Guy Fawkes Night - Vorsicht blutig!

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Mit dem Fahrstuhl fuhren wir nach unten und wurden in der Eingangshalle empfangen. Mein Festagskleid war in dunklen Brauntönen gehalten und hatten ein paar Akzente in den Farben den Britischen Flagge. Farblich passte ich also sehr gut zum Rest, nur dass die anderen nicht so aufwendige Kleider trugen wie ich. Lag vermutlich mal wieder daran, dass wir hier in England waren. 

Christoph und Anette waren ebenfalls anwesend und Christoph fing mal wieder mit einer seiner Reden an: "So, da nun alle vollzählig hier versammelt sind möchte ich Ihnen ersteinmal einen wunderschönen Abend wünschen." Abend? Ist es echt schon so spät. Ich suchte die Wände nach Uhren ab, aber es waren keine zu sehen. Klar, welcher Mensch braucht denn bitte eine Uhrzeit? Wir ja offenbar total überbewertet. 

Christoph sprach weiter: "Wie vielleicht schon einige von Ihnen wissen feiern wir Engländer am 5. November die 'Guy Fawkes Night'. Ich möchte Ihnen kurz erklären was es damit auf sich hat. Am 5. November 1605 hat ein Mann namens Guy Fawkes versucht das englische Parlament samt Königsfamilie in die Luft zu sprengen. Gott sei Dank, wurde das Attentat damals vereitelt. Guy Fawkes wurde gefunden, gefoltert und hingerichtet. Zu Ehren dieses Sieges veranstalten wir jedes Jahr ein Fest und verbrennen Guy-Fawkes-Puppen in Fegefeuern. Um das ganze etwas spannender und auch interessanter zu gestalten haben wir uns vorgenommen, das Fest jeden Jahr pompöser und größer zu machen. Deswegen lassen Sie sich überraschen. Und wir wünschen Ihnen ein fröhliches Fest." Mit einer ausladenden Geste stiegen die beiden die Treppe hinauf und verschwanden im Schlossinneren. 

Um mich rum hörte ich Getuschel. Clarissa tauchte neben mir auf und hatte sich bei mir unter. Danach zog sie mich zu der großen Eingangstür. "Wunder dich nicht. Wir beiden müssen als königliche Mitglieder einfach nur das Fest anführen. Vertrau mir, das wird lustig." erklärte sie mir. 

"Verpassen wir nicht das beste, wenn wir ganz vorne laufen müssen?" fragte ich sie. 

Amüsiert sah sie mich an: "Ich glaube du hast eine falsche Vorstellung von dem, was dich gleich erwartet. Ich weiß ja nicht wie ihr das in Hastings damals gefeiert habt, aber bei uns wird es jedes Jahr abgewandelt. Aber eine Sache bleibt immer gleich: Es ist immer eine Art Gang, durch den die Menschen laufen und man erlebt während man läuft die Geschichte von dem missglückten Attentat mit. Also so war es zumindest letztes Jahr und das Jahr davor haben sie es auf die niedliche Art versucht. Also du verstehst schon. Alles verniedlicht und so und das Motto damals muss wohl auch pink gewesen sein." 

Ich schluckte schwer. Vor der Tür könnte sich jetzt also alles mögliche befinden. Von den Kammer des Schreckens bis hin zum Gummibärchenland. Na toll. Ich versuchte Clarissa ein Lächeln zu schenken: "Ich bin mal gespannt." 

"Und ich erst." sagte sie. Ihr schien das ja großen Spaß zu machen. Während ich hier voll die Panik schob freute sie sich schon. 

Die Tür schwang auf und wir standen einem riesigen Spinnennetz gegenüber. Es war über die ganz Tür gespannt worden. "Sag mir bitte nicht, dass wir dort jetzt durch müssen." sagte ich verängstigt. Clarissa jedoch zog mich weiter und wir schritten durch die klebrigen Fetzen hindurch. Es war alles ziemlich düstern und mit großen sowie kleinen Spinnen dekoriert worden. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass solche großen Spinnen gar nicht existieren, hätte ich mich total geekelt und wäre wahrscheinlich wieder zurück ins Schloss gerannt, aber so nahm es eher einen lustigen Charakter an. Außerdem war es mal eine gekonnte Abwechslung aus den Haus gehen zu können, ohne dass Kameras auf dich gerichtet sind. Obwohl ich auch eher bezweifle, dass es nicht so ist aber egal. 

Clarissa hatte ihr Grinsen verloren und man sah leichte Panik in ihren Augen. Das munterte mich nur noch mehr auf. Nicht das ich ein Psychopath oder so wäre aber sie hat sich vorher ja schließlich auch nicht um mich gesorgt.

Wir gingen weiter. Der Boden unter unseren Füßen gab leicht nach. Vermutlich war es Erde oder Rindenmulch, so genau konnte ich es nicht erkennen. Es war echt stock finster. Die Umgebung hatte sich mittlerweile in einen Wald verwandelt. Es standen links und rechts von uns Bäum und wir mussten und schon durch sie hindurchzwängen. "Na Hauptsache wir verlaufen uns nicht hier drin." sagte ich locker. Immerhin bin ich schon oft Nachts spazieren gegangen. Aber für Clarissa schien das alles neu zu sein:" Wir kannst du nur so locker sein? Hast du etwa noch nie einen Horrorfilm gesehen?" fragte sie mich. Wenn das hier echt gewesen wäre, dann wäre es auch gruselig gewesen aber im Hinterkopf hatte ich immer, dass überall Wachmänner rumstanden und auf uns aufpassten. 

