Abfahrt

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"Morgen geht es ja denn schon nach South West England. Seid ihr nervös?" fragte mein Vater Clarissa und mich. Ich wusste so gar nichts mit dieser Frage anzufangen, da ich auch nicht wusste was er meinte aber Clarissa hatte den Durchblick: "Ich persönlich freue mich schon sehr und da Claire ab jetzt mit dabei ist, wird das alles noch einmal lustiger als vorher schon." Völlig enthusiastisch Hüpfte sie auf ihrem Stuhl herum.

"Aber ihr sollt doch dort etwas lernen und nicht so viel herumalbern." gab Christoph mürrisch von sich. Und jetzt begriff ich auch was sie meinten. Sie redeten über diese Akademie. "Das ist schon morgen?" fragte ich völlig perplex in die Runde. "Haben sie euch das noch nicht erzählt?" mischte sich nun auch Anette mit ein. "Nein nein, Mutter. Das ist dann vermutlich meine Schuld. Als sie es mir gesagt haben hat Claire noch geschlafen und ich wollte sie nicht extra wecken. Ich hab es auch leider vergessen ihr davon zu erzählen. Es tut mir leid, Claire." und so saß sie dann total aufgelöst vor mir: "Ja, kein Problem. Ich habe nur keine Ahnung von der Akademie also musst du mich wohl oder übel einweisen und mir helfen." Mein Aufmunterungsversuch wirkte, denn sie klatschte freudig in die Hände und grinste:"Nichts lieber als das."

Am nächsten Morgen wurde ich von einer hüpfenden Clarissa geweckt. Sie sprang auf mein Bett und damit auch fast auf mich drauf: "Guten Morgen meine Liebe. Heute geht es nach Plymouth. Raus aus den Federn, wir gehen zur Schule!" Wie kann man sich nur in diesem extremen Maße über Schule freuen? Da sieh mir die letzten Worte ins Wort schrie, sprang ich schnell aus dem Bett, lief ins Badezimmer und warf ihr ein paar beruhigende Worte hinterher.

In einem Handtuch eingewickelt kam ich aus dem Bad: "Sag mal, was soll ich da eigentlich anziehen? Und wie lange geht denn so ein Schultag?" Sie sah mich kurz an und fing dann an zu lachen: "Glaubst du ernsthaft, dass wir heute Abend wieder hier sind?" Sie steigerte sich immer weiter rein und sorgte so dafür, dass ich mich ganz schön blöd fühlte. "Du meintest es sei eine Akademie und kein Internat." schmollte ich. Sie wischte sich theatralisch die Tränen weg: "Och man bist du niedlich. Dabei bist du doch die jenige, die vorher auf einem College war. Also, wir fahren heute nach Plymouth. Dort bekommst du deine Schuluniformen und auch alles was wir sonst benötigen wird dort sein. Die Stylistin, die dich gestern angezogen haben, haben auch gleich deine Maße mit abgenommen und für dich Kleider angefertigt. Diese werden selbstverständlich auch nach Plymouth geliefert. Du braucht also nichts mitnehmen."

"Selbstverständlich." murmelte ich vor mir hin. "Und wann kommen wir dann wieder?" Sie schien kurz zu überlegen: "Da an deinem 25 Geburtstag auch gleichzeitig deine Krönung stattfindet, müssten wir ungefähr eine Woche vorher wieder hier sein." Mir blieb der Mund offen stehen: "Ich.. Ich dachte... Ich dachte, dass.." Sie sah mir völlig verstört an: "Dachtest du etwa, dass du warten musst bis Mama und Papa tot sind?" Und wieder lachte sie, als ob es das normalste der Welt sei. "Das wird dir auch alles in Plymouth erzählt. Also los. Zieh das hier an, das steht dir bestimmt echt gut." Sie hielt mir eine Schwarze Jeans und ein grünes Hemd entgegen. Wortlos nahm ich die Sachen an und zog mich dann im Bad um. Ich föhnte mir meine Haare und trug etwas Make-Up auf. So etwas wie am Tag meiner Ankunft sollte ja immerhin nicht noch mal passieren.

Erneut kam ich aus dem Bad und Clarissa zog mich sofort zu den Fahrstühlen. Wir fuhren wieder mit ihrem nach unten. Die Bemalungen an den Wänden des Fahrstuhls beruhigten mich irgendwie und ich vergaß meine Sorgen für einen kleinen Augenblick. Wir liefen feierlich den langen Gang zur Eingangshalle lang und ebenso auch die Treppen. In der Eingangshalle selbst standen unsere Eltern und meine Ziehfamilie. Ich ging zuerst zu meiner Ziehfamilie und umarmte sie ganz fest: "Ich hab euch ganz doll lieb. Egal was auch passiert." und alle antworteten mir im Chor: "Wir dich auch." Wir lösten uns und meine Mutter nahm mein Gesicht in eine Hände: "Wir sind so stolz auf dich. Wie du das hier alles meisterst ist atemberaubend. Bleib stark meine Kleine und bitte pass dort drüben auf dich auf. Man weiß ja nie, was sich so für Schlangen in das Nest begeben." Ihr flossen schon die Tränen über die Wangen und bei mir ging es ebenfalls schon los. Nach noch einer Gruppenumarmung musste ich sie gehen lassen und schon waren sie weg.

Nun kamen meine richtigen Eltern auf mich zu und zogen Clarissa und mich in eine tiefe und innige Umarmung: "Machst gut ihr lieben und Clarissa, pass gut auf sie auf. Ich möchte, dass ihr zusammenhaltet und euch immer helfen werdet. Lasst euch nicht unterkriegen." Das waren ein paar feierliche Worte, die man auch von einem König erwartet aber leider sprach nicht der Vater aus ihm und so war ich die jenige, die diese Umarmung zuerst verließ.

Das große Tor öffnete sich und damit begann auch ein riesiges Blitzlichtgewitter. Auf dem Weg von der Tür bis zu Tor wurden wir von einem Haufen Bodyguard's abgeschirmt. Vor dem Tor stand eine schwarze Limousine in die wir einstiegen und bei einem kurzen Blick zurück wurde alles immer kleiner bis es irgendwann nicht mehr zu sehen war.

Clair Maos - die Geschichte einer KöniginLies diese Geschichte KOSTENLOS!