ich wusste ja eigentlich, dass er eine Freundin hatte, deshalb nickte ich nur langsam.

„Okay, wo wollt ihr noch hin?"- „Sag mal, wie heisst du nochmals?", fragte Louis und kniff die Augen zusammen. Ich biss mir auf die Zunge, dann antwortete ich: „Saphira."

Jetzt riss Louis die Augen auf, machte einen Satz nach vorne und wollte nach mir greifen, da flutschte ich ihm zwischen den Händen durch und drehte mich um, rannte sofort los und verliess mich auf meine Ortskenntnis- Toni hatte hier gewohnt und mich oft mit nach draussen genommen.

Links, rechts, links, dann zum Bahnhof und in den nächsten Zug, der gerade an der Nase der Jungs vorbei fuhr. Doch- es fuhren auch Busse und der nächste Zug liess nicht lange auf sich warten. Mein Ziel jedoch war, die Jungs in die Irre zu führen und um den Zürichsee zu jagen, damit Zayn sich, falls er das wollte, verstecken oder verschwinden könnte. Noch auf der Zugtoilette schlang ich mir das Tuch um den Kopf- damit wäre ich für Fremde leichter zu beschreiben, damit mir die Jungs auch brav nachlaufen würden.

In Rapperswil-Jona am Zürichsee stieg ich aus und lief dem See entlang bis zum Zoo, wo ich mir ein Ticket kaufte und durch den Park schlenderte. Jedoch sah ich die vier ziemlich bald wieder, da ich doch auffiel- ich trug total abnormale Klamotten für eine Muslima, doch trotzdem das Kopftuch. Als ich sah, wie Liam und Harry mich erblickten, sprang ich auf eins der Pferde, die gerade herumstanden, und dankte Rea dafür, dass sie mich früher in ihre Reitstunden mitgeschleppt hatte, die mir jetzt zugutekamen. Ich konnte das Tier durch die Menge lenken und sprang schliesslich mit zitternden Beinen wieder ab, drückte die Zügel einem Mitarbeiter in die Hand und erklärte entschuldigend: „Sorry, war ne Wette mit den Typen da hinten, sie zahlen den Schaden."

Dann rannte ich weiter und verkroch mich im Schilf, das mir die Haut zerkratzte. Autsch. Doch von hier aus konnte ich sehen, wie die vier mit dem Angestellten diskutierten und schliesslich widerwillig ihm etwas in die Hand drückten, das wie Geld aussah- hehe. Doch dann kamen sie genau in meine Richtung und ich hielt den Atem an, während sie an mir vorbeiliefen, dann kroch ich vorsichtig heraus und rannte wieder in die entgegengesetzte Richtung. „Da ist sie! Das verflixte Mädchen!"

Leaving (ZM/1D)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!