Herzog und Herzogin von North East England

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Langsam schritt ich die Treppe runter. Alle Blicke waren auf mich gerichtet. Die extra für mich angereisten Gäste bildeten einen Gang von der Treppe bis zu der Bühne, auf der meine Familien standen. Ich meine das ernst. Es standen beide Mütter, Väter und Geschwister auf der riesigen Bühne.

Fast hätte ich die letzte Stufe der Treppe vergessen und fast wäre ich dabei hingefallen. Aber wie gesagt: Nur fast.

Wie in Zeitlupe lief ich den mir endlos vorkommenden Gang entlang. So was sieht in Filmen immer so leicht aus aber in echt war es eine fast unmögliche Aufgabe nicht auf das Kleid zu treten oder mit den Schuhen umzuknicken.

Als ich dann endlich mal auf der Bühne stand, fiel ich meiner Ziehfamilie um den Hals. Sagen konnte ich nichts, da mir schon die Tränen kamen. Im letzten Moment erinnerte ich mich aber noch daran, das ich das Make-Up sonst verschmieren würde. Eigentlich ist mir sowas ja echt egal aber irgendwie fühlte ich Verantwortung in mir hochkommen. Verantwortung für mich und die Leute in diesem Saal.

"Schön das ihr hier seid." sagte ich in die Umarmung und löste mich von ihnen. Es fiel mir echt schwer, aber mir tat meine andere Familie leid und so schmiss ich mich sofort auch in ihre Arme und bedankte mich dafür, dass sie meine Ziehfamilie hergeholt haben.

Christoph löste sich zuerst aus unserem Gruppenkuscheln und trat nach vorne. Den Gästen zugewannt sagte er ein paar feierliche Worte und bedankte sich bei allen Gästen und meiner Familie für das Kommen. Zur gleichen Zeit wurde mir ein Glas gereicht in dem wohl Sekt oder so war. Clarissa und ich wurden von Christoph nach vorne geholt und er sprach einen Toast aus: "Einen Trost auf Sie liebe Gäste, die wunderbaren Personen hinter mir und natürlich auf die Zukunft von England." bei letzterem zeigte er auf Clarissa und mich und die Menge jubelte.

Wir traten der Reihe nach von der Bühne. Da ich extrem großen Hunger hatte, stürzte ich mich sofort auf das Buffet. Auf diesem lagen Kaviar, Thunfisch und irgendwelche Meerestiere die ich vorher noch nie gesehen habe. Ich entschied mich für den klassischen Lachs. Dummerweise standen nirgendwo Teller oder Besteck und so stand ich leicht verwirrt vor dem Buffet bis mich ein Mann von hinten ansprach: "Prinzessin?"

Leicht erschrocken drehte ich mich zu ihm um: "Ihm, ja?"

"Ich will sie ja nicht stören, aber das ist die Speisekarte. Die Kellner bringen das Essen nachher in den Speisesaal, in dem sich alle Anwesenden an einen großen Tisch setzen werden um gemeinsam zu speisen." Er sagte das mit einer Selbstverständlichkeit, die ich beim besten Willen nicht nachvollziehen konnte und mich auch gleichzeitig etwas verstörte. "Wozu stehen wir dann noch hier?" fragte ich leicht verwirrt. "Wegen des Toast's des Königs. Und natürlich, weil sie erst noch mit einigen Gästen reden sollten bevor gegessen wird." Ein spöttisches Grinsen folgte.

"Dann werde ich das jetzt tun." erwiderte ich leicht angenervt. Ich blickte mich im Saal um und sah einen Haufen Leute, die ich nicht kannte aber das kann man ja immerhin noch ändern. Da ich die Gesellschaft von dem Typen neben mir nicht wirklich genoss ging ich einfach zu den Personen, die am weitesten von uns entfernt standen. Es war ein älteres Pärchen, das sich leise unterhielt. Beide sahen recht nett aus und so ging ich einmal quer durch den Raum auf sie zu.

"Guten Abend. Ich glaube wir wurden uns noch nicht vorgestellt. Ich bin Claire." sagte ich mit einer freundlichen Stimme zu den beiden und sie lächelten sofort.

"Aber wir wissen doch wer du bist, Schätzchen. Die ganze Welt weiß es. Aber es ist uns gewiss eine Ehre sie persönlich kennenlernen zu dürfen. Mein Mann hier neben mir ist der Herzog von North East England und folglich Weise bin ich die Herzogin." sagte die Frau zu mir. Sie hatte eine erschreckend hohe Stimme aber sie war eine freudige Abwechslung zu dem Rest der Leute, denen ich bisher so begegnet bin.

"Freut mich sehr sie kennenzulernen Herzog und Herzogin von North East England." erwiderte ich mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.

"Bitte, nennen sie uns einfach Bernd und Luisa." lachte der Mann. "Das wird ja sonst viel zu lang."

"In Ordnung, Bernd. Es tut mir leid, dass ich sie das frage, aber Bernd und Luisa sind nicht wirklich englischer Herkunft oder? Ich weiß, mein Name ist auch eher französisch aber so ist es eben." fragte ich vorsichtig.

"Ja da hast du recht Schätzchen. Wir beide sind hier in England geboren worden aber unsere Vorfahren kommen alle aus Mitteleuropa und ich zum Beispiel wurde nach meine Uhrgoßmutter benannt. Bernd dagegen ist schon der dritte Herzog von North East England mit diesem Namen. In der Familie wird dieser Name mit Stolz weitergegeben. Wir haben unserem erstgeborenen ebenfalls diesen Namen gegeben. Er müsste hier auch irgendwo rumlaufen." erklärte sie und suchte mit den Augen den Saal ab.

Ihre Augen wurden kurz groß. offensichtlich hat sie ihn gefunden. Mit ihrem Zeigefinger zeigte sie in die Richtung meiner Eltern. Dort stand ein junger Mann meines Alters mit strohblonden Haaren und einem rundlicheren Gesicht. Er war allgemein etwas robuster gebaut. Sowas ist ja auch überhaupt nicht schlimm, schließlich können nicht alle Menschen Modells sein. "Da ist ja unser Bernd." sagte Luisa erfreut.

im nächsten Moment hörte ich jemanden gegen ein Glas schlagen und Christophs tiefe Stimme ertönte im Raum: "Meine Lieben Gäste, lasst uns nun gemeinsam in den Speisesaal gehen. Wir wollen das köstliche Essen unserer Köche genießen." Und damit begaben sich auch schon alle in Richtung des Speisesaals. Da ich keine Ahnung hatte, wo sich dieser befand lief ich Bernd und Luisa einfach hinterher. Komischer Weise wussten alle, wo der Speisesaal ist und so nahm ich mir vor, das Schloss später mal genauer erkunden.

Anscheinend gab es hier auch noch eine feste Sitzordnung. Ich musste gegenüber von Clarissa und neben meinem Ziehvater Platz nehmen. Und so unterhielten sich alle wild mit einander während ich nur das Essen in mich reinschaufelte. Immerhin hatte ich seit mehr als einem tag nichts mehr gegessen, weswegen ich ziemlich am verhungern war.

Clair Maos - die Geschichte einer KöniginLies diese Geschichte KOSTENLOS!