Raven
Danny's Kopf wird rot, seine Miene noch wütender als vorher und sein Atem ist schwer. Er sieht aus wie eine tickende Zeitbombe.
"Schatz, bitte reg dich nicht auf", sagt Scar unsicher. "Harry wollte mich nicht anmachen, wirklich nicht. Bitte beruhige dich."
"Du solltest auf sie hören", sagt Harry und hält immer noch Danny's Blick stand. "In einem Pub eine Szene zu machen, war noch nie eine gute Idee."
"Ach, tatsächlich?", blafft Danny. "Wer sagt das?"
Harry seufzt. "Okay, pass auf, man. Anscheinend fühlst du dich ein wenig in deinem Ego gekränkt, und du scheinst ein temperamentvoller Typ zu sein. Also solltest du dich vielleicht zusammenreißen oder wir werden gehen, denn auf so eine Scheiße habe ich keine Lust."
"Bitte, Baby", sagt Scar verzweifelt und legt ihre Hand auf Danny's Arm, doch dieser beachtet sie gar nicht.
Danny grinst dreckig und steht auf. "Du hast Recht, lass es uns gehen. Wir klären das draußen."
Ich reiße meine Augen auf. Bitte nicht, bitte, bitte nicht. Ich würde Harry gerne sagen, dass wir einfach gehen sollten, doch eigentlich kann ich mir sicher sein, dass er nicht auf so eine bescheuerte Idee kommt und tatsächlich mit Danny rausgeht.
Harry schweigt und sieht zu ihm auf. Er scheint zu überlegen.
"Nein, wir werden gehen", krächzt Scar und steht ebenfalls auf, lässt dann aber die Schultern hängen, weil Danny sie mal wieder ignoriert und immer noch Harry erwartungsvoll ansieht.
Harry trinkt den letzten Schluck von seinem Wasser und holt ruhig seine Geldbörse heraus, legt ein paar Scheine auf den Tisch. Als er aufsteht, sagt er: "Alles klar. Gehen wir raus."
Danny grinst.
"Geht's noch?", zische ich und stehe ebenfalls auf. "Vergiss es!"
Doch Harry ignoriert mich ebenfalls und sieht immer noch Danny an.
Danny nickt selbstgefällig und geht mit schweren Schritten und hochgezogenen Schultern in Richtung des Ausgangs.
Das passiert gerade nicht wirklich oder? Ich fühle mich, wie in einem Hahnenkampf und Scar und ich stehen volles Rohr unbeholfen zwischen den Fronten. So wollte ich den Abend eigentlich nicht enden lassen. Vor allem könnte ich nicht mal einschätzen, wer wen verprügeln würde, wenn Harry und Danny jetzt tatsächlich handgreiflich werden. Danny sieht stark aus, sein Körper ist durchtrainiert, doch Harry ist ein wenig größer, hat zwar auch Muskeln, dennoch ist er nicht so aufgepumpt wie er. Es ist bescheuert, dass ich überhaupt über sowas nachdenken muss, denn ich rede hier von Harry. Nur Idioten ohne Hirn prügeln sich und dazu konnte ich ihn bisher eigentlich nicht zählen.
Harry geht auf den Ausgang zu und Scar sieht mich verzweifelt an. Ihr Blick ist ängstlich und sie scheint sich wahrscheinlich genau so viele Gedanken zu machen, wie ich.
"Ist der immer so?", frage ich Scar ein wenig sauer, während wir Harry nach draußen folgen. Die ganze Sache nervt mich unheimlich.
Sie sieht auf den Boden. "Manchmal..."
Als wir draußen ankommen, erkenne ich durch die Laterne an der Straße Danny und Harry, die mit einem Abstand von ungefähr drei Metern voneinander wegstehen. Danny's Hände sind geballt und sein Ausdruck nach wie vor wütend, doch Harry steht mit den Händen in den Hosentaschen in unsre Richtung gedreht und scheint auf uns zu warten.
"Also los!", schreit Danny zu ihm rüber, als er merkt, dass Harry sich nicht regt.
Harry beachtet ihn nicht und ruft stattdessen zu mir: "Kommst du, Baby?"
Ein wenig verwirrt blicke ich drein. Er hat nicht vor sich mit Danny zu schlagen? Ich nicke erleichtert und gehe auf ihn zu. Als ich bei ihm ankomme nimmt Harry schmunzelnd meine Hand und will zum Auto gehen.