Wir traten ab und zu auf ein paar Äste. Der Wald verdunkelte sich immer mehr und die Bäume fingen nach und nach an gruseliger zu wirken. Irgendwann bekamen sie Gesichter. Leidvoller Gesichter. Sie sahen aus, als würde sie vor Schmerzen schreien. Wir kamen an brennenden Bäumen, an verkohlten und schließlich an toten Bäumen vorbei. Der Wald war nun trostlos und leer. Er sah so weitläufig aus und es schien so als würde er nie enden. Plötzlich trat eine dunkle Gestalt von einem der verkohlten Bäume vor uns. Sie hatte einen langen schwarzen Umhang und einen tief ins Gesicht gezogenen Hut auf. Wir blieben stehen und rührten uns nicht von der stellen. Jedoch schien es so, als würde der Mann sich auf uns zubewegen. Offenbar tat er das auch. Wir traten einen Schritt zurück und spürten einen Baum im Rücken. Wie kann das sein? Aus der Richtung sind wir doch gekommen oder etwa nicht. 

Ich konnte meine Augen nicht von dem Mann vor uns abwenden. er ging immer schneller auf uns zu und ca. 10 Meter vor uns bleib er wieder stehen. Er rührte sich nicht. Clarissa und ich jedoch zitterten und hielten die Luft an. Der mann legte den Kopf schief und starrte uns an. Seine Augen leuchteten gelb. Er brachte seinen Kopf wieder in seine Ausgangsposition, was ein lautes Knacken erzeugte. Das Knacken verhallte im Wald und mit dem letzten Echo stürmte er auf uns zu. Wir hielten uns in den Armen und waren auf den Boden gesunken. Wir wagten es nicht nach oben zu sehen. Aber irgendwann mussten wir weiter und so wagte ich den ersten Blick. Ich hob meinen Kopf vorsichtig und erblickte nichts. Ich sah nichts außer des Waldes mit den toten, verkohlten Bäumen. "Clarri, er ist weg." sagte ich beruhigend zu ihr und so richteten wir uns wieder auf. Der Baum hinter uns war immer noch da und so konnten wir nur in eine einzige Richtung laufen: Nach vorne. 

Der Wald legte sich und wir kamen auf eine Straße. Sie war belebt und die Menschen um uns herum gingen hin und her. Wir waren auf einem Marktplatz des 16. Jahrhunderts gelangt. Händler boten uns ihre Waren und Kinder bettelten uns um Geld an. Wir gingen sprachlos durch den Markt und drangen zimmerweiter in die Altstadt vor. Hier wurde es auch immer leerer und nur vereinzelt liefen noch Menschen durch die Gegend. Wir standen nun vor einem großen Gebäude aus Holz und Stein. Vor der Eingangstür stand wieder der Mann mit dem Gesicht zur Tür gewandt. Er hatte uns wohl noch nicht bemerkt. In seiner Hand hielt er eine große Tasche, die auch sehr schwer zu sein schien. Clarissa trat einen Schritt nach hinten und wollte schon wieder wegrennen, jedoch hielt ich ihren Hand fest. Ich blieb wie angewurzelt stehen und in mir stieg langsam Wut hoch. Der Typ, der uns gerade eben den Schrecken unseres Lebens eingejagt hatte stand nun Seelen ruhig vor so einem alten Haus und starrte die Tür an. 

Ich ballte meine freie Hand zu einer Faust und schrie: "Hey du Arsch! Wenn du es noch einmal wagst uns so einen Schrecken einzujagen gibt's ein paar auf die Nüsse! Ist das Klar?" 

Erschrocken und entsetzt drehte sich der Mann um. Er blickte mich mit seinen leitenden, gelben Augen an und ließ die Tasche fallen. Aus dieser fielen vereinzelt kleine und große Bomben und rollten den Weg entlang. Nun strömten aus allen Richtungen Menschen. Sie schrieen den Mann an und bewarfen ihn mit allen möglichen Dingen. Sie hoben ihn hoch und trugen ihn in eine klein Seitengasse hinein. Wir folgte Ihnen und als die Menschenmasse anhielt, taten wir es ihnen gleich. Da wir nichts sehen konnten drängten wir uns an ihnen vorbei nach vorne. Vor uns stand nun eine Holzbühne mit einer Holzbank auf ihr drauf. Der Mann mit den gelben Augen stand vor dieser und starrte uns immer noch an. Die Menschen um uns rum schrieen: "Runter mit seinem Kopf!" und dann trat auch schon ein großer, muskulöser Mann mit einer tief ins Gesicht gezogenen Kapuze auf die Bühne. Um uns herum sprangen auf einmal Funken hin und her und als der Mann eine riesige Axt hervor holte leuchtete Feuer um uns und der Bühne auf. Der Mann mit den gelben Augen kniete sich hin und legte seinen Kopf auf der Holzbank ab. Der Mann mit der Kapuze schwang seine große, schwere Axt und diese sauste auf den Hals hinunter. Der abgetrennte Kopf rollte vor unsere Füße und das Blut spritzte uns ins Gesicht.

Clair Maos - die Geschichte einer KöniginLies diese Geschichte KOSTENLOS!