nächtlicher Spaziergang

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In dem Schrank hingen nur Sachen, die mir nicht passten. Also musste ich mir ein Hemd von Cale borgen. Ich schnappte mir dazu noch einen Gürtel aus meinem Schrank und band ihn mir um die Hüften, damit das nicht so unförmig aussah. Die Haar konnte ich nur zu einem Dutt zusammenbinden, da sie noch nicht vollständig von dem ganzen Haarspray befreit wurden. 

Cale hatte mir zuvor erklärt, dass die Sachen, die in dem Schrank hingen, jeden Tag ausgetauscht wurden. Also hing ich die nassen Sachen einfach daneben. Ich weiß, dass jetzt ales da drin nass geworden ist, aber ich hatte nicht unbedingt nochmal vor heute meine Sachen hier zu wechseln. Und ich konnte auch nur hoffen, dass dann ab morgen auch mal Sachen in meiner Größe da sein werden.

Fertig umgezogen ging ich aus der Umkleide und hielt Ausschau nach Cale. Als der nach 15 Minuten immer noch nicht da war lief ich in die Umkleide um ihn zu suchen, doch er war nicht da. Auch an den Schwimmbecken war er nicht. Der Typ hat es also nicht übers Herz gebracht auf mich zu warten. Ganz toll. Also beschloss ich nach Hause zu gehen.

Halb erfroren kam ich bei unserem Haus an. Ich hatte keine Schuhe an, weswegen mir auch die Füße abgefroren waren und in so einem Hemd hält es sich auch nicht besonders lange warm. Noch dazu hatte ich nasse Haare und so war es ziemlich wahrscheinlich, dass ich mir eine Erklärung zu ziehen würde. Da hatte mich dieser Arsch doch echt wortwörtlich im kalten stehen gelassen. Und so ein Auto hatte ich mir auch nicht rufen können, da ich noch nicht so ein Handy dafür besaß. Großartig. 

Ich klopfte an der großen Haustür in der Hoffnung, dass irgendjemand zu Hause war. Und ich hatte Glück. Elli war noch da. Sie guckte mich völlig perplex an: "Ach du meine Güte, Claire. Komm schnell rein, Liebes. Was ist denn in dich gefahren, dass du so rum läufst?" Ich trat ins Haus. Elli machte schnell die Tür hinter mir zu und rannte einmal quer durch das Haus. Sie kam mit einer Decke wieder und neuer Kleidung. Ich liebe sie, sie brachte mir meinen Lieblingspullover und eine Jogginghose, dazu noch meine flauschigen Socken und eine Decke. Dann rannte sie nach oben und ich hörte wie Wasser in die Badewanne floß. 

Sie kam die Treppe wieder nach unten gerannt und war auch schon wieder in der Küche verschwunden. Der Wasserkocher ging an und Geschirr klirrte. Na hoffentlich tut sie sich dabei nicht weh. Ich ging vorsichtig in die Küche um zu sehen ob alles in Ordnung ist doch Elli scheuchte mich sofort wieder raus und befahlt mir ins Badezimmer zu gehen. Ich wollte sie momentan nicht wirklich reizen und so ging ich brav nach Oben. 

Ich stieg in die Badewanne und genoß dass warme Wasser. Danach zog ich mich wieder an und ging in mein Zimmer. Auf meinem Schreibtisch stand ein dampfender Früchtetee und ein Teller mit geschmierten Bagels. Oh Gott, ich liebe sie einfach. Mit dem Essen ging ich in mein Bett und holte mir meinen Laptop dazu. Den Tee stellte ich auf den Nachttisch und dann fing ich auch schon an mir etliche Filme reinzuziehen. 

Irgendwann muss ich wohl eingeschlafen sein, denn ich wachte in einer sehr unbequemen Haltung wieder auf: Halb im Sitzend. Den Kopf krüppelhaft zur Seite gebeugt und meine Beine zeigten in die gleiche Richtung wie mein Kopf. Mein Laptop lag verkehrtherum am Bettrand und der Teller, auf dem die Bagels drauf waren, lagen unten auf dem Teppich. Schöne Sauerei. 

Bei dem Versuch mich wieder aufzusetzen knackten bei mir einige Knochen und ich fing an mir Sorgen zu machen. Zur Probe stellte ich mich vor das Bett und schüttelte mich einmal komplett. Mir tat alles weh aber Gott sei Dank war nichts gebrochen. 

Es war noch mitten in der Nacht, wobei das ja gar nicht sein konnte, da ich ja erst um 3 Uhr morgens zu Hause war. Es sei denn... Ich hab doch nicht im Ernst einen ganzen Tag verschlafen oder etwa doch? 

