8. Kapitel- Ruhe vor dem Sturm

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Donnerstag, 02.04.15

Am nächsten Morgen wurde ich unsanft aus dem Bett geschossen- von meinem Bruder.

„HEY! Was soll das?!", fuhr ich ihn an. Er setzte sich zu meinen Füssen hin. „Tut mir leid, dass ich dich erschrecke, dein Freund hat mich reingelassen. Er sitzt übrigens im Wohnzimmer."- „Zayn? Er ist nur ein Freund", erklärte ich mit rauer Stimme und rappelte mich langsam auf. Lumians dunkle Augen durchbohrten mich förmlich. „Was gibt's denn, dass du erst jetzt auftauchst und nicht wie ausgemacht gestern?"

Er seufzte auf und hievte sich auf das Bett. „Meine Eltern... haben mir das Handy abgezockt und dann meine Autoschlüssel. Sorry."- „Waas? Warum das? Das haben sie noch nie gemacht!"- „Nein. Bei dir haben sie es nie gemacht, ich hab's dir auch nie erzählt. Das kam sicher schon fünfmal vor."

Betroffen schwieg ich- ich hatte keine Ahnung gehabt, dass ich so stark bevorzugt worden war. „Was war denn ihre Begründung?"- „Naja, ich kam gestern zu spät heim. Aber egal. Ich wollte mich bei dir entschuldigen. Ich habe dich wirklich falsch behandelt. Natürlich würde ich gerne dein Bruder bleiben. Ich habe viel darüber nachgedacht... eigentlich liebe ich dich wirklich viel zu sehr, als dass ich dich gehen lassen könnte. Gibt's du mir noch eine Chance?"

Ich schaute ihn eindringlich an. Er schaute mich treuherzig aus Hundeaugen an- und das war eine miese Masche. Er wusste genau, dass ich ihm so nicht widerstehen konnte.

„Na gut... aber bitte, versau sie nicht."- „Werde ich nicht. Schwesterherz." Er umarmte mich und ich konnte nicht anders, als seinen vertrauten Geruch einzuziehen und zu geniessen.

„Ich will ja nicht stören, aber Saphira, du hast erstens verschlafen und zweitens müsstest du in zwei Minuten auf dem Bus sein."- „Fuuuhuuck! Warte, woher weisst du das?"- „Du hast einen genauen Plan mit deinen Abfahrtszeiten und deinen Vorlesungen in der Küche hängen. Auch wenn ich kein Deutsch kann, das versteh ich grade noch."

Zayn klang vergnügt, während er mir das erzählte. Er hatte mal wieder eine Tasse in den Händen, sah einigermassen ausgeschlafen aus und trug Sportklamotten. Also war er rennen gewesen, schloss ich daraus.

„Wisst ihr was? Ihr könntet beide mit mir in die Bude kommen. Wir pflanzen heute abseits vom Schuss in einem Park neu. Also... wenn ihr wollt", bot mein Bruder auf einmal an. Ich zögerte. Eigentlich würde ich gerne mal wieder die Mitarbeiter meines Bruders treffen, sie waren immer locker drauf und scherzten gerne während der Arbeit. Das einzige Schlechte war, dass es eine reine Männergesellschaft war. Nicht, dass sie keine Frauen aufnehmen würden, nein, es ist nur so, dass es vielen dort nicht gefiel. Manchmal konnte ich es verstehen, aber eigentlich hatte ich selbst kaum Probleme damit.

„Bude?", hakte Zayn nach. Zum ersten Mal schaute Lumian ihn wirklich an. „Ja, Bude... dort, wo ich arbeite."- „Ach so."

Zayn schaute mich fragend an, er wusste ja gar nichts drüber. „Er arbeitet als Gärtner... von mir aus gerne", nickte ich. Sofort strahlte Lumian übers ganze Gesicht. „Ihr könnt Klamotten von uns haben. Wollt ihr noch frühstücken? In einer halben Stunde müssen wir los."

Wenig später sassen wir zu dritt an meinem kleinen Tisch, assen Müesli und tranken Kaffee.

„Woher kommst du eigentlich?"

So hatte Lumians Fragerunde an Zayn begonnen. Der schaute etwas unsicher zu mir, doch ich schüttelte leicht den Kopf. Ich wollte ihm noch nichts von unseren Verdachten erzählen. „Ich wohne eigentlich in London und mache gerade unbezahlte Ferien."- „Ach so... was arbeitest du denn?"- „Zayn, du musst nicht..."- „Ist gut, Saphira. Ich bin Musiker", erklärte Zayn meinem Bruder und rührte in seinen Flocken rum. Erstaunt blickte Lumian ihn an, dann blickte er zu mir rüber. „Echt?"- „Ja, klar. Er konnte auch davon leben, weisst du. Er will unerkannt bleiben, deshalb sollten wir nicht durch die Öffentlichkeit rennen."- „Hm, okay. Und woher kennt ihr euch? Und seit wann?"- „Erst eine Woche. Ich war Schuld, dass sie den Bus verpasst hatte", erklärte Zayn leise und ich musste schmunzeln, als ich daran zurückdachte.

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