Familie

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Nun saß ich also in einem Flugzeug nach London. Schon komisch. Ich weiß zwar, dass London die Hauptstadt ist und so aber ich wollte eigentlich nie dahin. Mir gefiel es in Hastings. Klein aber  fein, so heißt es ja immer und auf Hastings trifft es eindeutig zu. 

In Gedanken schweife ich immer wieder zu dem ab, was mir die Frau vorhin erzählt hat. "Ich würde an Ihrer Stelle immer das tun, was mein Volk von mir erwartet und nicht meine Eltern." Ist dass denn jetzt wirklich mein Volk? Und wenn ja, was mach ich denn dann? Ich habe nicht den leisesten Schimmer wie man regiert und vor allem was ich den Leuten erzählen soll. Aber dafür ist ja die Akademie da, in der ich das alles lernen soll. Ich hoffe nur, dass die ganzen anderen Königshäuser nicht solche eingebildeten Schnösel sind. 

Das ganze Flugzeug war mit irgendwelchem Schnickschnack ausgestattet, den eigentlich kein Mensch braucht. Welcher Mensch braucht einen Kellner, der das Wasser bringt und dann noch einen anderen, der es einschenkt? Richtig, niemand. Anscheinend gehört sogar die Airline mir. Also nicht dem Königshaus, dem ich jetzt wohl angehöre, sondern ganz allein mir. Das erste was ich machen muss, ist mal die Finanzen im Auge behalten. Ich weiß nicht wer hier mein Geld verwalten aber ich denke, dass ich das noch erfahren werde.

In London angekommen wurde mir erstmal geraten freundlich zu winken und mich höflich und aufgeschlossen den Bürgern gegenüber zu verhalten. Also stieg ich aus, in der Hoffnung, dass das Ganze nicht wie im Fernsehen ablaufen würde. Und tatsächlich, hier standen nur ein paar wenige Kameraleute, die offensichtlich dazu aufgefordert worden waren ohne Blitzlicht zu fotografieren. Offenbar waren die Fotos, die gemacht worden waren als ich aus meiner Wohnung kam, nicht so schön geworden. 

In einer Reihe und mit dem Gesicht zu mir gewandt standen einige hohe Offiziere und salutierten vor mir. Sie beobachteten jede einzelne meiner Bewegungen genau und als ich dann bei dem letzten ankam drehte ich mich einfach nochmal um. Erstaunt sahen sie mich an und einer musste sich wohl ein lachen verkneifen. Ich weiß zwar nicht was so lustig daran war aber ich lächelte Ihnen zu und ein paar wurden dabei ganz rot. Irgendwie süß.

Ich wurde in eine große Limousine gequetscht und dann fuhren wir auch schon zum Buckingham Palast. 

Wir fuhren durch das große eiserne Tor, vor dem sich schon die Reporter drängten und der Wagen hielt direkt vor dem Eingang. im Eingang stand meine neue Familie. Schon krass so etwas zu sagen. 

Ich stieg aus dem Wagen und zeitgleich lief meiner 'Mutter' eine Träne runter. Sie rannte förmlich auf mich zu und umarmte mich stürmisch. "Gott sei dank bist du wieder da, Rosa. Ich habe dich so vermisst meine kleine." sagte sie und gab mir einen Kuss auf den Scheitel. Sie mag sich vielleicht freuen mich zu sehen aber ich fühlte mich einfach nur unwohl. In den Armen einer Fremden, die mich aber ganz genau zu kennen scheint. 

Sie ließ mich los und auch mein 'Vater' umarmte mich einmal stürmisch. Als er mich losließ hatte ich freie Sicht auf das Mädchen, dass Jahre lang ein Vorbild für mich war. Damals wollte ich immer so sein wie sie und jetzt war ich es tatsächlich. Sie kam mit langsamen Schritten auf mich zu und zog mich dann ebenfalls in eine Umarmung. "Schön dich wieder zusehen, Schwesterherz."

Clair Maos - die Geschichte einer KöniginLies diese Geschichte KOSTENLOS!