Ich wusste doch, dass er mehr Hirn hat, als irgendsoein idiotischer Neandertaler.
"Was soll die Scheiße?", brüllt Danny. "Ziehst du den Schwanz ein, du Waschlappen?"
Harry beachtet ihn nicht und ich drehe mich zu ihm, sehe Scar, wie sie mit gesenktem Kopf hinter ihm steht. Sie sieht aus, als würde sie gleich weinen. Sie tut mir Leid, ich kann sie nicht mit ihm hier allein lassen. Ich lasse Harry's Hand los. "Ich werde Scar fragen, ob wir sie mitnehmen sollen."
"Ja, mach das", sagt er und nickt.
Mit schnellen Schritten gehe ich an dem keuchenden Danny vorbei, der mich verwirrt ansieht, zu ihr. Ich fasse ihr sanft an den Arm und sie sieht mich an. "Willst du mit uns kommen?", frage ich leise und höre sofort, wie sich Danny zu uns umdreht.
"Sie bleibt hier", giftet er mich an.
Ich ignoriere ihn und sehe sie weiterhin an. In ihren Augen bilden sich bereits kleine Tränen. "Du musst nicht bei ihm bleiben, Scar."
Sie schnieft und sieht erst Danny, dann mich an, schüttelt langsam mit dem Kopf. "N-Nein, ist schon okay. Ich bleibe bei ihm."
Entsetzt sehe ich sie an. "Das kannst du nicht ernst meinen."
"Hast du sie nicht gehört?", höre ich Danny hinter mir. "Sie bleibt bei mir, verdammt!"
"Er hat Recht", schnieft Scar und lächelt leicht traurig. "I-Ich liebe ihn, Ravely. Ich bleibe bei ihm."
"Bist du dir sicher?"
"Ja... ich bin mir sicher. B-Bitte geht besser einfach, okay?"
Sie sagt mir gerade unter Tränen, dass sie diesen Idioten liebt, während er sich wie ein Verrückter aufführt. Irgendwas stimmt doch mit ihr nicht. Ich habe sie zwar schon oft mit Arschlöchern zusammen gesehen, aber Danny ist nochmal eine Nummer schlimmer, und das um Längen. Doch auch, wenn ich sie unheimlich gerne mitnehmen würde, weil ich Danny keine Sekunde vertraue, weiß ich, dass ich es ihr nicht ausreden kann. Das konnte ich noch nie.
Ich nicke ergeben. "Okay", seufze ich. "Aber bitte ruf sofort an, wenn irgendetwas ist."
Sie nickt traurig und ich betrachte sie ein letztes Mal skeptisch, bevor ich wieder an Danny vorbei zu Harry gehe.
"Also was ist?", schreit Danny wieder. Er scheint sich wohl nie beruhigen zu wollen.
"Geh nach Hause, man!", ruft Harry ruhig zurück. "Ich werde dich nicht angreifen!" Er nimmt wieder meine Hand und wir gehen zu seinem Auto.
Ich höre Danny's schwere Schritte hinter uns.
Er ist verrückt, er ist definitiv verrückt.
Harry scheint seine Schritte ebenfalls zu hören, denn er lässt meine Hand los und dreht sich schnell um.
"Du Wichser lässt mich nicht einfach hier stehen!", brüllt Danny mit rotem Kopf und will gerade zum Schlag ausholen, da geht Harry einen Schritt zur Seite und stellt ihm ein Bein.
Danny fliegt genau zwischen uns auf den Boden und es ist der schönste Ausblick, den ich je gesehen habe.
"Ups", lacht Harry und sieht auf ihn herab.
Ich lache ebenfalls und Danny hievt sich wieder hoch, klopft sich den Dreck von den Klamotten.
"Wir werden jetzt gehen", sagt Harry triumphierend grinsend zu ihm und gibt mir ein Zeichen, dass ich ins Auto steigen soll.
"Beschissene Möchtegern Schriftsteller", flucht Danny und sieht uns zu, wie wir lachend ins Auto steigen und davon fahren.
Kurzes Kapitel, ich weeeeeiß! Aber es ist schon so spät und ich wollte das Kapitel endlich fertig schreiben.
Übrigens soll das auf dem Bild Scar sein!