Sechsundzwanzig

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A Z A D


Rüyas Locken, die sie zu einem legeren Zopf hochgebunden hatte, sprangen in alle Richtungen ab. Einige kringelten sich an ihrem Hals entlang. Es juckte Azad in den Fingern, den Zopf zu lösen (oder zumindest, was noch davon übrig war) und seine Hände in ihren Haaren zu vergraben. Ihre Augen waren konzentriert zusammengekniffen, während sie das Ende eines Bleistifts an ihre Lippen gelegt hatte und die Zettelwirtschaft vor ihr betrachtete. Necmiye Teyze kam herein und brachte neuen Tee. Azad stöhnte auf. »Ich sag's euch, nach diesem Tag werde ich nie wieder Tee trinken können!«
»Azad, würdest du jetzt endlich mal sagen, welches Restaurant du besser findest?« Rüya klang ziemlich genervt. Schon seit Stunden saßen sie nun hier und versuchten alles für die Hochzeit, die in weniger als drei Wochen stattfinden würde, nachdem sie nun endlich einen Termin beim Standesamt bekommen hatten, vorzubereiten. Wobei Rüya eigentlich das meiste machte und Azad mit allem zufrieden war, solange sie heirateten. Das ›Wie‹ war ihm ziemlich egal. »Baby«, meinte Azad, »Warum ist das denn so wichtig? Essen ist Essen. Joshua wird alles essen, keine Sorge.«
Tatsächlich wusste der Mistkerl zwar noch nicht, dass er Trauzeuge werden würde, aber Azad konnte sich gut vorstellen, dass er nichts gegen die Gelegenheit haben würde, sie permanent mit schlechten Witzen aufzuziehen. Er war sich sogar ziemlich sicher.
»Es sind nunmal etwas mehr als nur Joshua anwesend.« Rüya war knallhart. Sie hatte nicht viele Gäste gewollt, aber einige waren es doch schon geworden. Vor allem, wenn man bedachte, dass Necmiye Arslan all ihre Bekannten einladen musste. »Sag mir«, murmelte Azad, »warum brennen wir eigentlich nicht einfach durch?«
Rüya verdrehte die Augen. »Werte das als ein Durchbrennen, ja? Du bist zu nichts zu gebrauchen!«
»Hey! Ich habe Termine für Wohnungsbesichtigungen ausgemacht.«
Ironisch entgegnete Rüya: »Nachdem ich dich dazu gedrängt und dir die Nummern rausgesucht habe.«
Er zuckte geschlagen mit den Schultern und streckte seine Beine aus. Der harte Wohnzimmerboden war ziemlich ungemütlich. Sie hatten sich zum ersten Mal in seiner kleinen Wohnung getroffen, die er hauptsächlich zum Schlafen benutzte. Fast der gesamte Boden war von Bildern und Zetteln eingenommen. Er seufzte ergeben und wählte schließlich ein Restaurant aus. »Hier ist mehr Platz und es sieht besser aus«, begründete er seine Wahl. Rüya notierte sich die Entscheidung und strich sich eine Strähne zurück. Es war fast später Nachmittag. Plötzlich klingelte Azads Handy. Fluchend suchte er es unter den ganzen Blättern bis Rüya es ihm hinhielt. »Scheint wichtig zu sein«, meinte sie mit einem Blick aufs Display. Er erkannte bereits am Klingelton, dass er vom Revier angerufen wurde - und seufzte. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Er entschuldigte sich bei Rüya und stand auf, noch während er annahm. »Hey, Prinzesprinz, beweg deinen hübschen Hintern hier rüber. Wir haben einen neuen Fall.«
Azad fluchte. Er hatte bereits die ganze Nacht gearbeitet. Mit den Fingern rieb er sich die Stirn. »Bin gleich da.«
»Briefing in einer halben Stunde. Beeil dich.«
Er legte auf und kehrte ins Wohnzimmer zurück. Rüya schaute auf. Bereits an seiner Mine konnte sie erkennen, was er ihr mitteilen würde. Sie seufzte. »Ist schon okay, Herr Polizist. Geh schon.«
Am Liebsten hätte er sie an sich gedrückt und zum Abschied geküsst, aber da sie noch nicht verheiratet waren, begnügte er sich schließlich mit einem entschuldigenden Lächeln. »Tut mir so Leid, Rüyam (Meine Rüya).«
Sie winkte seufzend ab und sah völlig geschlagen aus. »Ich hasse Hochzeiten. Und jetzt verschwinde, bevor ich mit diesen Katalogen auf dich losgehe, Azadım (Mein Azad).«
Er musste grinsen und verließ tatsächlich das Haus.

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