Mit schmerzenden Gliedern ging ich die Treppe nach unten in die Küche um mir etwas zu essen zu machen. Auf der letzten Treppenstufe hielt ich an, weil ich ein komisches Geräusch aus dem Wohnzimmer vernahm. Ich spähte um die Ecke und sah tatsächlich Christian und meine Schwester Arm in Arm auf der Couch liegen. Sie sahen sich Titanic an. Ok, sie sahen sich mehr gegenseitig an und nicht den Film. Das war sowas von klischeehaft, aber irgendwann musste das ja mal kommen. 

Ich wollte sie nicht stören und so schlich ich mich in die Küche. Dort angekommen ging ich zuerst zum Kühlschrank und jubelte innerlich. Es befand sich leckere Schokolade drin und noch ein paar Bagels. Ich nahm mir noch ein Glas Marmelade dazu raus aß erstmal genüßlich. Meine Güte hatte ich einen Hunger gehabt. Mit der Schokolade aus dem Kühlschrank machte ich mich wieder auf den Weg in mein Zimmer. Es führte leider kein Weg an den beiden Turteltäubchen vorbei und so ich hörte nur noch Kussgeräusche. Das war mir dann doch zu viel. ich zog mich schnell um. leise schlich ich durch die Eingangstür und versuchte sie auch wieder leise zu schließen, was mir mehr oder weniger gut gelang. Aber was soll's.  Ich setzte mich vor den Springbrunnen, den ich vom ersten tag noch in Erinnerung hatte und stopfte mir meine Schokolade rein. 

Das muss ein echt erbärmliches Bild abgegeben haben aber nach den letzten Stunden, die ich erlebt hatte war mir alles egal und momentan wollte ich auch mit niemanden weiter reden. Außer mit Elli natürlich, der ich noch für alles danken musste. 

Ich war satt und es wurde langsam echt langsam und so beschloss ich das Gelände erkunden zu gehen. Zuerst kam ich zum Schulgebäude für die älteren das ich ja auch jeden Tag besuchen durfte. Danach kam das Schulgelände für die 13 bis 18 jährigen, welches etwas größer war als das davor. Und direkt daran angrenzend kam die Schule für die Kleinen. Das war das größte von allen aber dafür war es nicht so pompös wie die anderen. 

"Du willst nicht wissen, wie schlimm es auf dieser Schule zugeht." ich fuhr wie eine Furie rum und prallte ich gleich gegen etwas hartes. Ich trat ein paar Schritte zurück und versuchte erstmal meinen Puls wieder runterzubekommen. Vor mir stand Jan, der mich schmunzeln beobachtete. Von ihm kam aber auch keine Entschuldigung oder etwas der gleichen. Er stand nur da und lachte mich aus. Danke für nichts.

"Man, wenn du das nochmal machst bekomme ich einen Herzinfarkt." meckerte ich. 

"Na hoffentlich nicht. Wir wollen ja nicht, dass Englands zukünftige Königen drauf geht." lachte er. 

"Was machst du hier Jan?" fragte ich ihn um etwas vom Thema abzulenken.

"Ich war grad bei Ruby und war auf dem Weg nach Hause, als ich dich hier gesehen habe." erklärte er mir. 

"Und da musst du dich so von hinten anschleichen?" fragte ich ihn wütend. Und überhaupt ist irgendwie Paarungszeit oder warum knutscht die halbe Welt? 

"Ich sag es dir so wie es ist, Maos. Ich mochte dich ja von Anfang an nicht. Warum kann ich dir nicht sagen, da ich es selbst ja nicht wirklich weiß. Es ist irgendwie so ein Gefühl. Aber was Mason auf dem Ball bei dir abgezogen hat ist echt unter aller Sau gewesen und glaub mir, jeder hätte ihm gerne dafür eine verpasst. Und es tut mir auch echt leid für dich. Trotzdem bitte ich dich, Gespräche mit mir zu vermeiden und mich auch in Ruhe zu lassen. Mein Gefühl hat mich bisher noch nie getäuscht und ich möchte wegen dir auch nicht in Schwierigkeiten geraten. Also halt dich einfach fern von mir und wenn es geht auch von Ruby. Zieh uns nicht unnötig in deine Angelegenheiten mit rein." Wow. Das saß tief. Er drehte sich um und ging einfach. Was ist nur schief bei diesen Leuten?

Clair Maos - die Geschichte einer KöniginLies diese Geschichte KOSTENLOS!