Herzlich Willkommen

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Ich lag im Gras unter einer wunderschönen großen Eiche. Neben mir lag Clarissa und wir spielten das Wolkenspiel. "Das ist ein Hase" sagte sie und zeigte mit dem Finger auf eine der Wolken. "Und das dort, das ist eine Gans." 

"Woher weißt du so genau, dass es eine Gans ist?" fragte ich sie. 

Unschuldig blickte sie mich an: "Ich weiß es eben."

"Claire..." "Hey, Claire wach auf!" jemand schien mich zu rufen, doch ich konnte die Stimme nicht einordnen. Im nächsten Augenblick spürte ich einen Schlag auf meiner Wange und wurde auch schon ruckartig in die Wirklichkeit zurückgeholt. 


Langsam öffnete ich meine Augen und blickte mich um. Ich hatte meinen Kopf an Cale's Schulter gelegt. Der Rest. stand um uns rum und starrte mich abwartend an. Ich rieb mir meine noch schmerzende Wange. "Was ist denn los?" fragte ich. 

"Meine Güte, weißt du eigentlich wie lange du weg warst?" Als ich Ruby daraufhin nur fragend ansah sprach Clarissa für sie weiter: "Wir stehen schon eine ganze Stunde vor unserem Palast und versuchen dich wach zubekommen." 

"Das heißt ja noch lange nicht, dass ihr mich wach schlagen müsst." erwiderte ich mürrisch. 

Clarissa sah mich mitleidig an: "Tut mir leid, aber anders ging es leider nicht mehr." 

Bis ich auch nur irgendwas erwidern konnte kam auch schon Mister Cottenham zu uns: "Gott sei Dank sind Sie wach. Ihr Volk wartet schon auf Sie." Erstaunt sah ich ihn an: "Auf mich?" Fragte ich ihn etwas ungläubig und zeigte dabei mit dem Zeigefinder auf mich selbst. 

"Ja natürlich Sie. Wer denn auch sonst? Na los kommen sie!" erwartungsvoll hielt er mir die Hand hin und sah nur Hilfe suchend zu Clarissa. Diese dagegen sah mich aufmunternd an und half mir hoch. Ich ergriff Clarissa Hand und zusammen stiegen wir aus dem Bus. 

Mal wieder sah ich rein gar nichts. Nur weiß, dank der vielen Blitzlichter. Wenn ich auf den Thron komme ist das das erste was ich ändern lasse: Keiner darf die Thronfolger mit Blitzlicht fotografieren. Ich sah nach unten damit ich sehen konnte wo ich hintrat und rannte glatt gegen einen Reporter. Anstatt, dass dieser mich anmeckerte, entschuldigte er sich und trat einen Schritt von mir zurück, dann folgte eine Verbeugung. "Nein, Nein. Das war meine Schuld. Es tut mir wirklich leid." entschuldigte ich mich bei ihm. Nur weil ich in ihn reingerannt bin, heißt das ja noch lange nicht, dass er sich entschuldigen muss. Ich lächelte ihn noch zum Schluss an und ging dann weiter. Die erstaunten Gesichter um mich rum ignorierte ich gekonnt. Für mich war das etwas selbstverständliches. 

Als wir es dann durch die großen Eingangstore geschafft hatten wurde die Sicht allmählich klarer und ich musste den Kopf nicht mehr gesenkt halten. Vor den Eingangstoren des Palastes sollte ich mich nochmal zu den Fotografen drehen, damit die ein gutes Foto von allen Anwesenden machen konnten. Clarissa und ich wurden in die Mitte gestellt und der Rest um uns herum. Wir legten dann unsere Hände um die Hüfte der anderen und lächelten einmal. Bei sowas ist es echt schwer die Augen offen zuhalten, da das Blitzlicht einen schon sehr doll blendet. Aber da musste ich jetzt durch. 

Wir drehten uns wieder um aber eine Hand lag immer noch auch meiner Hüfte. Es war die von Cale. Dieser grinste mich frech an und vor meinem inneren Auge sah ich schon die Schlagzeilen aufleuchten: "Vereinigung der Königshäuser?" "Verlobt?!" "Prinz Cale und Prinzessin Claire" Aber was soll's? Ich darf mein Leben doch wohl so leben, wie ich es will und nicht der Rest der Welt. 

Die Türen schwangen auf und wir gingen ins Innere des Schlosses. Der Rest des Busses war ebenfalls schon hier und wartete auf uns. Auch Mason und Noah waren anwesend. Noah winkte uns aufgeregt zu und wir stellten uns zu ihm. So kamen wir leider nicht drum rum uns auch mit zu Mason zu stellen. Ich hatte ihm bis jetzt noch nicht verziehen und er musste auch echt was gutes anstellen, damit sich meine Meinung ihm gegenüber ändert. Ich ignorierte ihn völlig und sprach stattdessen mit Noah. Wie es ihm geht und so weiter. 

Mit einem Mal wurde es ganz still. Alle drehten sich zu der großen Treppe auf der Christoph und Anette standen. Sie lächelten und strahlten pure Zufriedenheit aus. Durch Elli hatte ich erfahren, dass die beiden vor einer Woche ein Krisengespräch mit Cuba hatten. Ich hab keine Ahnung worum es dabei ging, aber offenbar hatte England den Sieg davon getragen. Das war auch der Anlass für diesen Ausflug: Christoph und Anette wollten den Sieg feiern und das mit einem Ball. Mal wieder. Meine letzte Erfahrung mit einem Ball war nicht meine beste und so wie es glauben ist konnte es nur besser werden. 

"Meine lieben Damen und Herren. Wir freuen uns, Sie in unserem Zuhause 'Willkommen' zu heißen. Es ist uns eine Ehre Sie die nächsten Tage zu unterstützen und unseren Palast für Ihren Unterricht zur Verfügung zu stellen. Wenn sie Fragen haben oder etwas benötigen können sie sich jeder Zeit an unser freundliches Personal und an uns, selbstverständlich, wenden. Ich bin mir sicher, dass auch unsere Kinder, Claire und Clarissa, Ihnen sehr gerne weiterhelfen. Wir beginnen heute mit einer kleinen Führung durch die wichtigsten Teile des Schlosses. Gleichzeitig werden Ihnen Ihre Schlafgemächer vorgestellt. Im Anschluss daran gibt es ein großes Festessen zu Ehren unserer Gäste und dann folgt eine Nacht im Casino. Da hier alle Anwesenden über 21 sind, denke ich, dass das kein Problem für jemanden darstellen dürfte. Wenn es jedoch irgendwelche Schwierigkeiten geben sollte bitten wir Sie uns das mitzuteilen und wir werden dann umgehend alles Mögliche für Ihr Wohlergehen tun. Danke für Ihre Aufmerksamkeit und wir wünschen Ihnen noch einen schönen und lehrreichen Aufenthalt. 

Alle fingen an zu klatschen und auch ich war hin und weg von dieser Rede. Ich sollte Christoph mal bei Gelegenheit fragen, wie er das immer macht. 


Clair Maos - die Geschichte einer KöniginLies diese Geschichte KOSTENLOS!