Winterwunderland

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Ich weiß nicht  wie lange ich eigentlich auf dem Boden lag und mir die Seele aus dem Leib geschrieben habe. Auf jeden Fall kam es mir wie eine Ewigkeit vor. Ich wurde von Cale hochgehoben, den Flur hinausgetragen und in einem weiteren Zimmer in ein weiches Bett gelegt. Reden konnte ich nicht und ich wollte es auch nicht. Was sollte ich auch sagen? "Schöner tag heute" oder "Gutes Wetter draußen"? Mir fiel dann auch auf, dass ich keine Ahnung hatte, wie es dem Rest von London geht und vielleicht waren ja nicht nur in London Bomben, sondern überall in England. Was ist, wenn es weitere Anschläge geben wird? All das und noch vieles mehr war unbekannt und um mal ehrlich zu sein wusste ich nicht mal wie das Wetter draußen war. ich wusste rein gar nichts. Komisch war nur, dass es mich nicht interessierte. 

Irgendwann schlief ich ein. Es war einer dieser traumlosen Nächte. Auch nach dem aufwachen war mein Kopf leer. Ich wusste nicht, wie spät es war und was passiert war. Ich wusste nicht mal wo ich bin. Irgendwie bin ich im Halbschlaf in ein Badezimmer gekommen und duschen gegangen. Beim Duschen wurde mir mit einem mal alles wieder bewusst. Alles war wieder da, nur die Tränen blieben weg. Irgendwie störte es mich und trotzdem kam ich mit der Tatsache, dass meine Familie tot war, gut klar. Mein Gehirn war wie benebelt, wie in Trance. 

Ich ging aus der Dusche und wieder in mein Zimmer. Ich bekam nicht mit, dass Cale in dem zimmer stand und offenbar auf mich gewartet hatte. Ich bekam nicht mit, dass der sich peinlich berührt wegdrehte und mir von jemand anderen eine Decke gereicht wurde. Ich bekam nichts mit. Mein Kopf versagte und dann taten es ihm meine Beine gleich. 

Mal wieder wachte ich auf, nur diesmal mit höllischen Kopfschmerzen und einem klaren Verstand. Ich versuchte erst gar nicht meine Augen zu öffnen, weil ich Angst vor dem hatte, was mich erwarten könnte. Ich hatte Angst, dass alles real werden könnte und dass ich nicht wie gewöhnlich in meinem Zimmer in der Akademie aufwachen würde. Ich hoffte, dass jeden Moment Elli durch die Tür spazieren  und mich wecken würde idem sie mir eine Tasse tee unter die Nase hielt. Jedoch roch ich keinen Tee, ich roch Zimt und Lebkuchen. War denn etwa doch schon Weihnachten? 

Zaghaft öffnete ich die Augen dann doch. Ich lag nicht in dem Zimmer der Akademie. Ich lag aber auch nicht in meinem Zimmer im Palast und es war ebenfalls nicht das Zimmer in dem ich zusammengebrochen bin. Ich lag in einem Holzbett mit mehreren Decken, die offensichtlich mal gestrickt worden waren. Auch die Decke war aus Holz, genauso wie der Boden des Raumes. Es war ein relativ kleiner Raum. Ich setzte mich auf und wagte einen Blick um mich rum. Es war alles sehr rustikal eingerichtet und dennoch hatte der Raum einen femininen Touch. Mein Blick blieb an eine Fenster hängen. Es zeigte einen wunderschönen Ausblick auf eine Schneelandschaft. Wo zur Hölle war ich? 

Ich streckte die Füße aus den Bettdecken um aufzustehen, doch zog sie sofort wieder zurück. Der Raum war nicht beheizt und das war wahrscheinlich auch der Grund für die vielen Bettdecken. Ich blickte zu dem Stuhl, der an der rechte Seite des Bettes stand. Auf ihm lag warme Kleidung, nach der ich mich momentan sehr sehnte. Ich griff nach ihr und zog mich umständlich unter den Bettdecken um. 

Mit dicken flauschigen Socken, einem roten warmen Pulli und eine Jogginghose mit Rentieren drauf ging ich zur Tür. Ich öffnete sie und betrat einen engen Flur, der genauso aussah wie das Zimmer. Links oder Rechts? Ich nahm eigentlich immer rechts, aber diesmal sah links einladender aus. 

