Besuchertag

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Es kam wie es kommen musste. Ich lag jetzt schon seit einer Woche krank im Bett und es war keine Besserung in Sicht. Das lag vermutlich daran, dass ich nicht gesund werden wollte. Ich hatte keine Lust wieder zu den Leuten zu gehen die mich nicht mochten oder nur so taten als ob sie es tun. In gewisser Maßen war ich froh, dass Jan mir ehrlich gesagt hat, was er von mir hält. Immerhin musste ich mich so nicht mit noch einem falschen Freund rumschlagen. Im laufe der Woche sind alle mal vorbeigekommen aber ich war mir nicht mehr sicher wem ich eigentlich vertrauen konnte. 

Heute war Besuchertag. Das heißt, dass heute Leute von Außerhalb der Schule kommen konnten um uns zu besuchen. Natürlich mussten sie dafür einen Antrag stellen, der auf komplizierte Weise geprüft werden musste. Somit wollte man verhindern, dass potenzielle Attentäter, Groupies oder schlimmere in die Schule gelangten. 

Die Tür zu meinem Zimmer ging auf und ich tat mal wieder so als würde ich schlafen. Mittlerweile ist das zu einem natürlichen Schutzmechanismus geworden oder zumindest fühlt es sich so an. 

Eine vertraute Stimme glitt durch den Raum, doch ich konnte sie nicht einordnen: "Ach du meine Güte. Armes Ding. Ich glaube wir lassen sie weiter schlafen, meinst du nicht auch Bernd?" Der Name erinnerte mich an drei komische Gestalten. Waren das etwa? Nein, warum sollten die mich besuchen kommen? "Ich glaube, dann müssen wir ein anderer Mal wieder kommen." sagte Bernd.  

"Geht nicht." sagte ich leise und schob die Decke von mir. Ich schaute auf und sah tatsächlich Bernd und Luisa vor mir. Luisa viel mir sofort um den Hals und drückte mich ganz fest an sich: "Och, kleines. Du bist ja doch wach. Schön, dass du uns noch kennst." 

"Sag mal, weißt du eigentlich, wie schwer es ist durch diese hässlichen Kontrollen zu kommen? Die durchwühlen dich komplett und der Antrag, den man stellen muss ist ja die Höhe. Was da für Fragen drauf standen ist ja auch unmenschlich." beschwerte sich Bernd und daraufhin musste ich anfangen zu schmunzeln. 

"Bernd, Schatz!" sagte Luisa zu Bernd gewandt damit dieser aufhörte zu reden. "Er hat sich schon den ganzen Weg hierher darüber beschwert und mich Amit genervt." sie lächelte mich freundlich an. Dann stand sie auf und ging zu den Fenstern und riss sie weit auf. "Wir müssen hier mal wieder etwas Sauerstoff reinlassen und draußen ist so schönes Wetter. Das Licht schadet dir nicht." Nun ging sie rüber zum Kleiderschrank.

"Was machst du da?" fragte ich sie leicht verwirrt. 

"Ich suche dir was schickes zum Anziehen. Wir gehen jetzt spazieren. Du musst uns unbedingt den Campus zeigen und uns deine Freunde vorstellen." sagte sie aus dem Kleiderschrank. Bei dem Gedanken daran verzog ich mein Gesicht. Welche Freunde bitte? Ich war mir ja nicht mal sicher, ob ich Clarissa noch vertrauen konnte. Sie hat sich die letzten Tage zwar fürsorglich um mich gekümmert aber das Tat nichts zu Sache. 

Bernd hatte sich mittlerweile auf meinen Sitzsack am Ende das Raumes nieder gelassen und starrte aus dem Fenster: "Wirklich schöne Aussicht hier." Er konnte sie jedoch nicht lange genießen, denn Luisa schmiss ihn auch schon aus dem Zimmer, damit ich mich ungestört umziehen konnte. 

Sie drückte mir einen weinroten Strickpullover, eine braune Jeans und ein paar Timberland's in die Hand und deutete mir mich im Badezimmer umzuziehen. Da ich sowieso keine Wahl hatte und auch durch Protest nicht weiterkam ergab ich mich und schlich ins Bad. Da ich mir noch die Zähne putzen, Gesichtspflege betreiben und etwas Make-Up auflegen musste, dauerte das Ganze wohl ziemlich lange. Aber ich war mit meinem Ergebnis zu frieden. Ich stopfte mir fünf Packungen Taschentücher in die Tasche und eine Schachtel mit Bonbons gegen die Halsschmerzen. Auf meinem Bett lag eine Jacke und noch ein Schal, die ich ebenfalls anzog und umband. 

