Kapitel 9 - Lotta und Jermaine-René

36.3K 2.4K 765
                                    

„Du kannst wieder gehen", sagt Harry hinter mir und ich höre, wie er meine Tasche vom Boden aufhebt.

Ich drehe mich um und direkt wird mir die Tasche vor die Brust gedrückt. „Ich soll gehen?"

„Natürlich sollst du gehen. Ich kann nicht gehen, sonst werde ich von der Schule geschmissen, deswegen wirst du diejenige sein, die geht."

Ich runzle die Stirn und nehme ihm die Tasche ab. „Du hast das nicht zu bestimmen. Das hier ist zufällig schon seit Jahren mein Nebenverdienst und Misses Heath verlässt sich auf mich."

Er schnaubt und geht in die Küche. „Was erwartest du von ihr? Einen Gute-Nudel-Stern? Es wird schon nicht so schlimm sein, wenn du verschwindest. Außerdem ist es besser für jeden von uns."

„ÄÄh." Ich folge ihm in die Küche, wo er gerade eine Schublade öffnet, um einen Topf hervorzukramen. „Also erstens lasse ich mir von dir ganz bestimmt nichts sagen und zweitens bin ich nicht so wie du und tue einfach das, was ich will. Misses Heath will, dass ich mich um ihre Kinder kümmere, also tue ich das auch."

„Wie vorbildlich von dir." Er holt noch einen Topf hervor und ich sehe ihm skeptisch dabei zu. „Aber heute zählt dieser Mist nicht. Ich werde keinen Abend mit dir hier verbringen und von der Schule werde ich auch nicht fliegen, deswegen wirst du wohl gehen müssen."

Für ein paar Sekunden schweige ich und sehe zu, wie er ein paar Zutaten aus dem Kühlschrank holt. „Sag mal, was hast du vor? Ist es schon so weit gekommen, dass du die Küche unserer Rektorin verwüsten willst?"

Harry verdreht die Augen, als wäre ich dumm. „Sei nicht dumm. Heath meinte, ich soll kochen, weil du es nicht kannst."

Ich hebe die Brauen und lache unglaubwürdig auf. „Wie bitte? Das hat sie nie im Leben gesagt."

Auf Harrys Lippen schleicht sich ein genugtuendes Grinsen, als er gerade Wasser in den Topf füllt. „Sie hat es genau so gesagt. Der Kleine hätte eine Lebensmittelvergiftung gehabt, nachdem sie dein Essen gegessen haben oder so."

Ich reiße die Augen auf. „Nein, du lügst! So war das nicht!"

Er lacht etwas. „Okay, vielleicht hat sie es nicht genau so gesagt, aber es ging in diese Richtung." Harry dreht sich zu mir, als er beginnt Wasser zu kochen. „Also wirst du jetzt gehen?"

Als ich gerade sagen will, dass er sich selbst mal vom Acker machen kann, damit ich meine Arbeit in Ruhe vollbringen kann, kommen jedoch zwei kleine Kinder die Treppe runtergestürzt.

„Vio!", freut sich die kleine Coco mit den schönen blonden Haaren und krallt sich an mein Bein. „Du trägst heute die Katzensocken!"

Ich grinse schlagartig, weil ich wusste, wie sich Coco über diese Strümpfe freuen wird. Ich trug sie einmal und sofort hat sie sich in sie verliebt. „Klaro, du sagtest doch, dass du sie so magst, also blieb mir gar nichts anderes übrig."

„Ich find sie scheußlich", brummt jedoch Mikey, der sechsjährige Stinkstiefel und zupft verächtlich an dem Stoff meiner rechten Socke. „Das sieht echt dumm aus mit den ganzen Katzen."

Harry lacht gehässig in sich hinein, während er eine Tomatensoße anrührt.

Ich funkle ihn an. „Lach nicht so doof, sondern konzentrier dich lieber auf dein doofes Essen."

„Genau!", stimmt mir Coco sofort zu und ich weiß jetzt schon, dass ich einen Kameraden auf meiner Seite stehen habe. Alles, was ich nämlich doof finde, findet sie auch doof und da ich Harry ganz schön doof finde, bin ich mir sicher, dass sie mir helfen wird, mit Harry diesen Abend zu überstehen.

Violet Socks I HSWo Geschichten leben. Entdecke jetzt