Kapitel 64 - Unsere Meisterleistung

30.9K 2.6K 1.2K
                                    

Wie alt seid ihr alle so? :)

„Das ergibt absolut null Sinn", sage ich zu Harry, als wir zusammen zum Theaterkurs laufen. Wir sind zehn Minuten zu spät dran, weswegen die Flure leer sind. Verdammt seien Verkehrsunfälle. „Aliens sind genauso unwahrscheinlich, wie die Schöpfungsgeschichte. Wer glaubt da schon dran?"

„Aliens sind so was von wahrscheinlich", erklärt Harry wissend. „Es wäre unlogisch, wenn es keine geben würde. Schon mal dran gedacht, dass es uns immerhin auch gibt?"

„Ja, durch den Urknall, na und? Ein Phänomen, das es wahrscheinlich nur einmal geben wird. Also sind Aliens tabu."

„Violet, es gibt mehr als 500 Millionen Galaxien, wie naiv wäre das, zu denken, dass wir die Einzigen Lebewesen hier sind. Es muss ja kein Planet wie die Erde sein, aber irgendetwas, komplett egal was."

„Ja, unbedingt", sage ich rolle mit den Augen, als ich schon die Tür zum Kurs sehe. „Vielleicht leben dort noch Dinos und Menschen, die aus ihren Fingern pinkeln können."

Harry sieht nach vorne und nickt in Gedanken. „Das wäre so cool."

Ich greife nach dem Türgriff. „Das wäre schwachsinnig, wie gesagt. Du hast zu viel Fantasie." Als sich die Tür nicht öffnen lässt, runzle ich die Stirn. „Hä? Abgeschlossen?"

Auch Harrys Stirn verengt sich und er hebt inne haltend den Kopf. „Hörst du das?" Er stellt sich genau an die Tür und hält sein Ohr dagegen, damit er die leise Musik besser hört. „Was, zur Hölle, machen die da drin?"

„Ohman", sage ich und halte mir die Hand an die Stirn. „Benja macht wieder seine Wir-Machen-Uns-Zum-Affen-Taktik." Als Harry mich nur fragend ansieht, sage ich: „Er dreht die Musik auf, schließt ab, damit sie niemand sehen kann und dann müssen alle wild umhertanzen, damit wir lockerer werden. Total bescheuert. Das kann noch dauern, bis die fertig sind."

„Aber wir müssen da rein", sagt Harry. „Wenn uns Heath wieder sieht, bin ich mir sicher, bringt sie uns komplett um."

Nachdenklich tippe ich mir mit dem Finger an das Kinn. Dann sage ich: „Ich hätte da eine Idee."

-

„Siehst du was?", fragt Harry mich, als ich zwei Minuten später auf seinen Schultern sitze und durch das hohe Fenster der Theaterhalle sehen will. Zum Glück sind die Fenster hinter der Schule, weswegen um uns herum nur Bäume und ein kleiner Weg ist, niemand sonst.

„Nein", sage ich und kralle mich an das Fensterbrett, das ich gerade so mit den Händen erreichen kann. „Ich muss höher!"

„Wie hoch?"

„Hoch!"

Harry stöhnt auf. „Dann stell dich, ich halte dich."

„Wirklich?", frage ich ihn unsicher. „Das kann ziemlich schief gehen!"

„Los!"

Ich atme tief ein und aus und ziehe mich schließlich am Fensterbrett hoch. Vorsichtig stelle ich erst meinen linken, dann meinen rechten Fuß auf Harrys breite Schultern, der mich mit seinen Händen an den Gelenken festhält. Es ist ziemlich wackelig, weswegen mein Herz wild pocht, doch immerhin halte ich mich am Fenstervorschuss fest, was mir mehr Halt gibt.

„Siehst du jetzt was?", muss Harry mittlerweile schon rufen, weil ich so weit oben bin.

„Ein bisschen!" Ich kann gerade so über die Fensterkante blicken und versuche mich auf Zehenspitzen zu stellen. Das Einzige, das ich erkennen kann, sind halbe Köpfe, die hoch und runter springen. Die Musik höre ich auch bis hier hin. Benja hat Queen voll aufgedreht und er tanzt auf der Bühne, schwingt seine Arme hin und her. „Sie tanzen tatsächlich!", rufe ich zu Harry. „Benja dreht voll am Rad, es sieht aus, als würde er jeden Moment von der Bühne fallen!"

Violet Socks I HSWo Geschichten leben. Entdecke jetzt