Fahrstuhl

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Sie zog mich schon die dritte Treppe hoch und hoffte, dass es nicht noch mehr werden würden. "Keine Sorge dieses Haus hat 4 Fahrstühle und wenn du willst, kannst du die Angestellten fragen ob sie dich mit ihren Putzwagen mitnehmen." Offensichtlich hatte sie bemerkt, dass meine Ausdauer nicht gerade die beste ist. Und welches Haus, abgesehen von Hochhäusern, braucht 4 Fahrstühle? Das ist ja krank. "Wozu braucht man 4 Fahrstühle? Es reicht doch sicherlich auch einer. " fragte ich sie vorsichtig.

Naja, da das Haus ziemlich in die Breite geht sind auf jeder Seite schon mal zwei. Auf der einen Seite liegen unsere beiden Zimmer und auf der anderen Seite die unserer Eltern. Ich weiß es würden auch zwei reichen aber hier soll anscheinend jeder seinen eigenen haben. Vor langer Zeit habe ich meinen auch mal bemalt, also mit Farben und so. Du kannst ja deinen auch gestalten wenn du willst." erklärte sie mir. Also mal ehrlich welcher Mensch braucht seinen eigenen Fahrstuhl? Richtig, niemand. 

Staunend sah ich sie an: "Darf ich deinen mal sehen?" 

"Ja, klar." Sie führte mich zu den Fahrstühlen, die am Ende eines breiten Ganges lagen. Vor uns lag eine Wand aus weißem Mamor. Im ersten Moment sah es nicht so aus, als würden sich dort Fahrstühle befinden aber wenn man genauer hinsah, sah man die kleinen Ritzen, die wohl die Türen sein sollten. An sich ist das schon eine schöne Idee, aber sobald ich alleine hierher finden soll, werde ich mich sofort verlaufen. 

Sie stellte sich vor die linke der beiden Öffnungen und die Tür öffnete sich wie von Zauberhand. Wahrscheinlich ist dort ein Sensor drin verbaut aber ich muss schon sagen sowas ist echt genial. 

Die Tür ging auf und mir eröffnete sich eine neue Welt. Der ganze Fahrstuhl war bemalt worden. Der Boden war als Wiese, die sogar kleine Insekten drauf hatte, gemalt worden. Ein paar Blumen und ein paar Steine verdeckten die Hälfte von den Wänden und dass kam ein wunderschöner Blauer Himmel. An einer Seite war noch ein Baum gemalt worden, der einen großen Teil von der Decke mit abbildete. "Wow" mehr bekam ich nicht heraus. Es sah aus wie die Realität, nur dass sich das Gras, die Walken und die Tiere nicht bewegten. 

"Das ist ein Moment aus meiner Erinnerung mit dir. Wir lagen Zusammen draußen im Garten unter unserm Baum und haben das Wolkenspiel gespielt." kurzes schweigen.

"Was ist das Wolkenspiel?" fragte ich. 

"Naja du siehst dir die Wolken an und sagst wie sie aussehen. Zum Beispiel sieht eine Wolke aus wie ein Hase und die andere aus wie ein Hund. Es ist alle möglich. Wir haben das früher immer zusammen gespielt." Sie sah so glücklich aus, als sie mir das erzählte." 

"Normalerweise liegen auch noch überall Kissen aber unsere Eltern bestanden darauf, dass Ales ordentlich ist." erzählte sie mir. "Ich lege mich oft unten in den Fahrstuhl und schlafe eine Runde. Ich weiß das klingt total komisch und du hältst mich bestimmt für einen Freak aber sonst ist in diesem Schloss immer etwas los und ich habe nie wirklich Zeit für mich also nutze ich den Fahrstuhl, in den sowieso keiner außer mir rein kommt."

"Ich halte dich nicht für einen Freak. Ganz im Gegenteil ich finde, dass das was du hier geschaffen hast echt wunderschön ist. Um ehrlich zu sein hatte ich schon Angst, dass du mega die Zicke bist aber Gott sei Dank ist dass nicht so." Erleichterung machte sich in mir breit. 

Sie lachte: "Genau das waren auch meine Befürchtungen. Es gibt eine Menge Leute mit unserem Stand, die total abgehoben sind und sich nicht wirklich viel aus dem Wohlergehen ihrer Mitmenschen machen." Und sowas soll dann mal ein ganzes Land regieren. 

Die Tür des Fahrstuhls ging zu und wir fuhren in den obersten, die 4. Stock.

Clair Maos - die Geschichte einer KöniginLies diese Geschichte KOSTENLOS!