Der Flur endete relativ früh in einer kleinen Küche, die wieder rustikal aussah. Aber auch hier war niemand. Vorsichtshalber rief ich laut durch das Haus, jedoch bekam ich keine Antwort. So ging ich den Flur wieder zurück und folgte ihm bis zum anderen Ende. Hier waren mehrere Zimmer. Direkt neben meinem war ein Badezimmer und daneben war ein weiteres Schlafzimmer. In diesem lagen Sachen auf dem Boden und der Kamin an der linken Seiten brannte noch. Ich war also schon mal nicht allein. 

Gegenüber befand sich eine Treppe, die nach oben führte. Obwohl es sehr dunkel dort aussah ging ich sie hoch und fand dort rein gar nichts. Es war leer, abgesehen von einem kleinem Fenster, dass aber auch nur wieder einen Ausblick auf das Winterwunderland gab. Jedoch mit einem Unterschied zu meinem Fenster. ich sah Fußspuren. 

Ich rannte die Treppe wieder nach unten, in mein Schlafzimmer zu dem großen Schrank auf der Klinkenseite vom Bett. So wie gehofft befanden sich dort dicke Winterjacken und Schuhe drin. Ich zog mich warm an und begab mich dann in die Küche. Von dort aus gab es eine Tür, die nach draußen führte. Ich ging als ich draußen war ein paar Schritte vom Haus entfernt und meine Vermutung bestätigte sich. Es war eine kleine Holzhütte. Die Landschaft bestand hauptsächlich aus vereinzelten Bäumen und und einem großen Gebirge hinter der Hütte. 

Ich folgte den Fußspuren, die geradewegs in einen Wald führten. Ich folgte ihnen immer tiefer in den Wald, doch mi einemmal hörten sie auf. Verwirrt drehte ich mich im Kreis und sah doch nichts außer Schnee und Bäumen. Langsam wurde mir auch kalt und so beschloss ich wieder zurück zu gehen. Ich folgte den Fußspuren wieder zurück. Jedoch blieb ich am Waldrand stehen. Ich sah, wie eine Gestalt um die Hütte rannte. Sie war ofensichtlich auf der Suche nach etwas. Aber nach was nur? Ich betrachtete sie genauer. Es war Gott sei Dank ein Mensch, der eine sehr dunkle Winterjacke und Hose trug. Man hätte ihn auch gut für einen Bär halten können. 

Er blieb direkt vor meinem Fenster stehen. Was ist, wenn es ein Auftragskiller ist? Ich suchte eine Möglichkeit mich zu verstecken und ihn dennoch im Blick zu behalten. Aber mit meiner roten Winterjacke fragte ich mich warum er mich nicht schon längst bemerkt hatte.  Und da mein Leben momentan sowieso den Bach runterging, beschloss ich ihn einfach zu fragen. Was hatte ich denn schon groß zu verlieren? Und für den Notfall war ich ja mal einem Selbstverteidigungskurs.

Mit selbstbewussten Schritten ging ich auf ihn zu. Jedoch schien er mich immer noch nicht zu bemerken. Er suchte weiter mein Zimmer ab. So stand ich mittlerweile hinter ihm. Weil ich nicht wusste wie ich es sonst anstellen sollte tippte ich ihm einfach auf die Schulter. Sofort wurde ich am Arm gepackt und auf den Boden geschleudert. Gott sei Dank war der Fall nicht so hart, da unter uns Tiefschnee war, aber schön war es auch nicht.

Ich blickte unter die Kapuze des Unbekannten und erblickte doch nur eine Skibrille und einen Dicken Schal, den er tief ins Gesicht gezogen hatte. "Was machst du denn hier draußen?" fragte er mich auf einmal? Verwirrt sah ich ihn an. Was sollte denn so eine doofe Frage? Anstatt ihm zu antworten versuchte ich wieder aufzustehen und er half mir sogar dabei. Als ich wieder stand nahm der Unbekannte seine Skibrille ab und schob die Kapuze nach hinten. Mir blieb der Atem weg: "Was machst du denn hier, Cale?" 

Clair Maos - die Geschichte einer KöniginLies diese Geschichte KOSTENLOS!