Fertigangezogen ging ich nach unten, schnappte mir Luisa und Bernd, die sich noch mit Elli unterhalten hatten, und zog sie aus dem Haus. Ich wollte das Ganze so schnell wie möglich hinter mich bringen. 

Wir sind schon alles abgelaufen und bis jetzt ist mir auch noch niemand bedeutendes über den Weg gelaufen. Ich hatte Bernd und Luisa meine Momentane Situation geschildert und sie hinsichtlich meiner Probleme mit dem Vertrauen anderer gegenüber aufgeklärt. Beide reagierten fürsorglich und verständnisvoll mir gegenüber, wie man es von guten Freunden erwarten würden. 

Ich schloss die Eingangstür vom Haus auf, doch bevor ich eintrat drehte ich mich nochmal zu den beiden um: "Danke, dass ihr heute da wart. Das hab ich echt gebraucht." Mit den Worten drehte ich mich wieder zur Tür und öffnete sie. 

"ÜBERASCHUNG!" rief man mir zu. Ich blickte mich um. Überall hingen Luftballons und Bannas mit dem Schriftzug 'Surprise'. Es standen genau die Leute vor mir deren Loyalität ich zuvor noch angezweifelt hatte. Sie hielten Wunderkerzen in der Hand, hatten Partyhüte auf und ein fettes Grinsen im Gesicht.  

Clarissa kam auf mich zu. Sie setzte mir einen Partyhut auf und reichte mir ein Glas Sekt. "Da wir mitbekommen haben, dass du in den letzten Tag nicht so gut drauf warst und uns gemieden hast dachten wir uns, dass wir dir eine kleine Freude bereiten." erklärte sie mir.

Fassungslos starrte ich sie an. Hatten die überhaupt eine Ahnung in was für einem inneren Konflikt ich gerade stand? Wussten sie, was Jan mir vor einer Woche an den Kopf geworfen hat? Und jetzt war er hier. Er lächelte mich ebenso an wie die anderen. Was soll denn das Ganze? 

"Warum bist du hier?" fragte ich Jan. 

"Wieso fragst du ihn das? Er gehört doch schließlich auch zu deinen Freunden. Genau wie der Rest hier." fragte mich nun Ruby. Was geht hier bitte ab?

"Aber er war es doch, der mir erklärt hat was er in Wirklichkeit von mir denkt. Er war es, der mir sagte ich soll mich von ihm und Ruby fern halten. Er hat mir lang und breit seine Gefühle über mich dargelegt und dass er mich von Anfang an nicht leiden konnte." verzweifelt und unter Tränen, die ich die ganzen Tage zurückgehalten habe, blickte ich in die Runde. Das Lächeln aus den Gesichtern verschwand und alle drehten sich zu Jan. Dieser blickte nur finster in meine Richtung. Dann folgte ein lauter Knall: "Du hast was?" Fragend schrie Ruby ihren Freund an und blickte ihm vorwurfsvoll ins Gesicht. 

"Na das erklärt natürlich einiges." mischte sich nun Christian mit ein. Es folgte ein weiteres dumpfes Geräusch. Es war mal wieder Cale der sich für mich prügelte: "Verpiss dich, alter!" Jan stürmte an mir vorbei aus dem Haus und knallte die Tür hinter sich zu. 

"Oh Gott, Claire." Clarissa kam auf mich zu gerannt, zog mich in eine Umarmung und die anderen taten es ihr nach "Wir haben dich ganz doll lieb und das wird auch immer so bleiben." 

Tränen flossen mir über das Gesicht und ich kuschelte mich an Clarissa: "Und ich dachte schon, ihr hasst mich alle." Zur Antwort drückte sie mich noch fester an sich und strich mir beruhigend über den Rücken. "Natürlich nicht. Du bist doch meine Schwester. Ich könnte dich niemals hassen. Dafür liebe ich dich zu sehr." 

Clair Maos - die Geschichte einer KöniginLies diese Geschichte KOSTENLOS!