1. Kapitel- Turbulenzen am Morgen

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Freitag, 27.03.15

Ich zerrte mir hastig noch einen Loop von der Garderobe, dann war ich auch schon aus der Haustür raus und hatte sie hinter mir abgeschlossen. Draussen war es mal wieder ein mittelmässig schöner Tag, immerhin schien die Sonne schon- aber der Himmel stand voller Wolken. Schade eigentlich. Ich schauderte und zog meine Jacke mehr zu, während ich zur Bushaltestelle eilte. Oh verdammt, hatte ich meine Kopfhörer eingepackt? Ich würde den Tag nicht überleben ohne! Rasch durchsuchte ich meine Tasche und achtete dabei nicht darauf, wo ich hinging- ich vertraute darauf, dass ich den Weg auswendig wusste.

Nach einigem Gerumpel fand ich sie dann und zog sie heraus. Besser gesagt- ich wollte sie herausziehen, als ich geschupft wurde und über einen Rest Schnee fiel. Laut begann ich zu fluchen. „Verdammt, was ist denn das?"

„I'm sorry", hörte ich eine leise Männerstimme hinter mir sagen und wurde auf die Beine gehoben. Überrascht drehte ich mich um und stand einem schlanken, etwas grösseren Mann als ich gegenüber. Er hatte sich seine Kapuze über den Kopf gezogen, sodass man nichts von seinem Gesicht sah. Ziemlich erstaunt erwiderte ich auf Englisch: „Schon okay. Ich habe nicht aufgepasst." Sofort schüttelte mein Gegenüber den Kopf und sagte: „Ich auch nicht. Tut mir wirklich leid!" Ich lächelte ihn an und wandte mich dann wieder in Richtung Bushaltestelle- nur um zu merken, dass der Bus gerade an uns vorbeibrauste. Verdammt!

„Ach du scheisse", stöhnte ich auf Deutsch und winkte dem Busfahrer, der aber ignorierte mich- wie immer. Ausgerechnet heute, wo wir erfahren sollten, wer welches Thema für die Arbeit haben wird!

„Hast du jetzt den Bus verpasst?"

Ich schrak zusammen, als ich diese Stimme neben mir hörte. Ich hatte gar nicht bemerkt gehabt, dass der junge Mann immer noch neben mir stand. Er sog an seiner Zigarette und betrachtete mich ruhig. Ich richtete mich auf und antwortete: „Ja, aber eigentlich passiert mir das laufend. Nur, heute wäre es besonders wichtig gewesen, pünktlich zu sein..." Gegen den Schluss wurde ich immer leiser und sprach nur noch mit mir selber.

„Wohin musst du denn so dringend?", mein Gegenüber wirkte wirklich interessiert. „Ich meine- ich habe dich daran gehindert, rechtzeitig zum Bus zu kommen, also könnte ich dich als Entschuldigung irgendwohin chauffieren?" Ich musste lächeln- er war mir sympathisch, aber ich wusste noch nicht mal, wie er hiess und was er als Engländer hier in einem kleinen Dorf im Kanton Zürich wollte.

„Ich muss zur Uni, dort werden heute die Themen für eine Arbeit verteilt- und ehrlich gesagt habe ich keine Lust, ellenlange Texte über das regnerische Wetter in Nordengland zu lesen", erwiderte ich. Der Typ lachte rau auf und drückte seine Zigarette aus. „Wo ist die Uni?", fragte er und fasste mich am Arm. „In Zürich, das ist aber n gutes Stück von hier!", warnte ich ihn. „Und ausserdem- wer hat gesagt, dass ich mit dir mitfahren will? Ich kenne nicht mal deinen Namen!"

Abrupt hielt er inne und drehte sich zu mir um. Dabei rutschte seine Kapuze ein Stück runter und ich erhaschte einen Blick auf goldbraune Augen, die tiefe Ringe rundum hatten. Oha, dem geht's wohl nicht so gut; vielleicht war er jung Vater geworden oder hatte eine stressige Trennung hinter sich. Was auch immer.

„Ich heisse Zayn", kam es dann nach einigen Sekunden Starren. Ich nickte lächelnd. „Ich bin Saphira." Ein belustigtes Grinsen blitzte über sein Gesicht- jaja, ich weiss, nicht so häufig, aber meine Eltern mussten es halt speziell gemocht haben. Meine Eltern- das ist so oder so ein Thema für sich, aber dazu später mehr.

„Komm, du lotst mich und erzählst mir irgendetwas- und dafür fahre ich dich!", meinte Zayn entschlossen und nahm mich am Arm. Er zerrte mich förmlich hinter sich her zu seinem Auto.

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