47. Kapitel- Besuch von Michel und Dima

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Schweigend sass ich neben Liam auf einem Dach, auch wenn ich höllische Angst hatte. Nach meinem Ausruf war er ohne zu warten aus dem Geschäft gestürmt, woraufhin ich eine der Angestellten anwies, die Dinge gegen einen Aufpreis für uns zurückzulegen, und ihm folgte. Gefunden hatte ich ihn, weil er mir ein Steinchen auf den Kopf geworfen hatte.

„Wieso hat sie nicht mit mir geredet? Mir die Wahrheit erzählt?", sprach Liam auf einmal mit rauer Stimme und ich sah, wie er sich über die Augen wischte. Ja, warum nicht. Das war vermutlich eine Sache, die ich ganz gut nachvollziehen konnte, aber ob das bei ihm genauso stehen würde, das zweifelte ich. Louis hatte es auch nicht recht verstanden. Klar war das nicht dasselbe, aber verstehen kann man etwas schon als Aussenstehender. Zumindest normalerweise.

„Sie hatte sich totale Vorwürfe gemacht und- nein, das sollte sie dir erzählen. Wirklich, ich und Louis haben genug Vermittler gespielt, jetzt sollt ihr das selber schaffen."

Liam seufzte nur, dann holte er tief Luft und guckte mich an. Hinter ihm ging die Sonne gerade unter und ich hoffte, dass wir noch bei Licht hier runterklettern würden, da ich ziemliche Panik davor hatte.

„Glaubst du- wir können das kitten? Wieder gut machen?"- „Ja. Wenn ihr beide es wirklich wollt", lautete meine Antwort, die ich aus dem Bauch herausgab. Es schien, als würde Liam ein Stein vom Herzen fallen und seine Züge entspannten sich etwas. Friedlich drehte er sich um und wandte sich der Sonne zu. Ich wollte es ihm gerade gleichtun, da klingelte mein Handy und ich guckte auf meine Tasche, die am Boden lag- schwerer Fehler. Fuck, war das hoch!

„Liam", fiepte ich leise und krallte meine Hände an die Schindeln. „Hm?"- „Ich- ich...", stotterte ich und schloss die Augen, was aber alles noch verschlimmerte, weswegen ich sie wieder weit aufriss.

„Was meinst du? Ach fuck, du hast Höhenangst! Sorry, ich hab nicht dran gedacht", entschuldigte er sich hastig und erhob sich. „Komm, wir gehen runter. Ich bin da, dir kann nichts passieren, ja?"

Ich biss mir auf die Lippe und nickte angestrengt, dann folgte ich ihm mit den Augen, wie er sich an mir vorbeischlängelte und an der Leiter angelangte. „Phi! Deine Lippe!"

Oh. Ich hatte mir wohl so lange drauf rumgebissen, dass sie angefangen hat, zu bluten. Mensch, war ich wieder talentiert.

„Okay. Wir machen das so- ich bin direkt unter dir und du setzt einfach Fuss um Fuss unter dich, ohne runterzuschauen. Ich bin direkt hinter dir und umfasse dich, dann kannst du höchstens auf mich fallen", vernahm ich seine Stimme und nickte etwas beruhigter.

„Dann komm jetzt. Hier, nimm meine Hand."

Langsam rutschte ich zur Leiter und umklammerte sie sofort mit beiden Händen, ehe ich mir einen Ruck gab und mich daran auf die Beine zog. „Gut- du machst das super", versicherte Liam mir und ich nickte hektisch. Ich würde mich erst entspannen können, wenn ich mit beiden Füssen auf dem Boden stehen würde.

„Fuck, was zum Teufel tut ihr da oben? Kommt da runter!"

Es war, als hätte Louis' Ausruf eine magische Wirkung auf meinen Körper- fast augenblicklich entspannte ich mich und konnte mich besser konzentrieren. „Gut so, Phi", murmelte Liam und half mir Tritt für Tritt nach unten. Mehrmals stiess ich mit ihm zusammen, doch er wich nicht weiter zurück, sondern hielt mich nur fest.

„Scheisse, seid ihr wahnsinnig?! Saphira, du hast Höhenangst, du kannst nicht einfach auf Gebäude klettern!", schalt mein Freund mich und schloss mich heftig in die Arme. „Sorry, aber ich hab's Liam erzählt und er ist da rauf, ich konnte ihn nicht allein lassen", flüsterte ich gegen seine Brust und er drückte mich nur noch fester, ehe er zu Liam sagte: „Mate, ich hab Sophia auch gesehen, als sie mit Phi geredet hat. Sie war... so aufgewühlt, wie ich sie noch nie gesehen hab. Und das Fehlen- autsch! Sorry, ich weiss nicht, was ich alles erzählen darf und was nicht!"

Leaving (ZM/1D)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!