6. Kapitel- Let's Talk

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„Zayn?"

Ich erkannte Liam erst auf den zweiten Blick, er sah müde aus mit den tiefen Augenringen und den ungestylten Haaren. „Hi, Liam", gab Zayn kleinlaut von sich. Liam atmete einmal tief durch, dann wackelte das Bild und er schien sich niederzulassen. „Ich hoffe, du rufst an, um dich zu erklären?"- „Naja... unter anderem." Liam nickte kurz, seine braunen Augen durchbohren mich förmlich- obwohl er mich gar nicht sehen konnte. Ich hatte einfach so das Gefühl. „Ich hole die anderen dazu. Warte kurz."

Er schrie laut: „Harry! Ruf Louis und Niall, wir haben etwas Wichtiges zu tun. Und nein, Niall kann nicht noch rasch seiner Mutter anrufen, die kann kurz warten."

Ich hörte im Hintergrund jemanden schwatzen, dann tauchte der Lockenkopf mit einem kleinen Dutt am Hinterkopf auf der Bildfläche auf. Er erstarrte, als er Zayn erkannte, und liess sich dann stumm neben Liam sinken. „Hi, Haz", Zayn lächelte versucht und winkte kurz zu Harry, der jedoch starrte nur. Seine grünen Augen leuchteten und auf einmal verstand ich, was die Fans so sehr sahen- normale Jungs, nicht abgehoben, mit Problemen, und doch lebten sie einen Traum aus. „Wer ist da?"- „Kommt her... Niall, leg das Handy weg."

Jemand quetschte sich auf das Bild, indem er sich auf Liams Schoss setzte- ich erkannte den Blondschopf. „ZAYN!", schrie er erfreut auf und winkte heftig. Wenigstens jemand, der sich wirklich freute... sonst wäre es wirklich hart geworden für Zayn. „Hi, Nialler... hi, Louis." Auch der letzte im Bunde war aufgetaucht und quetschte sich neben Harry ins Bild. „Zayn", kühl nickte er ihm zu, doch in seinen Augen sah ich die Wut pochen.

„Ich wollte... wie geht's euch?"- „Na super geht's uns, das siehst du doch!" Louis verwarf die Hände, dann stemmte er die Fäuste in die Seite. „Beschissen! Du hast die Karre in die Scheisse gestossen und wir ziehen sie langsam wieder raus! Du kannst dir gar nicht vorstellen, was du mit deinem Verlassen hier angerichtet hast! Du..."- „Lou", mahnte Harry leise. Es war das erste, was ich von ihm hörte- aber es nützte, Louis verstummte und beschränkte sich darauf, böse in die Kamera zu funkeln. Zayn dagegen schien um Worte zu ringen, also tastete ich nach seiner Hand und drückte sie sanft. Kurz schaute er zu mir rüber und ich nickte ihm auffordernd und aufmunternd zu- er soll jetzt ja nicht kneifen, sonst wäre er noch mehr unten durch bei den andern.

„Ich kann versuchen, euch zu erklären, warum... ich diese Entscheidungen getroffen habe." Zayn stockte, dann atmete er tief durch. „Ich habe grosse familiäre Probleme seit einem dreiviertel Jahr etwa. Ich wollte euch nicht belasten, deshalb hab ich euch nie etwas gesagt. Ich will jetzt nicht ausführen, was es genauer ist, aber es ist hart. Meine Eltern haben mir mein Leben lang etwas vorenthalten, Waliyha und Safaa wissen immer noch nichts davon. Und naja... dem Management... hat's nicht gepasst und sie wollten mich zwingen, Dinge zu tun... sie dachten, ich sei Alkohol- oder Drogenabhängig, wollten mich in den kalten Entzug schicken, oder auch dass ich mich von Perrie trenne, weil sie mich ablenkt... dabei war sie mein grösster Anker in der Zeit. Ihr habt mir auch geholfen, doch ihr lebt auch euer eigenes Leben. Ihr sollt nicht belastet werden, wenn ich Probleme habe, und deshalb..."

Zayn brach ab, doch das war genau falsch. Louis rastete vollkommen aus, während Nialls Augen verdächtig schimmerten.

„Das kannst du auch nur so erfinden! Weisst du, wie oft ich Probleme mit der Familie hatte? Nein! Deine Eltern sind nicht geschieden, du hast nicht Halbgeschwister von drei verschiedenen Paaren! Oder wenn Lottie Liebeskummer hatte und deshalb einfach mal kurz nach London zu mir reiste, weil ich offenbar der einzige sei, der sie versteht! Oder... oh, hm... wessen Freundin hat vor kurzem erst Schluss gemacht, mit der Erklärung, man habe sich verändert? Genau, das war meine. Eleanor. Ich hab sie über alles geliebt, doch offenbar war das nicht genug. Und du und Perrie? Ihr seid so schaurig glücklich! So verliebt! Das nennst du Probleme? Du hast doch nur Probleme, auszusuchen, in welchem Club du dich am Abend besaufen willst!"

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